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Menorah · 1924-05-01 · Heft 5 (Mai 1924) · p. Seite 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 5 (Mai 1924)
Article
Aus dem Schauspiel "Dawid"
Date
1924-05-01
Page
Seite 10 (sequence 1)
Language
German
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10 MENORAH A m a u 1 D w 1 d " DRITTE SZENE EIN PAL ASTSAAL IM KÖNIGS¬ SCHLOSSE IN JERUSALEM DAWIÜ: Urijah nach zu seinem Hause traget Das Gastgeschenk, das ich ihm heute gab; Und an der Pforte seines Hauses fraget, Ob seine Gatlin aufgesucht er hab'. Ich habe heimzugehen ihm-befohlen Nach seinem Hause und zu seinem Weib! Jchojada, ich bitte, geh ihn holen! (Jchojada ab.) Wüßte ich nur, warum er draußen bleib' — Wer von Euch weil.» etwas in dieser Sache? War der Hethiter irgendwie verstört? Sprach er zu irgendjemandem von Rache? Allmächtiger Gott! Er hat doch nichts gehört? Wen hat an meinem Hofe er gesprochen. Bevor er Joabs Brief mir übergab? JONADAB: Er sprach mit mir von den durchkämpften Wochen . . . DAWID: Sonst habt Ihr nichts gesprochen, Jonadab? JONADAB: Wir sprachen nur von dir und deinen Siegen Und seines Weibes wu.de nicht gedacht. Ich hab' nur zugehört und hab' geschwiegen. DAWID: Und doch bat man mißtrauisch ihn gemacht! (Urijah, der Ilcthiler und Jchojada.) Ich habe Seltsames von dir vernommen: Vor vierzig langen Wochen zogst du aus — Nach vierzig Wochen bist du heimgekommen — Und bliebest ferne deinem Weib und Haus? URIJAH: Nicht lasse deinen Ingrimm, Herr, entbrennen! Nach seinem Hause sehnt ein jeder sich. Doch ginge ich hinab: Ich muli bekennen — Ich müßte schämen vor mit selber mich! Weilt Israel und Juda doch in Zelten Und Joab lagert auf dem nackten Stein! Wie sollte nur für mich die Not nicht gelten — Bei meinem Weibe liegen ich allein? Wenn andere ihr Blut im Kriege geben, Soll ich beim Wein vergessen meiner Pflicht? Bei deinem Leben — deiner Seele Leben: Ich tue eine solche Sünde nicht! DAWID: Doch deinem V/cibc gibst du Grund, zu klagen. Die keinen Gruß sogar von dir erhielt! URIJAH: Und sollte ich mein Weib zu fürchten w:ägcn In einer Sache, die mir Gott befiehlt? DAWiD: Vermag ich solchen Stolz auch nicht zu fassen, So achte ich ihn dennoch hoch in dir! Geh hin in 1 iiec'cn — doch noch nicht entlassen: Heut abend speisest du als Gast bei mir, Und morgen will ich einen Brief dir geben: Dem Joab überbringe dic.e Schrift! (Urijah ah.) Bei meiner Seele und bei meinem Leben: Das ist die Rache Gottes, die mich trifft! Amnon, mein Sohn, mir graut vor meiner I-'rotic! Ich sage dir... Und alles für ein Weib! Fort, Amnon, fort! Geht fort mit meinem Sohne! Geht alle fort! — du, Achitofel, bleib! (Alle außer David und Achitofel ah.) ACHITOFEL: Was ist dir, Herr und König, widerfahren? Was bringt dich so unwürdig außer dir? DAWID: Ich bin ein Mann von zweiundfünfzig Jahren — Und wie ein Kind war ich in meiner Gier! Ich, dessen Leben Not und Mühsal waren. Geleitet nur von meines Gottes Stern — Jetzt erst in diesen meinen grauen I laaren Versuchte ich die Langmut meines Herrn! ACHITOFEL: Ich glaube, daß ich mich nicht irre, König, Und daß du damit der Bathseba denkst? Das ehrt dich, doch es scheint mir, daß ein wenig Zuviel Beachtung dieser Tat du schenkst! Wer hat nicht hier und da wie du gehandelt Und Ärgeres getan, als du an ihr? Kein Mensch ist jemals sündenlos gewandelt Durch diese Welt der Sünde und der Gier! DAWID: War jedes Wort nicht wie ein Höhnen meiner? Nicht jede Silbe wie ein Flammerschlag? So fühlt und handelt meiner Knechte einer — Und ich verriet ihn, der zu Felde lag? Die Worte waren mir wie Gottes Worte! Den Fluch des Ewigen hörte ich heraus — Ein Engel Gottes steht an meiner Pforte: Nur scheinbar liegt Urijah vor dem Haus! ACF11TOFEL: Du darfst dich nicht zu tief erschüttern lassen! Was nützt dir nach der Tal die Reue nun? Ein andres müssen wir ins Auge fassen: Es ist einmal geschehen — was jetzt tun? Denn offenkundig darf die Tat nicht werden! Urijah darf nicht ahnen, was geschchn! Denn kann er auch nicht ernstlich dich gefährden. So kann er doch recht hart zu Leib dir gehn! Zwei Wege gibls: Entweder, ihn zu zwingen, Daß er doch noch bei seinem Weibe ruht . . . Oder. . . DAWID: Ich weiß schon: Oder umzubringen! ACHITOFEL: Das meinte ich! Dann über ihn sein 31ut! DAWID: Zuerst an seinem Weibe mich vergreifen — Am Weibe dessen, der mir blind vertraut! — Dazu noch Mord auf meinen Scheitel häufen . . .? ACHITOFEL: Ich kann begreifen, daß dir davor graut. . . DAWID: Noch seh ich einer schwachen Floffnung Funken: Vielleicht, daß es doch noch verborgen bleibt Und daß es ihn, ist er heut Nacht betrunken. Doch noch hinab zu seinem Weibe treibt. Ich habe ihn ja darum eingeladen, Um zu versuchen, ob noch Hilfe sei — O Herr — mein Gott der Rache und der Gnaden! Vergib mir meine Schuld und steh mir bei! Bewahre mich, daß nicht zum letzten greifen Ich müsse, um zu retten mein Gesicht! Laß mich nicht Blut auf meinen Scheitel häufen — Denn meinen Thron gefährden will ich nicht! Da will ich lieber ohne Angst und Beben Zur Arglist grcilen und zum Meuchelmord! Will sündigen und Rechnung drüber geben: Vom Thron, den Gott mir gab, treibt nichts mich fort! Ich lasse es geschehn, wie Gott es treibe — Ich leg' es in Urijahs eigene Hand: ("cht er heut Nacht hinab zu seinem Weibe, So hilft mir Gott aus Sünde und aus Schand"! Doch gehl er nicht und ist der Mann gerechter. Als ich es bin, durch den er dann verdirbt — So sei der Ewige meiner Seele Wächter: Daß der Hethiter sterben muß und stirbt! Gott, der mich führte durch mein ganzes Leben Auf Xions Höhe aus dem Elend tief — Er wird nach allem mir auch noch vergeben Bathsebas Schmach und den Urijahbrief! (Ah.) ACHITOFEL: Ein kluge. Mann hab' ich mir selbst geschienen — Jetzt sehe ich, es sei nur Selbstbetrug: Denn neben diesem Mann, dem ich zu dienen Die Ehre habe, bin ich gar nicht klug! Ich hab" die Gabe, Menschen zu belügen Und nütze sie und sie erfreut mich sehr . . . Gott selbst jedoch wb Dawid zu betrügen — — Denn das versucht er — das ist mir zu schwer! In Recht wie Unrecht Gott den Herrn empfinden, So daß zu Gottes Knecht mich beides weiht — Solcher Gedanken kann sich unterwinden Ein König nur: Mir sind sie zu gescheit! DREIUNDDREISSIGSTE SZENE" EIN ZIMMER IM HAUSE ACFIITOFELS IN GILOH ACHITOFEL: Zu Ende ist, was ich zu tun, gediehen: Versorgt ist meine Tochter, ist mein Sohn; Verteilt ist aller Reichtum, mir verliehen — Eine Erleichterung meiner Lebcnsfrohn! Von Absalon hab' ich mich abgewendet — (Er fällt wahrscheinlich heule in der Schlacht!) — Und dieser Abschnitt meines Lebens endet. Wie alles endet, was man nicht bedacht! Soll ich noch einmal mich dem Dawid weihen? Mich wieder sonnen an des Hofes Glanz? Begehre ich's, wird Dawid mir verzeihen — Kennt er doch jetzt erst meine Klugheit ganz! Soll noch einmal anfangen ich, zu leben? Wozu? Daß nochmals ab ich schließen muß? Den Riegel, den ich zuschob, nochmals heben? — Ich habe Schluß gemacht, so sei es Schluß! Es war mir nicht beschieden, daß mein Wille Im Leben sich erfülle, reine Tat: Doch nach dem Tode etwa — in der Stille, Wird Taten reifen meines Sinnens Saat! Ich tausche Leib mit Leib in dieser Stunde, Weil es mich doch wahrscheinlicher bedünkt. Daß, was mir hier aus mehr als einem Grunde Mißlingen mußte, anderswo gelingt. Für Erdenschwere andrer Sterne Schwere, Eintauschend — nur mit anderem Firmament, Werde ich endlos tauschen: Bis im Meere Äußern Geschehens ich das Innere fand*; Bis ich durch soviel Leben bin gegangen, Daß meine Seele, ihres Lebens satt, Nur noch das eine bebende Verlangen: Sich aufzulösen — zu verlöschen hat! Bis meine Klugheil mir beginnt zu wanken — Bis meines Geistes Schärfe mich verließ — Bis Wünsche mir absterben und Gedanken — — Der letzte Tod, der wahre Tod ist dies! Dann werde ich an mich vergessen können, Und an des Ewigkörperlichcn Spott, Und werde, mein nicht mehr bewußt, mitbrennen Im Sternenlichte — dann bin ich wie Gott! — — Und wenn mich etwas brennt in meinem I lerzen — Und wenn vor einem mir ein wenig bangt — So sind es jenes Augenblickes Schmerzen, Da Leib und Seele voneinand verlangt! Ich fürchte nicht die grenzenlose Brücke Und nicht die bodenlose Dunkelheit: Irh fürchte um den Hals den Griff der Stricke Und des Erstickungstodes Grausamkeit! Ich fürchte der Sekunden Niederslauben Und Nicderrieseln um mein Angesicht .... Ach, Gott der Väter, könnte ich doch glauben, Wie andere Menschen glauben, still und schlicht! Ach, Gott der Väter, könnte ich doch hoffen. Daß Du bei mir, bei meinem Sterben bist .... — Herz, wanke nicht in mir! Aug', bleibe offen! Stirb' ohne Hilfe dessen, der nicht ist! (Er schlägt den Nagel ein.) Feinste KU che Hübners Kursalon-Restaurant Für Hochzeilen, Bankette und Diners stehen herrliche Säle zur Rostenlosen Verfügung Taglich 5-Uhr-Tee mit Tanz. Telephon Nr. 57S.

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