Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1924)
- Article
- Aus dem Gedichtband "Leben in Liebe"
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 9 (sequence 1)
- Language
- German
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9 MENORAH Aus dem Gedichtband „Leben in Liebe Gedichte und Zeichnungen mit Erlaubnis des V h y r s o s - V e r I a g e s , Leipzig und Wien, e n I n o in m o EWIGE HOFFNUNG Und wenn wir einst beide gestorben sind. Dann wirst in dem tiefen Grab, Dann wirst Du wissen, mein liebes Kind, Wie lieb gehabt ich Dich hab"! Und wenn wir einst beide aufersteht! — Vorüber ist Gottes Gericht: Dann sehn wir uns wieder, mein Kind, dann gehn Wir Hand in Hand in das Licht . . . Daun i^clin wir Hand in 1 Iand in den Glanz Und die Herrlichkeit Gottes ein: Dann haben wir endlich einander Ran/. — Dann bist Du mein und ich Dein! DANN KÄMEST DU Mein Leben lag zersplittert und zcrspelll — Ich war zu müde, mich danach zu neigen: Was lag mir an dem Leben? — an der Weit? Gelassen übcrliel.i ich mich dem Schweigen! Dann kämest Du, Dich über mich zu beugen. Und pflegtest mich mit kühler Schwesternhand Und machtest mich, den Sterbenden, leibeigen Und zogest mich aus tiefster Hut ans Land. Du warst von meinem Gott mir zugesandt: Das fühlte ich in Demut und Erbeben! Und ich, den noch kein Zwang je überwand. Dir habe ich mich gänzlich hingegeben. Mit Leib und Seele und jedwedem Streben — Mit meiner Liebe und mit meinem Leben! KRANKE GELIEBTE ■■{• Ich bin erstickt in Erdcniiot und Schmerz — Du bist so keusch und edel wie das Erz — Du bist das Siegel, ich das Siegelwachs: 1'räg' Deinen heiligen Namen in mein Herz! SCHWESTER ROSL Auf Dich zu lief von jeher mein Geschick.! Du lehrtest mich, was Leid sei und was Glück! Lhid alles, was ich schuf und schallen werde. Geht aus von Dir und kehrt zu Dir zurück! MIT EINEM STRAUSSE FRÜHLINGSBLUMEN Länder im Lenze — Aus Frühlingsblumen schling' ich einen Kinn/, Mit dem ich Deine klare Stirne kränze. I langender Mieder — G Liebste, neige Du Dein reines Her/., Dein süü erblühtes, duftend zu mir nieder. Maiglöckchen feine — Sie läuten mir Gebete an Dich zu, Denn ihre weilie Schönheit ist wie Deine. Lüftendes Veilchen — Im Schatten blüht es und durchduftet ihn: Gib mir von Deinem Reiz und Duft cm I eilchen! Schwanker Goldregen — O Liebste, schenke mir Dein heilig Heiz Und überschütte mich mit goldenem Segen. Knospen der Weide — O keusche Knospe, üflnc Dich für mich! Des reichen Sommers Reife ruft uns beide. Grünende Erde — Nie soll sie welken, ewig bleibt sie jung In unserem Heime und an unserem Herde. Sprossende Saaten — Einst sät der Tod uns, wie man Blumen sät: Wir kommen vor Gericht für unsere Talen! Blühendes Leben --- Gott wird uns nach dem Tod, nach dem Gericht Das Leben und die Liebe wieder geben! JETZT TATEN WORTE WEHE Jetzt täten Worte wehe Und nur mein Herz schlagt laut In Deines 1 Ierzens Nahe Du meine liebe Braut! Nach langen Kummers .Stunden Dir plötzlich so vertraut Und Dir so eng verbunden. Du meine liebe Braut! Laü Dich umschlingen fester —- Schmieg Dich an mich vertraut — Du meine liebe Schwester! Du meine liebe Braut! ALLTÄGLICHKEIT Ich war Dir auch schon früher iirmer nah. Doch war es nicht ununterbiochen möglich: Und kam ein lag, an dem ich Dich nicht s, So litt ich sehr und sehnte mich unsäglich. Die kleinste Trennung schien mir unerträglich! Wie anders, wieviel ernster ist es heut: Was seltenes Glück einst war, ist jetzt alltäglich Gewohnheit ist's und war Ergiillenheit! Doch dies zu wissen, ist mir Lust, nicht Leid: Denn das Besonder Icscht, so licht e.> loht — Doch was alltäglich ist, hat Ewigkeit' Alltäglich ist die Ehe wie die Not — Alltäglich wie das .Arbeiten ums Biel — Wie Gott, wie die Geburt und wie der Tod . I lOCl l/.EITSTAG O Herr, mein Gott, der Du mir hast hienie< So vieles Leid, so viel mehr Glück beschied Behüte mich — beliüt' mein Weib und Kind Und segne uns und gib uns Deinen Wieden!