Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1924)
- Article
- [Gedicht] Zum 10. Ijar 5684=14. Mai 1924
- Date
- 1924-05-01
- Page
- Seite 7 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2912821-2912828-2912833-2914074--00740-2914148- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
7 M E N O R A H ZUM 10. IJAR 5684 14. MAI 1924 DEM SECHZIGSTEN GEBURTSTAG MEINES VATERS DR. NATHAN BIRNBAUM O Herr mein Gott, erhöre mich! Heut trete Mit einer Bitte ich vor Deinen Thron: Nicht für mich selber bitte ich und bete — Für meinen Vater, als sein treuer Sohn. Bet' ich, o Herr mein Gott, um Deinen Lohn! Dir ferne ist er lange Zeit gewesen ..... Du weißt es ja! —- Jedcch vor Jahren schon Ist er zu neuer Gläubigkeit genesen. Du hast in seinem Herzen längst gelesen, Wie glühend er, wie ganz er Dich erkannt: Gedenke ihm zum Guten, nicht zum Bösen — Nicht, daß er fiel: daß er Dich wiederfand, Und daß er gegen, alle Welt entbrannt, Im Kampf für Dich und Deine Glorie stand! DER KOMET Mit Geuelnniuunu dos Verlages Kurl König, Wien, d„T Mappe „Weltunti e nt iui in na' n WETTERWOLKEN Es riß der Wind die Wolken aus den Klüften Der feinen Berge, riß sie rasend los! Auf zum Zenite in den höchsten Lüften Stieg ihr Geschwader unabsehbar groß. Kein Flecken blauen Himmels war mehr bloß: Es wälzten sich der grauen Wolken Wogen Stets machtiger heran — tief aus dem Schoß Der Berge riesenhaft emporgesogen. Von Osten kamen sie und rasend flogen Weltüber westwärts sie, wild, weil.i und nackt; Erreichen den Zenit in stolzem Bogen, Vom Sturme bewegt, als sei die Welt beflaggt. Und stürzten sich hinab, vom Sturm gepackt. Ein . ungeheurer stummer Katarakt. GISCHT Vereinigt ruhig Hand mit Hand An des Meeres glitzerndem Schäumen Ein Knabe stand und ein Mädchen stand — Die Kinder standen in Träumen. Sie schauten über die Wellen weit. Was wohl in den Funkelnden wohne? — Das Mädchen sah ein Pcrlengeschmeid, Der Knabe sah eine Krone. WOLKENBILDER Durch die tiefe Himmelsbläue Reiten weilte Wolkenschemen. Immer neue Ihren Weg zur Höhe nehmen. Über Horizontes Stufe, Ihre weißen Linien schwellten: Goldne Hufe Stampfen über blaue Welten. syrische Landschaftei WEIHER Die Wellen des Weihers schweigen. Die Schwäne schaukeln im Schlafen. Zitternde Weiden neigen Sich über den kleinen Hafen. Weißschimmernde Häuser stehen Ums grüne Ufer im Kreise. Schüchterne Windstöße gehen Über den See hin leise. Die roten Dächer der Villen Spiegeln im Wasser, dem seichten. Und ihre Farben erfüllen Die breiten Wellen mit Leuchten. MORGENROT Die Blätter füttern in dem Morgenwind, Die Bäume stöhnen auf in Traumes Trauern. Die Bäume wachen langsam auf und sind Wie Fackeln, die das Dunkel überdauern. Der Himmel ist noch blaß wie Blei und blind. Doch blinzelnd blutig sehn die Häusermauein Hinüber in die Röte, die beginnt, Die blanke Welt weithin zu überschauern. AUSBLICK Tief, tief unter mir — mir zu Füßen, Die Wälder, durch die ich kam, Und die Wiese, die mir mit süßen Düften die Sinne benahm. Die Wälder stehn mittagsglühend. Kein Rauschen, kein Wind darein. Die Wiesen, so wunderbar blühend. So Busch wie Blumen sind Stein. Die Erde will stillcs'ehen Und Schlummer hebt ihre Brust — — Die Wolken nur gehen und gehen. Des Weges kaum bewußt. VOLLMONDNACHT Der Mond erhob sich über breiten Gipfeln. Blutrot zuerst, dann blühend silberweiß. Und ein Gebet und Rauschen in den Wipfeln Erwachte leise und verstummte leis'. Die Berge, die in ungeheurem Kreis Sich übertürmten — unter'm Mondenstrahle Erstarrten sie und glitzerten wie Eis Und hielten /wischen sich, die weiß zu Tale Sich senkten, dieses Tal wie eine Schale. Und in die Schale floß der Silbersand Des Mondenlichts... Bis in dem belspokale Er flutend bis zu seinen Gipfeln stand. Dann floß er über von der Schale Rand — L»nd Mondlicht strömte über alles Land! SON N'EN UNTERGANG Noch glän/cn in den Wegen Lachen; Der Himmel ist unfaßbar klar Und lange Abendschatlen machen Die Dinge fremd und wunderbar. Die Wiesen scheinen sich zu dehnen Smaragden bis zum Eidenrand. Der große Wald, den Flammen krönen, Erlischt und sinkt ins stumme Land. LICHTUNG Sonne bricht durch dichte Bäume, t iberhuscht mir das Gesicht. Ganz versenkt in meine Träume Trete ich ins volle Licht. Bienen schwirren, Mücken tanzen Durch die Lichtung fern und nah. Wie ein Flecr mit tausend Lanzen Stehn die hohen Gräser da.