Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 4 (April 1924)
- Article
- Briefe eines jungen Farmers in Palästina
- Date
- 1924-04-01
- Page
- Seite 11 (sequence 2)
- Language
- German
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MENORAH regcnsicher untergebracht. Möchte nämlich erst den Zubau fertig haben, dann die Möbel aufstellen. Es muß auch noch verschiedenes von einer halb- bis drcivierteljährigcn Junggesellenwirtschaft verschwinden. Vielen Dank. Hier geht alles nach Wunsch. Paul ist ein Bursch unter tausenden, das Lebendige ist alles wohlauf, das Gemüse wachst, bald bin ich auch mit den Winter- und Saatvorbereitungen fertig. Denkt Euch, im Garten des Technikums ist eine Hyäne, ganz zahm, wie ein Hund, aber angebunden, damit sie nicht durchgeht. Bin nur froh, daß ich Akbar nicht dorthin mitnahm, sonst hätte ich sie bezahlen müssen. Alles Unangenehme, was ich etwa in der letzten Zeit schrieb, nehme ich zurück und bitte Euch um Nachsicht in einer nervösen Zeit. F. hat wieder einen Posten bei der Regierung. 18 Pfund monatlich. Paul geht nächste Woche auf Urlaub. Eine Menge deutscher Juden sind angekommen. Palästina hat in den neuen Grenzen zirka I 8.000 km-. K.'s Filiale in Jafla geht unverhofft gut fürs erste Jahr. E. K. kommt anfangs November. Aber ich gehe schlafen. Viele herzliche Grüße! * B., 21. Oktober 1923. Liebste Eltern! Lisa hat geworfen, leider nur drei sehr herzige Junge, zwei Weibchen und ein Männchen. Morgen kommt Sir Herbert Samuel zu Besuch in unsere Kolonie, und ich muß die hebräische Ansprache ins Englische verdolmetschen. Schicke mit gleicher Post Proben von Tabak, Weizen und Gerste. 23. Oktober 1923. Bin total mewulwel! Samuel war da, ich habe gedolmctscht, Komplimente bekommen, Eure Briefe erhalten, photographiert, Möbel aufgepackt usw. usw. Vorderhand Hurrah! Daß Ihr kommt. Der erste tüchtige Regen ist da, und kommende Woche fange ich an zu säen. Über die Möbel freue ich mich immer wieder: sie passen so gut in ein Bauernhaus und sind so hübsch. Es wird ein sehr nettes Häuschen werden, wenn alles fertig ist. Paul, der auf Urlaub war, ist wieder da, und heute geht der Bau auch schon los. Nur der Hof ist noch nicht in Ordnung. Die Nickcrlsachcn sind da — besten Dank. Viele Grüße. B., 12. November 1923. Liebste Eltern! Seid mir nicht böse, vielleicht schrieb ich die letzte Zeit weniger. Mein Schädel dreht sich. Ich mußte Pferd, Pflug und Egge kaufen. War in Jaffa, um dort ein Pferd zu kaufen und ritt darauf über Kefar Sabah her. Freue mich schon ungemein auf Euch! Bitte nichts mehr zu kaufen, laßt es bei den Möbeln bewenden! Kühen, Kalb, Hunden und Geflügel geht's gut. Das Gemüse steht schön. Das Pferdchen arbeitet sehr schön mit dem Maultier, obwohl es natürlich viel schwächer ist. Zubau wird in einer Woche fertig sein, hätte so gern schon den Hof wieder in Ordnung. Im Gemüsegarten wuchs auch ein toter Hund — Akbars Werk. Die Kleinen sind sehr chuzpedig, aber großartig, wiegen fast 3 kg jedes. Wir stehen jetzt um 4 Uhr auf, gehen um halb sechs aufs Feld, sind erst um 7 Uhr abends fertig. Aber das ist nur in der Saatzeit. Heute war E. J. da, hörte, daß Ihr, liebe Eltcin, kommt, und lud uns alle zu sich ein. Leider schon vier W ochen (seit dem ersten) kein Regen. Ganz ungewöhnlich. Bei vielen ist die Saat kaput. I Ierzliche Grüße allen! ß.. I. Dezember 192 3. Liebste Eltern! Es ist noch sehr warm, aber das kann sich in einer Woche gründlich ändern. Der Bau zieht sich und zieht sich, ich fange schon an zu zweifeln, ob alles in Ordnung sein wird, wenn Ihr kommt, liebe Eltern. Ich freue mich schon so sehr. Alles in Ordnung. Paket von G. erhalten. Schönsten Dank. Ich freue mich schrecklich damit. War gerade mitten im schönsten Sauerkohlstampfen, als ein riesiges Kalb — von, der Holländerin — ankam. Ich hatte zuerst einen Schrecken, da es nicht richtig lag, und der Tierarzt nicht da war. Aber so machte ich's eben allein, und es ging ganz gut. Ls isl ein Stierkälbchen, das ich wahrscheinlich verkaufen werde, weil es für mich keinen Sinn hätte, einen Stier aufzuziehen, wo wir die Milch so gut verkaufen können. Die Holländerin gibt jetzt — in der ersten Woche! — schon 21 1 täglich, wird sicher noch mehr werden. Das Wetter ist entsetzlich, es stürmt nicht mehr, sondern orkant. Kann einem manchmal angst und bange werden. Voriges Jahr hatten wir um die Zeit schon Grünfuücr geschnitten, jetzt ist es 5 cm hoch. Kartoffeln sind bei A. F. erst nach 18 Tagen raus! Es wird wohl noch alles werden, aber vorderhand stchfs immer auf einem Punkt. Im Haus sieht's sehr hübsch aus. Vornehm, würde Tony Permancdcr sagen. Gardinen, Hängelampe mit schönem Schirm. Von Gemüse pflanze ich rote Rüben. Salat, Endivien, Römischen Salat, Kartoffeln. Dann Oliven, Maulbeeren, Casuarina, habe schon alles da. Feiner noch Kletterpflanzen und Blumen und Obstbäume. Milchvcrtiag ist unterschrieben. Bin glücklich wie ein kleiner König und tausche mit keinem großen.