Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 4 (April 1924)
- Article
- Tiberias [Illustration]
- Date
- 1924-04-01
- Page
- Seite 10 (sequence 1)
- Language
- German
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10 MENORAH Tibcrias Mit üent'limisunü des Benj. I!; Josef Fluch Wh Briefe eines jungen Farmers in Palästina Diese Veröffentlichung bildet eine Fortsetzung der bereits in Heft 2/3, 4 und 5 des I. Jahrganges erschienenen Briefe B., 29. August 1923. Liebste Eltern! F. ist noch nicht da, aber ein großer Haufen Steine im Hof wartet schon auf ihn. Akbar hat sich heute nachts ausgezeichnet und den berüchtigsten Kelef der Kolonie (vierbeinig) sehr übel zugerichtet. Er hätte ihn, falls ich nicht eingeschritten wäre, fast umgebrungen. Das Biest fiel mich nämlich an. (Wir wachen abwechselnd in der Kolonie, da wir den Schomer entlassen haben.) Das Bcyruther Kälbchen war ein Stierkälbchen. Während ich mir noch überlegte, ob ich es selber verspeisen oder verkaufen sollte, begab es sich mit Magen- und Darmkatarrh und einer Lungenentzündung in ein besseres Jenseits. Kein Unglück. Die Molkerei fängt bald an zu arbeiten. Pasteurisieren. Sie kann außerdem noch viele Kunststücke, zum Beispiel Eis machen, hat elektrisches Licht und ist — wenigstens hier — eine Sehenswürdigkeit. Die Nivellierungsarbeiten gehen gut vorwärts. Ich freue mich sehr, daß Ihr glaubt, im Frühling herkommen zu können. Allewcih, wie P. sagt. Ich denke, wir werden schone Tage zusammen verleben, denn ich werde langsam alt und infolgedessen vernünftiger, wenn auch nicht besser. Kohlrabi, Tomaten und Möhren werden bald ausgepflanzt. Nur die Roterübenpfiänzchen haben die Vögel aufgefressen. Die Kolonie macht sich, der Sekretär bekommt von uns nur mehr 5 Pfund, dazu als Postmeister von der Regierung 1'5 Pfund. Schomer ist abgeschafft, Bäcker und Fleischer zahlen zusammen 5"5 Pfund Abgabe, so daß von großen Ausgaben (Koloniespesen) nur Maschinist und Motor (Wasserversorgung) bleiben. Die Ica baut uns ein gemeinsames Magazin, so daß wir Kraftfutter, eventuell auch Körner, kooperativ ein- und verkaufen werden; eventuell wird die Kolonie auch Lagerräume vermieten. Innigste Grüße. B., 1. September 1923. Liebste Eltern! Auf die Möbel und Waschmaschine freue ich mich schon kolossal. Werde mich auch als Wäscher versuchen. Bin schon so neugierig. K schreibt mir auch, die Möbel sind wunderschön. Die Tabakmaschine ist glänzend. Mit der dritten Kuh wird es aber doch nicht heuer zusammengehen. Schade. Aber besser, noch ein Jahr warten, als sich mit Schulden den Kopf zu verdrehen. 31. August 1923. Außer der Inbetriebsetzung der Molkerei ist nicht viel Neues zu vermelden. F. hat wieder Arbeit bekommen und kommt infolgedessen nicht her. Ich bin also wegen eines Baumeisters in Verlegenheit, denn er wollte mir tüchtig helfen während seines Hierseins. Es wird Euch interessieren, daß die ersten Radieschen — und zwar sehr gelungene — da sind. Wirsing, Kraut, Blumenkohl, Eierfrucht, 4. September 1923. Es geht Chamsin. Wie aus einem Backofen. Das heißt, man sitzt fast nackt bei geschlossenen henstern im Zimmer, ein Handtuch bei der Hand. Die Hunde spielen Dampfmaschine. Die Kühe habe ich heute schon dreimal geduscht. Nichtsdestotrotz muß ich nach Hederah, all wo ich einen Göpel gekauft habe. Also werde ich am Posttag nicht hier sein und muß schreiben, bevor ich Eure Nachrichten habe. E. (Ihr erinnert Euch doch, aus Hederah) übersiedelt auf den Karmcl. Sein Vater, der Universitätsprofessor, arbeitet weiter bei R., der nächstens eine 5000 H. P.-Station in Haifa aufstellt. Bitte, schickt mir als Muster ohne Wert, rekommandiert, zwei Regulatorkapseln von Nickeil und schreibt mir, was sie kosten. Die Molkerei ist fertig und uns übergeben. Die Nivellierungsarbeit geht weiter, sonst nichts Neues, nur, daß ich langsam anfange, den 1 abak zu packen. Muß gleich los. Herzliche Grüße. •v- 6. September 1923. Liebste Eltern! War in Hederah, habe Göpel gekauft, arbeitet schon. Der kleine W. wird jetzt eine Zeitlang bei mitarbeiten. Tabak habe ich gegen 60 kg in verschiedenen Qualitäten. Werde ihn privat anbringen, ich denke zwischen 25 und 50 Piaster das Kilo; einheimischer Tabak wird vorläufig schlechter bezahlt als importierter, trotzdem er besser ist. Wir schicken schon Milch nach Jerusalem, und die Preise sind etwas besser. Aber die Holländerin hat leider infolge des Chamsins etwas gelitten und melkt weniger. Doch hoffe ich, daß dies nur vorübergehend ist. Das Gemüse wird bald ausgepflanzt, ich denke am Sonntag. Die Krisis ist auch hier fühlbar, aber natürlich nicht so wie in der Stadt. Doch auch dort dürfte es nicht so arg sein, wie Frau S. es Euch geschildert hat. F. war über Rosch Haschanah hier. Ein lieber Kerl. Bin sehr zufrieden und glücklich. Herzliche Grüße. B., 17. September 1923. Liebste Eltern! Alles in Ordnung. Ich pflanze Gemüse, rotte „Inclschil'' aus usw. War kürzlich mit F. in Gan-Schmuel. Wie schade, daß es eine Kwuzah ist! Gute Leute drin — zumeist Galizianer — die tüchtig arbeiten und langsam weiterkommen. Aber das System ist ein Nachteil. Niehl viel Neues. Es ist ein neuer Waad gewählt worden, und das Verbot arabischer Arbeit in der Kolonie und auf Kolonieboden ist endlich offiziell durchgesetzt. A. schreibt mir, daß er Euch sehen und mir Grüße mitbringen wird. Ihr dürft mir nicht böse sein, daß ich io knapp schreibe; versuche das Rauchen aufzugeben und bin dementsprechend in einer unglaublichen Verfassung. Herzlichste Grüße. * B., 27. September 1923. Liebste Eltern! Alles in schönster Ordnung. Sukkoth haben wir einen herrlichen Ausflug gemacht nach Schweja, dort die Leiterin des Waisenhauses besucht. Ein wunderschöner Weg durch die Berge, viel Grün und Bäume. Zurück über Sichron Jakob. Der kleine W. (den Ihr mir empfohlen habt) singt sehr hübsch und unterhielt uns glänzend. * 1. Oktober 1923. Komme eben aus Haifa, wohin ich wegen der Möbel mußte. Auf dem Zollamt alles herausgerissen, herumgestreut, mußte Zoll zahlen: alles zusammen, mit Ausbooten, 10*5 Pfund. Was haben die Sachen in Wien gekostet? Und die Fracht? Die Möbel sind herrlich, auch sehr gut angekommen, nur paar Kratzer. Habe sie mit meinem Wagen hergebracht. Akbar war auch mit. Wir fuhren mit dem vollbepackten Wagen von Haifa hierher nur siebeneinhalb Stunden. Habe zunächst alles eingepackt gelassen und