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Menorah · 1924-04-01 · Heft 4 (April 1924) · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 4 (April 1924)
Article
Briefe von Moritz Hartmann [Rezension]
Date
1924-04-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Nicht bloü die sozialen Schranken, die die christlichen Liberalen einreißen wollten — viel tiefer und fester eingerammte Grenzpfähle -wollte die Sehnsucht dieser Männer nach Aufgehen im Deutschtum einreißen. Daher eine I nni gkeit der Liebe zur deutschen Kultur, die den reichen Erben dieses unschätzbaren Gutes kaum begreiflich \v a r." Diese innige Liebe zur deutschen Kultur läßt ihn nie mehr los; verbannt, in ewigem Hin und Her durch Europa, gequält von seelischen und körperlichen Leiden, ist er doch auch in späteren Jahren immer ein Vorkämpfer für Deutschlands Freiheit und größere Herrlichkeit. Und merkwürdig genug, daß er, der begeisterte, unentwegte Deutsche, nicht mitgehen kann, als Preußen die 1-ührung an sich reißt und Deutschland zu scheinbar größerer Macht führt. Fast prophetisch muten heute seine Worte aus dem Jahre 1866 an, als er, tief getroffen durch den brudermörderischen Krieg, schrieb (an Max Schlesinger): „Traurige Erfahrungen mit dem deutschen Charakter, der sich nicht um ein Jota besser zeigte, als der französische nach dem Staatsstreich. Alle Welt ist bereit, sich mit Macht und Glorie zu trösten, niemand denkt, daß die Freiheit zugrundegegangen ist, niemand, daß nicht die deutsche Nation, sondern das Junkertum gesiegt hat.... Es kommt eine infame Periode, die man resigniert vorbeigehen lassen muß . . Und in einem Brief an F. Hiller vom 31. August 1666: „Was Sie glücklich gemacht hat, machte mich unglücklich, so tief unglücklich, wie lange nichts . . . Für mich hat nur der Junker gesiegt und das spezifische Preußentum, welches das Gegenteil ist von allem Besten und Schönsten im deutschen Wesen und Charakter. Deutschland wird (vielleicht) stärker, aber nur auf Kosten seiner Freiheit, seiner Zukunft und einer edleren Bildung — und die Deutschen werden Chauvinisten, das Schlimmste, was man werden kann. . . . Dies alles berührt noch nicht die große Vergiftung der Welt und speziell eines Volkes, das eine Regierung und ein System siegen sieht, welche alles Recht mit Füßen getreten. Es ist das die schlimmste aller Vergiftungen . . . und bekäme ich jetzt einen Ruf nach Van Dicmensland, ich würde ihn mit Vergnügen annehmen." Dieser Jude hat, was Deutschland nottat, besser gewußt und sicher auch tiefer gefühlt als mancher gute Deutsche, und mit seltener Treue und Charakterstärke an dem Ideal seiner Jugend fcstgehallen. Aber nicht nur der Politiker spricht aus diesen Briefen zu uns, mehr noch der Mensch. Und was für ein Mensch! Ein Charakter! Ein treuer Freund seiner Freunde, ein ehrlicher Berater, ein kluger, humorvoller und gütiger Mensch. Wie warm, voll Hochachtung und zarter Verehrung die Briefe an die Fürstin Trubelzkoi und deren Tochter Katharina, verheiratete Orloff, seine Schülerin. Wie voll neckender Grazie der Brief vom 26. Juli 1858 an letztere. Wie begeistert seine Briefe aus Italien, besonders aus Florenz (an Ludwig Walcsrode) : „Florenz liebe ich wie eine Geliebte; hier ist das Große, selbst das Gewaltigste so liebenswürdig, liebenswürdig zu sein, es läßt sich zu uns herab und ist göttlich menschlich. . ." usw. Mit welch rührender Liebe spricht er von seiner Frau und seinen Kindern. Erschütternd die Briefe, in denen er seinem Schmerz um den Verlust des älteren Sohnes Ausdruck gibt (an Bamberger): „Ach, mein lieber Freund, wie weh ist mir; das schönste Stück meines Daseins ist begraben, und ich werde mich nie trösten. . . Es ist aus. Das Beste liegt hinter uns, und unendliches Glück, Liebe, Hoffnung sind begraben." (An Paul Heyse): „Mein Unglück ist unermeßlich. Ich hatte ganz aufgehört zu sein, ich hatte mein ganzes Leben zu einem Substrat seiner Existenz gemacht — und weiß nun nicht mehr, was ich soll. Er war so schön, so stark, so herrlich begabt, so anmutsvoll. Ich werde es ewig nachschleppen . . So zieht in diesen knapp eineinhalbhundert Seiten ein ganzes Menschenleben an uns vorbei; klarer und deutlicher als jede weitausholende Biographie, wärmer und lebendiger, als die liebevollste Hand es hätte nachzeichnen können. O.....e. JOSEF FLOCH Wir veröffentlichen in dieser Nummer eine Reihe von Reproduktionen palästinensischer Landschaftsbilder nach Originalzeichnungen und Lithographien des Wiener Malers Josef Floch. Dieselben sind einer Mappe entnommen, die in der nächsten Zeit im Benj. Harz-Verlage, Berlin, erscheinen wird. Vornehmste Herrengarderobe nach Maß aus original-englischen Stoffen. Schnitt und Ausführung anerkannt tadellos bei ARTHUR LEDERER CFranz Schlafs Söhne Nfg.} Wien, I., Operngasse 16, I. 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