Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 3 (März 1924)
- Article
- Clara Epstein
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 19 (sequence 1)
- Language
- German
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19 MENORAH CLARA EPSTEIN. Wir bringen diesmal Zeichnungen und Radierungen nach Arbeiten der Graphikerin Clara Epstein, Wien. Die Künstlerin, welche zuerst in Wien und dann in Berlin bei Hans Meid studierte, zeigt in ihren Werken die Schulung am französischen Impressionismus, doch ist diese Note in ihrem Werk innig mit dem Ausdruck ihrer eigenen Persönlichkeit verschmolzen. Diese Persönlichkeit ist vor allem eine idyllisch gerichtete. Stille zarte Landschaftsstimmungen, gewöhnlich nur mit Andeutung bewegteren Lebens in Gestalt kleiner Figuren, sind ihr Lieblingsthema. Daü diese Skala auch erweiterungsfähig ist, zeigt das beigegebene Porträt, das mit seinem liefen Ausdruck jüdischer Volksseele von starkem Können auch auf diesem Gebiete spricht. Die künstlerischen Mittel, mit denen diese feinen Graphiken erreicht wurden, sind die einfachsten und sparsamsten. Trotzdem ein vollkommener Verzicht auf jedes Effektmittel diesen Blattern fast den Anschein der Anspruchslosigkeit gibt, haben wir es hier mit einer vornehmen wertvollen Kunst zu tun, die dem Ausdruck starker Empfindung und einer individuell geprägten Persönlichkeit dient. Noah. * In den Räumen der Galerie Holbein ist eine Ausstellung von Feinschmiedearbeiten von Else Sternberger (Budapest) zu sehen, die besondere Beachtung verdient. Berichtigung. Im vorhergehenden Hefte Nr. 2 ist aus Versehen bei dem Porträt Marc Chagalls: Baal Machschowes die Angabe „Mit Erlaubnis des Rimon- Verlages, Berlin", weggeblieben, was wir hiermit nachholen. Die Red. BIBLIOGRAPHIE OSKAR NEUMANN: R u l h. Ein Menschheitsspiel. 1923. Verlag S. Steiner, Bratislava. Der Verfasser will Harfe, Syrinx und Glocke zu harmonischem Dreiklang einen. Judentum, Christentum, Heidentum sollen in der höheren Form Menschentum ihre Synthese finden. Die Tendenz dieses Menschhcitsspiels wird im Buche selbst in Fettdruck angegeben: „Wir alle find ein Volk von Menschen, mit dem heil'gen Glück des Schreitens und einer ewigen Sonnenheimat — Welt." So spricht Ruth, die Titelheldin, voll visionärer Kraft. Die Tendenz ist löblich, die Sprache fließend, die Verse glatt und sauber. Ein wenig weniger Monologe, ein wenig mehr Handlung und das Spiel Neumanns wäre zufriedenstellend. —S— MANFRED STURMANN: A 1t h e b r äi s c h c Lyrik. Nachdichtungen. Mit einer Einleitung von Arnold Zweig. 1923. Allgemeine Verlagsanstall, München. Die gottgeweihlen Lieder der Bibel haben ihren eigenen Rhythmus, ihren eigenen Stimmungsgehall. Ihre Worte kann man auch in ein anderes Sprachgewand kleiden, aber ihren Seelenklang entfärbt der fremde Ton. Das Verbundensein der innerlichen Weihestimmung mit den hebräischen Woi Igcbilden gibt ciei biblischen Liedcrclichtung eine Kraftfülle, die fasziniert. Gerade die Verwurzelung von Wort und Stimmung, dieses Ureigene und Unübertragbare der althebräischen Lyrik, ist es, was den dichterisch Veranlagten immer wieder aufruft, daran seine Wortmeisterschaft zu erproben. Der junge Dichter Manfred Stuimann ist solchem Aufruf aus inncrem Drange gefolgt und hat seine Meisterschaft in der Wortkunst in schöner Weise bestanden. In der vorliegenden Sammlung „Althcbräische Lyrik" hat er feinfühlig und nachempfindend mit eigenem Wort den biblischen Urklang und Urgcsang festgehalten; seine Nachdichtungen sind im besten Sinne Nachklänge jene, herbsüf.ien Wellentöne, die durch die welllichheiligen althebräischen Gesänge gehen. Die Versuchung lag da nahe, durch allerhand Schliff den Glanz der Worte zu erhöhen, durch Hoch- AUFRUF AN ALLE JÜDISCHEN KÜNSTLER In tJen letzten Jahrzehnten hat sich die Tatsache ergeben, d;iü es eine neue jüdische Kunst gibt. Immer neue Hrseheinungen bewußt jüdischer Künstler sind in den verschiedenen Ländern hervorgetreten. Innner wieder tauchen hier und da einzelne Künstler auf, deren bewul.U jüdisches Schaffen siu isoliert : einsam entwickeln sie sich inmitten einer fremden Kultur, nach den Gesetzen ihrer eigenen Wesensart. In einer fremden Umgebung aufgewachsen, haben diese Talente ihr ursprüngliches Können entfaltet, das in ihrem spezifisch jüdischen Wesen wurzelt. Als einzelne Italien sie überall den nur ihnen eigenen Ton hervorgebracht, stets in der Gefahr, unterdrückt und beiseite geschoben Es gab für uns jüdische Künstler so sehr wir uns auch danach sehnten bisher keine Möglichkeit, uns untereinander nilher zu Illingen und so zu stärken; weder eine Zeitschrift, die uns vereinte, noch regelmäßige Kunstausstellungen, die unsereWerke zeigten. Diese Tatsachen erfüllen mit;I!edauei n alle jüdisch bewußten Künstler. Ktiichc Versuche, die Einzelnen irgend wie zusammenzubringen, verliefen resultatlos. Durch eine private Initiative soll uns jetzt die Möglichkeit zu einem Zusammenschluß geboten werden. Die Verlags- und Buchvertriebsgesellschaft „G e sehe r", Berlin - Schonebel-, Hauptstraße M, hat sieh bereit erklärt, eine grorjcGesamtausstellungder Bilder, Graphik und Bücher jüdisch bewußter Künstler unter dem Titel „Das jüdische Bild und Buch" IIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII!l!llllll!llllllll|IIMIIIIIIII!llllli;! zu organisieren, welche zunächst in Berlin (April 11)24) gezeigt und dann als Wanderausstellung nach Frankfurt am Main, Leipzig, Wien, Prag, Amsterdam, Paris, London und Amerika geleitel werden soll. Schon haben jüdische Kameraden aus Deutschland, Rußland, Oesterreich, Holen und Amerika ihre Beteiligung zugesagt Weitere interessierte jüdische Künstler aus allen Ländern werden gebeten, ihre Adressen bei dem Sekretariat der Ausstellung (C j e s c h e r) anzugeben. Issachar Rybak ELI DA JLampoon xae^flkge desf)£iaßes. ttmmung ihren Kiang zu verstärken. Stuimann ist dieser Versuchung weislich aus dem Weg gegangen. Mit ehrfürchtiger Treue hält er sich an das uralte Wort, just so wie es geschrieben steht, und deshalb kommen seine Nachdichtungen dem Original sehr nahe. Und in diesem Nahekommen besteht eben der groüc Vorzug der Sturmannschen Liedersammlung vor ihren Vorgängorn. Arnold Zweig, der eine Einleitung dem Buche vorausschickt, tat gut daran, in seinem \ orwort sich jedes "Werturteils über das Werk des jungen Dichters zu enthalten. Er beschränkt sich auf einige treffliche Bemerkungen über alte jüdische Gedichte; des weitem aber läl.U er das Buch selbst für sich sprechen. In dem Unterlassen jeglicher Empfehlung drückt sich die Anerkennung und die Gewißheit aus, daü das Werk Slttrnianns der Schönheiten genug besitzt, um ich selbst zu empfehlen. — S—• RAYMOND CHICER.- 11 i s i u i e s j u i v c s. Paris 1923. Edition de la Nouvcllc Revue Franchise. — Liu amüsantes Buch, das mit schätzenswertem Fleil.ie eine groi.se Zahl von Anekdoten vereinigt. Das Buch bildet einen wertvollen Beitrag für das Studium jüdischer Folklore und kann jedem Freunde jüdischen Humors einige angenehme Stunden bereiten. Noah. * BÜCHEREINI.AUF Die jüdische Orgel. Von Ludwin Windcr, RikolaA'erlag. Karl G o 1 d m a r k. Erinnerungen aus meinem Leben. RikolaA erlag. Briefe von Moritz Hartman n. Ausgewählt und eingeleitet von Prof. Dr. Rud. Wölkau. RikolaA'erlag. Festlicher Alltag. Von Ernst Lissaucr, Deutsche Vcrlags-Anslalt. Die Fl ei mal losen. Ein Roma. Wilma v. Vukelich. Wien-Leipzig. 1), Öst erreic bischer A'erlag. Reise cl u r c Ii d a s j ii d i s c h e I situ a. Von .Arthur llolitschei. Verl; Tischcr, Berlin. P u p p c n t l a g ö d i e. Von Richard Ernste und heitere Geschichten. Wim RikolaA'erlag. FLÜGEL PIANOS von utsch- Kola. 192 5. :0*>VIG IfÜPtW-P* WIEN, VI, MAR!AHILFERSTfy3/ 4