Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 3 (März 1924)
- Article
- Eine Gartenstadt auf dem Karmel
- Date
- 1924-03-01
- Page
- Seite 15 (sequence 1)
- Language
- German
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- Haifa 2× ep/1047930
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15 MENORAH EINE, GARTENSTADT AUF DEM KARMEL DIE KARMELLANDSCHAFT. Das Karmelgcbirge ist eine der schönsten Landschaften in Palästina. Es erhebt sich vom Mittelländischen Meere bis zu einer Höhe von 250 Metern, schlief.it die Bucht von Akko ein und bietet eine unvergleichliche Aussicht auf Meer und Küste. Selbst im heißen palästinensirehen Sommer herrscht auf dieser Höhe, dank fortwährender Windströmung, kühles, mäßiges Klima, was den Karmel zum beliebtesten Sommeraufenthalt in Paliistina gemacht hat. Erinnerungen an den Propheten Elijahu haften an diesem Platze. Unzählige Überreste aus ältesten Zeilen zeigen, daß das Karmelgcbirge einst der Sitz ausgedehnter Siedlungen war. DIE LAGE UND VERBINDUNG MIT HAIFA. Auf diesem Gelände hat die Palcstinc Land Development Co. eine Fläche von zirka 6000 Dunam erworben. Dieses Terrain erstreckt sich längs des am nächsten der Stadt Haifa gelegenen Gebirgsteiles, unmittelbar angrenzend an die deutsche Kolonie auf dem Karmel. Ein regelmäßig verkehrender Automobilomnibus stellt eine bequeme Verbindung mit der Stadt (von der Eisenbahnstation zur deutschen Kolonie) her. Der Bau einer Drahtseilbahn ist von der Regierung projektiert, ebenso soll im Anschluß an das in Haifa demnächst zu erbauende zweite Elektrizitätswerk (Rutenberg) eine elektrische Straßenbahn gebaut und das Karmelplatcau mit Haifa verbinden. Das Terrain ist gemäß seiner geographischen Lage folgendermaßen eingeteilt: 1. Zentralgebiet zirka 1300 Dunam (1 Dunam zirka 900 nr oder 1600 Quadratellcn); 2. Südgebiet zirka 3300 Dunam; 3. Westgebiet zirka 1200 Dunam. Der größte Teil des Zentral- und Südgcbictes ist bereits verkauft, der erslere an Bewohner von Haifa, der letztere an die Bukarester Achusah „Sir Herbert Samuel". Das W e s t g c b i c t, welches auf einer Seite an die deutsche Karmelkolonie grenzt und für einen der schönsten Plätze gilt, ist für W e s t - und Mitteleuropa, insbesondere für W i c n reserviert. Diese Boclenfläche wird von Straßen und schönen Spazierwegen durchschnitten. Sie ist bewaldet und bietet einen prächtigen Fernblick auf das Mittelländische Meer. Dieser Platz ist nicht nur als Sommeraufenthalt, sondern auch zur Anlage einer Villenstadt in ungewöhnlich schöner Umgebung geeignet. In diesen drei Zonen können Käufer Einzelparzcllcn erwerben und sofort bebauen, da auch die entfernteste Parzelle nur wenige Minuten von der deutschen Kolonie entfernt ist. Eine Reihe wohlhabender Juden in Wien haben diese Gelegenheit benützt, sich auf dem Teile des Plateaus anzukaufen, das den herrlichsten Ausblick auf die Bucht von Acco und das Meer gewährt. Eine beschränkte Anzahl von in diesem Komplexe gelegenen Parzellen ist noch für Wiener^ Interessenten frei, dürften aber in Kürze verkauft sein. Die Größe der einzelnen Par/ellen schwankt zwischen 1000 und 1500 nr, ein Flächenraum, der zur Anlegung einer schönen \ lila mit Garten ausreicht. Um dem Interesse am Bodenerwerb in Palästina, das unter den Juden aller Staaten erwacht ist, gerecht zu werden, beantwortet die Schriftlcitung der „Mcnorah", Wien, IX., Berggasse 31, alle einschlägigen Anfragen. Folkloristisches Allerlei W. BERNHARD 28. DIE QUELLE DER AUTO¬ RITÄT Wous mejnsty1) eppes, is a Seiner')? M* nemmt a Mandur'") ün m" stippt'1) s' oun mit Schegiz"'), ün dus is a Seiner. 1) Meinst du. '-') Söldner, Soldat. :!) Montur, Gewand, Uniform. 1) stopft, anfüllt. 5) Gassenjunge. 29. EIN MISSVERSTÄNDNIS Eine Frau weckte ihren gerade nicht sehr frommen Mann mit dem eindringlichen Ruf zu Sclichoth1); „Steh' schon auf, afilr), die Fische im Wasser zittern1)." „Deck ze irTch taki gut zu", antwortet er im schlaftrunkenen Zustand, und schlief weiter. *) In den Tagen vor Rosch ha-Schana werden vor Anbruch desTages Bußgebete (Sclichoth) rezitiert. ") sogar. :1) in h urcht vor dem herannahenden Gerichtstage, an welchem Gott über die Welt zu Gericht sitzt. 30. EINE SINNGEMÄSSE VERTEIDIGUNG W. Z., der bekannte Volkssängcr, wurde vor den Rabbiner zitiert, weil er am Sabbath seine Schuhe geputzt halte. Der Rabbiner hielt ihm die große Sünde vor, eine Mclucha am heiligen Sabbath zu verrichten. „Rebbe." antwortete der Deliquent, „bei mir ist Schuheputz.cn keine Mclucha"1)- l) Melucha bedeutet in der jüdischen Mundart: Arbeit, Anstrengung, Kunststück. 31. TRAUMDEUTUNG Ein Mann hatte im Traum eine Vision, in der ihm einige Male das Wort Bhma') zugerufen wurde Er kam nun zu einem Rabbi, um von ihm die Deutung zu erbitten. „Welche Geschäfte vollführtest du am letzten Tage", fragt ihn der Rabbi. „Nichts anderes, als daß ich ein Sefcr- Tora verkauft habe." „Nun ist a die Sache ganz in Ordnung. Bhma bedeutet: B'uirlu ha-huclrsch nun Invlnijith"-). ') behema -_— Tier. '") (Deutern 26, 13) Du hast ausgeräumt das Heilige aus dem Hause. 32. DIE QUANTITÄT AUF KOSTEN DER QUALITÄT Der Galatzcr Rabbiner Schapira, der durch seinen schlagfertigen Witz weit bekannt war, wurde einstens befragt, warum die Chassidim der alten Zeit sich durch besondere Frömmigkeit und durch einen gottgewollten Lebenswandel auszeichneten, während dies bei den Chassidim unserer Tage nicht der Fall sei. „Um diese Frage zu beantworten," antwortete der Gefragte, „will ich Eure Aufmerksamkeit auf einen anderen Gegenstand lenken, der dringend eines Ausgleiches bedarf. Aus der Lösung wird sich auch die Beantwortung Eurer frage mit Notwendigkeit ergeben. Bekanntlich gingen die Kamele unseres Erzvaters Abraham, so oft sie das Gebiet ihres Herrn verließen, mit gesperrten Mäulern einher, damit sie nicht auf Gründen fremder Besitzer weideten1)- Während diese Maßregel bei den Tieren unseres Erzvaters notwendig war, um sie vor einem Eigentumsdelikt zu bewahren, find wir überrascht zu sehen, wie der Esel des R. Pinchas b. Iair so fromm war, daß er trotz des Drängens und der verabreichten Schläge seine Mahlzeit zurückgewiesen hatte, weil, wie sich herausstellte, von dem Getreide die vorgeschriebene Hebe nicht entrichtet wurde"). Welcher Gegensatz! Und doch gehörten die Kamele dem Erzvater Abraham und der Esel wohl einem heiligen und großen Manne, aber doch einem im Range der Existenzen Niedrigeren als unser Erzvater. Die Erklärung ist aber die: Unser Erzvater war ein reicher Mann, der viele Kamele und viele Esel hatte, Pinchas b. Jair aber war ein armer Mann, der nur einen Esel besaß, und diesen nahm er gehörig in die Lehre. ') Zu Gen. 24, 10: Und der Knecht nahm zehn Kamele von seines Herrn K a m e- 1 e n, bemerkt Midrasch Rabba Cap. 59: Die Kamele unseres Erzvaters .Abraham waren überall kenntlich, da sie gezäumt cinheizugehen pflegten. -') Vgl- Chulin 7 a—7 b.