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Menorah · 1924-03-01 · Heft 3 (März 1924) · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 3 (März 1924)
Article
Ein jüdischer Forscher in Palästina
Date
1924-03-01
Page
Seite 2 (sequence 1)
Language
German
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2 MENORAH : EIN JÜDISCHER FORSCHER IN PALÄSTINA ZIELE UND ABSICHTEN DES EHEPAARES RUBINOWITSCH BEI SCHAFFUNG IHRES BOTANISCHEN MUSEUMS IN JERUSALEM Seit mehreren Jahren ist das Ehepaar Dr. Rubinowitsch mit der Gründung seines botanischen Museums in Jerusalem beschäftigt. Sie haben selbst clas ganze botanische Material zusammengetragen, indem sie clas Land seiner ganzen Länge und Breite nach durchzogen und hierbei Orte aufsuchten, die noch nie der Fufi eines Forschers betreten. Frau Dr. Rubinowitsch begleitete ihren Mann als treue Mitarbeiterin auf allen Exkursionen, auch in die arabischen Dörfer und in die Wüsten. In den ersten Jahren brachten sie das Material in der eigenen Wohnung unter, in der Folgezeit waren sie genötigt, für dasselbe sieben Zimmer einzuräumen, darunter einen Vortragssaal, der einige Hundert Menschen fassen kann. Was das Museum kennzeichnet, ist der Umstand, daü es begründet und erhalten wurde einzig und allein durch die Arbeit und die privaten, sehr beschränkten Mittel dieses Paares und in noch höherem Maße die Originalität des Instituts. Es ist nämlich nicht eine Kopie der ähnlichen ausländischen Institute. Seine Schöpfer hatten stets die speziellen Bedürfnisse der Juden in Eroz Israel im Auge, der Arbeiter, der Bauern, der Lehrer, der Schriftgelehrten und dergleichen, und paßten es daher allmählich diesen Bedürfnissen an — und so nahm es seine eigenartige Gestalt an. Professor Geddcs, der bekanntlich den Plan des Gebäudes der Universität in Jerusalem entworfen hat, hat folgende Worte über das Museum veröffentlicht: „Wiewohl ich gegenwärtig Städtebauer bin, war ich vor einigen Jahren Botanikprofessor in England. Ich habe viele Museen besucht, jedoch kann ich behaupten, daß das des Herrn und der Frau Rubinowitsch einzig in seiner Art ist. Dieses war wie ein offenes Buch angeordnet. Offenbar ist es in unseren Zeiten schwer, auf diesem Gebiete irgend etwas neues zu schaffen, und doch will es mir scheinen, daß in diesem jungen Institut eine glückliche Neuerung enthalten ist. Diese Sammlungen unterscheiden sich von den gewöhnlichen Herbarien dadurch, daß in einer jeden eine besondere Idee verkörpert ist. Das Museum hat auch eine eigene erzieherische Bedeutung. Die europäischen Zionistcn sind von der Natur als solcher überhaupt und von der Palästinas im besonderen entfernt; hier ist ein probates Mittel, diesem Mangel abzuhelfen. Hier werden Befriedigung finden Hörer der Universität, Mittelschüler sowie Anfänger; auch die Bebaucr des Bodens werden daraus großen Nutzen ziehen." Das Museum enthält neben einem Gesamtherbarium auch noch lokale Herbarien, die die für verschiedene örtliche Gegenden Palästinas charakteristischen Pflanzen umfassen. Es enthält ferner eigene Gruppen von schädlichen und nützlichen Pflanzen, wie Honig-, Heil-, Parfüm-, Industriepfianzen und dergleichen, Gruppen von Sand- und Sumpf-, Wüstenpflanzen, eine eigene Gruppe der Pflanzen unserer alten Literatur und ein spezielles Zimmer für Pflanzen, die mit dem materiellen und geistigen Leben der Araber verbunden sind. Denn bei ihrer Durchwanderung des Landes waren Herr und Frau Rubinowitsch in der Lage, folkloristisches Material bei den Arabern zu sammeln, das bis nun noch unbekannt ist und das zum Teile Überreste der alten hebräischen Folklore enthält. Die Aufschriften sind außer in Flebräisch und Lateinisch auch arabisch abgefaßt, um den Vergleich mit dem Plebräischcn zu ermöglichen und auch den Arabern geistige Nahrung zu gewähren. Außer den Herbarien enthält das Museum noch Zusammenfassungen von Pflanzen in Form von eingerahmten Bildern, die das für einzelne Orte charakteristische Pflanzcnbild zur Anschauung bringen; ferner solche, die für die verschiedenen Jahreszeiten des betreffenden Ortes, wie Frühling, Sommer usw., kennzeichnend sind. Die Schöpfer des Museums beabsichtigen, spezielle Zimmer für die Pflanzen der verschiedenen Jahreszeiten verschiedener Gegenden einzurichten und beim Museum einen botanischen Garten anzulegen, in dem außer den Pflanzen, die in botanischer Hinsicht wichtig sind, auch solche, nach Gruppen geordnet, wie sie das Museum enthält, wachsen werden. Eine besondere Abteilung wird den Pflanzen unserer alten Literatur gewidmet sein, so daß der Besucher zwischen diesen Pflanzen mit den Propheten und Schöpfern des Talmud wandeln würde. Im Zusammenhang mit dem Zenlralmuseum wollen seine Gründer lokale Museen scha/Tcn in jeder Stadt, in jeder Siedlung und in jeder Kwuzah. Ihnen schwebt vor, daß es in jeder solchen Gemeinschaft eine lebendige Bibliothek — ein Museum der Natur ihrer Umgebung, geben müsse, so wie ja dort stets eine schwarz auf weiß gedruckte Bibliothek von Büchern vorhanden ist. Die Personen, die in diesen örtlichen Museen unter ihrer Anleitung beschäftigt sein werden, sollen in ihrem Gebiete so ausgebildet sein, daß sie hernach nicht bloß den Ortsbewohnern von Nutzen sein werden, sondern auch von ihrem Orte aus als verläßliche Mitarbeiter bei der wissenschaftlichen Arbeit der Zentrale in Jerusalem mitzuhelfen befähigt sein werden. Sic hegen die Ploflnung, daß mit dem Moment, da die botanische Arbeit in dieser Art organisiert sein werde, auch die anderen Wissenszweige von ihr beeinflußt und genötigt sein weiden, diesen Weg zu nehmen. Dergestalt wird die Wissenschaft populär und volkstümlich werden im jüdischen Sinne, und die Wissenschaft selbst wird erst wahrhaft fruchtbar und exakt werden. Und die jüdische Universität in Jerusalem wird in dieser Richtung sich entwickeln müssen, damit sie nicht ein Abklatsch der Universitäten des Auslandes werde. Ihre besondere Existenzberechtigung sowie ihren Höhepunkt wird sie darin zu finden haben, daß sie das Streben der Juden: „Und die Erde wird voll sein mit Wissen, wie das Wasser das Meer überdeckt" zur Wirklichkeit macht. An die Arbeit der Einrichtung der Museen knüpft sich die der Vorträge. Im botanischen Museum Jerusalems veranstalteten seine Schöpfer s^hr oft Vorträge für Lehrer, Arbeiter und clas b-cite Publikum, so daß die Kenntnisse, die sie selbst durch ihre Arbeit in dem nicht erforschten Lande erworben hatten, und die aus einem entsprechenden Buche nicht erworben werden konnten, vom Museum aus im Publikum, bei tausenden Schülern und Landwirten, ihre Verbreitung fanden. Außer diesen allgemeinen Vorträgen hielt Dr. Rubinowitsch Spczialvorträge über seine Entdeckungen, wie zum Beispiel über die Namen der Pflanzen der Bibel und des Talmud, über die arabischen Pflanzennamen und Folklore, über die Dünenpflanzen, die schädlichen und nützlichen Pflanzen usw. Manche fanden in Gegenwart des High Commissioners Sir Herbert Samuel statt. Viele Vorträge wurden von Herrn und Frau Rubinowitsch an verschiedenen Orten außerhalb Jerusalems veranstaltet. Gegenwärtig befindet sich das Ehepaar Rubinowitsch mit einer botanischen Ausstellung und mit einer Reihe von Lichtbildervorträgen auf einer Tournee durch europäische Zentren. Das Material hiezu entnahmen sie ihrem Museum. Sic holten mit Recht, für ihre Idee im jüdischen Publikum zu werben, mit Hilfe des Materials Liebe und Interesse für die Natur Erez Israels zu wecken, die durch bloße Worte niemals nachhaltig geweckt werden kann. Sie sind jetzt im Begriffe, ein Buch der Pflanzen Palästinas mit farbigen, naturgetreuen Illustrationen herauszugeben. Dieses Buch soll die ideale Aufgabe erfüllen, auch dort, wo diese beiden tapferen Menschen nicht persönlich wirken können, das Gefühl für die Natur und die Liebe zu unseres Volkes Land und Lehre zu erwecken. Dr. Chaim Tartakower. Bildhauer und staatl. gepr. Steinmetzmeister HEINRICH CZERNY, WIEN XVII., Schulthessgasse 5 :-: Telephon 29-205 Spezialhaus von Grab-, Gruf;- und Kriegerdenkmäler. Übernahme sämtlicher Bau-Steinmetzarbeiten, Steingravuren sowie Stein-Blidhauerarbeiten in nur feinster, künstlerischer Ausführung. — Eigene Steinbrüche. — Moderne elektrische Marmor- und Granitschleifereien. Telegrammadresse Czernystic Wien Straßenbahn 43er Wagen, Station Hernais CVorortelinie}

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