Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1924)
- Article
- Eine Musterschule in Palästina
- Date
- 1924-02-01
- Page
- Seite 16 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
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16 MENORAH 2^ Ä ZS JS 7? TAI JU Eine Musterschule in Palästina Von AN ITT A MÜLLER-COHEN (Wien) Es gab große Überraschung, als seinerzeit die Volkskunde über das Zwergvolk der Pigmäer im Inneren Afrikas berichten konnte, daß diese unter den denkbar primitivsten Lebensumständen, ohne Kenntnis des geringsten Grades der Kultur existierenden Menschen eine Religion besitzen, welche nicht nur ein voll entwickelter Monotheismus is!, rondern auch in ethischer Hinsicht einen Vergleich rr.it den großen monotheistischen Religionen durchaus gestattet. Keinen geringeren Grad der Verwunderung und des Staunens muß den Unkundigen der überraschende Anblick einer Musterschule Lerchen, die in den Gebieten des Orients, wo jahrtausendelang gerade die Schule das Stiefkind einer echt asiatischen Verwaltung war, in kurzen Jahren entstanden ist. Ich denke an das hebräische Realgymnasium in Haifa, und die es wissen, daß in Palästina auch heute noch, wo die englische Verwaltung besondere Regicrungsschulen für die arabische Bevölkerung unterhält, kaum mehr als 15 % der schulpflichtigen Kinder dieses Bevölkerungstcilcs eine Schule besucht, werden mir den Vergleich mit den jeder Kleidung bar auf den Bäumen des Urwaldes herumkletterndcn Menschen und ihrer subtil entwickelten Religion gestatten. Es mutet wahrlich als ein Wunder an, was auf diesem Gebiete absoluter kultureller Verwahrlosung die jüdische Arbeit vollbracht hat. Das Realgymnasium in Haifa besitzt ein Gebäude in einzigartig günstiger Lage; seine Fenster gewähren Ausblick auf den Golf von Haifa und auf das majestätische Gebirge des Libanon. Die Anmut dieses Naturbildcs muß auf die empfängliche Kindcrseelc den gewaltigsten Eindruck machen. Die Schule selbst soll, eng verbunden mit dem Technikum, als dessen Vorstufe gelten. Ihre Richtung ist durchaus produktiv, entsprechend den Notwendigkeiten des Aufbauwerkes in Palästina. Die Schule will eine konstruktive Generation erziehen und legt daher das größte Gewicht auf die Selbstbetätigung: sie ist im modernsten Sinuc des Wortes eine Arbeitsschule. Die Werkstätten des Realgymnasiums für Schlosserei, Tischlerei, Buchbinderei usw. sind auch außerhalb der Schulstunden den Kindern geöffnet, die unter fachmännischer Leitung auch ihre freie Zeit häufig zu der Arbeit, die ihnen Lust und Befriedigung gewährt, verwenden. Der Schulplan selbst sieht zehn Stunden in der Woche für manuelle Arbeit vor, worin das Zeichnen bereits inbegriffen ist. Doch es wäre weit gefehlt, zu glauben, daß dieser Werkstättenunterricht bloß Handwerker ius den Kindern macht. Er gibt ihnen vielmehr nach den bisherigen Erfahrungen ungeahnte künstlerische Ausdrucksmöglichkeit, die die Vorbedingung jeder Kunst- und Qualitätsindustrie ist. Auch in den theoretischen Gegenständen der Naturlehrn, Mathematik, Geographie usw. wird das Prinzip der Arbeitsschule zur Durchführung gebracht. Die Naturgeschichte zum Beispiel wird mit Modellieren nach der Natur oder mit mikroskopischem Zeichnen in den höheren Jahrgängen verbunden, das Demonstraticnsmaterial von den S-hülern selbst hergestellt, die Experimente in Physik und Chemie möglichst selbsttätig vollzogen und der Geographieunterricht durch Herstellung von Landkarlcnskizzen itncl Reliefs belebt. Es sind ganz neue, viel verheißende Bahnen der Erziehung, die hier eingeschlagen worden sind. Das Kind wird zum selbstdcnkendcn, zum schaffenden Individuum erzogen. Die jüdische Kolonisation und ihre gigantischen Aufgaben können nur von Menschen durchgeführt werden, die eigenbewußte Ambition mit absoluter G?- nauigkeit und Gewissenhaftigkeit in der taglichen Arbeit verbinden. Der rastlose, schrittweise vorwärtsdringendc Kampf mit den täglichen Sorgen des Daseins in einem jahrtausendelang vernachlässigten Lande erfordert den ganzen Menschen. Ausdauer und individuelle Verantwortlichkeit bieten die erzieherische Grundlage zu solchen Menschen. Das Kind wird gelehrt, alle Schwierigkeiten zu überwinden, gut und genau zu arbeiten, das allgemeine Eigentum an vVerkzcug-vi und so weiter mit Sorgfalt zu behandeln. Die zahlreichen Ausflüge erziehen die Kinder zur Gemeinsamkeit und geben den Lehrern Gelegenheit, die Tugenden des täglichen Lebens zur Entfaltung zu bringen. Turnen und jede Art von Sport