Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1924)
- Article
- Im Lande Israel
- Date
- 1924-02-01
- Page
- Seite 13 (sequence 1)
- Language
- German
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13 MENORAH IM LANDE ISRAEL Alexander ebeneser (Jaffa) TROST AM HAR KANAAN. I. Weißwallend — Tauvvolken füllen das Tal — Strahlendes Taggestirn! breche entzwei! Lispelnder Morgenwind! führe hinweg!-- ---die Tränen der Nacht. Die Tränen der Nacht: es weint die Nacht, da sie kommt, da sie scheidet, die abendroten Wolken erblickt sie und weint still für sich, die morgen frischen Bergspitzen funkeln, und leise weint die Nacht, denn nimmermehr darf sie erschauen im hellen Scheine die Sonne. Wohl trösten sie der milde Mond und Myriaden Sterne, Erinnerung doch bringen die feurigen Wolken, die Boten und Nachhut des Tages. II. Gellender Jubelschrei zeuget vom Dank Trunkener Menschenbrust. Sieghafter Strahl, Stetiger Windesstoß schufen dem Aug' das herrlichste Bild. Das herrlichste Bild, das Auge nun sieht, talab blickt es, bergan steigt es--- der schneebedeckte Gipfel des Hermon: das weiße Haupt, die grau und grünen Schultern des Riesen erstehen nun genüber; die hohe Ebene des Golän liegt im letzten Schleier der Nebel. Inmitten gleichen Orakelsprüchen die einsamen Kuppen. Der Mensch erschaut sie, und Bangen erfüllt ihn und Sehnsucht zu wandern, zu finden. III. Unruhig Menschenherz, bleibe nur still. Uralter Wandertrieb findet nie Rast. Besser ist's, Karstc zu schwingen und gul, den Blick zu wenden. Den Blick zu wenden und weiter zu schauen, schönheitsfreudig, ruhegelaunt. Der Gincsar umrahmt von Hängen! der teure, blaue See, die farbenschimmernden Randberge hüten ängstlich die glänzende Fläche--- aus fernen Quellen der Jarden eilt, das Siiberwasser zu bringen, es vollends zu klären im großen Kinereth, sein Lauf lag geborgen im hügelumrahmten Wadi, mit ausgebreiteten Armen strömt er zum Harfensee und mündet. IV. Unselig Erdenkind, rein sei dein Sinn, Läuternde Büßerzeit brauchst auch du — Sündhafte Leidenschaft werfe von dir! Sei rein und gut! Sei rein und gut! Blickst du um dich, Herz und Aug' sei unbeirrt fest! Die Dörfer und Höfe des Tales schau' nun: der Fleiß schuf sie, er nährt sie. Der schilfumschlossene Meromsee kräuselt in schwachen Wellen sich. Der Hulehsumpf starrt lauernd-grün herauf wie Fiebervision und Traum, erfüllt vom Schreck. Ihm droht der Spaten, und abertausend Hände den Segen werden wecken, der auch im Bösen als ewig Erbgut ist verborgen. Arbeite immerzu, jäte und sd'! Müßiggang, Lastersinn töten das Glück. Mutiger Spatenstich, Demut im Herz, sind wahrer Trost! D er tote Chaluz Das dunkle Rätsel des Himmels einer mondlosen Nacht über dem Strande von Tel-Aviv. Das Flackern vielfarbiger Sterne, geteilt vom Bogen der Milchstraße, wirft zitternde Reflexe auf die leise brandende Flut. Unendlichkeit ohne Anfang, ohne Ende! Ewigkeit ohne Beginn, ohne Abschluß! Finsteres Meer und finsterer Himmel, einig und ohne Übergang! Voll der gleichen unfaßbaren Irrwische. Und Menschlein, Sandkörnchen im All, Ameisengekribbcl am Ufer der zeugenden Wogen lachen und schreien, kichern und singen gleich den Grillen im Flalfa-Grase. Umsonst, vergeblich, zwecklos, hoffnungsbar! Das Ende liegt beim Anheb und der Knäuel kann nicht entwirrt werden. Die Menge zieht die Betonstraße heimwärts. Droschken lebensgieriger, braunhäutiger Gentlemen im Fez und kleine Forclautobusse mit Tel- Avivcr Spießern und deren Frauen rollen von und zum Strandrestaurant. Da, kleine Flämmchcn in Halbmanneshöhe kommen entgegen. Stille und Starre umhüllt sie, geht aus von ihnen. Kein Laut, zögernder Schritt, die Menge stockt, die Droschken stehen und die Autobusse. Wehmütig-energisch schüttelt den Kopf ein junger Arbeiter in weißer Bluse und hebt die Hand einem ungeduldigen Chauffeur entgegen: ,,Du fährst nicht . . .!*' Man trägt den loten Chaluz in der Bahre! Gestoßener, Gehetzter, Gejagter, Verfolgter, Verstoßener, heute stoßest du! Fleute hemmst du kurze Minuten den Verkehr, das Vergnügen. Du schweigst und Schweigen umgibt dich! Du bist still und mit Stille erfüllst du die Straße! Du bist ein Rätsel und versonnene Fragen weckst du. Du bist die Antwort und löst das Rätsel des Sternenhimmels. Du scheinst ein Ende und bist ein Anfang, und Übergang trägt dich, zieht mit dir. Wer, wer ist es, ist er? tragt furchtsame Neugierde. Achselzucken, Freunde begleiten einen Iremdcn zur Grube im Sande. Einer gibt mürrische Antwort. Ein Chaluz ... ein Arbeiter . . . Malaria . . . Arbeit im Fiebersumpfe . . . rezidiv . . . Platzmangel im Spital ... im Zelte eines Bekannten in I-ieberschauem gelegen und ... geendet. Nun führen wir dich hinaus. Lautlos wechseln die Träger. Kein Gesang, keine Litanei. Schon schwankt die Bahre nach links ins unbebaute Gelände. Unbekannter Chaluz, niemanden störst du mehr. Der letzte Ton der Schritte verhallt im Sand. Ein kleines Lämpchcn weist das Ziel. Der Diener der Chewrah Kadischah hält ts in Händen. Vor dem Tore des guten Ortes bleibt der Zug stehen. Der Schammes spricht ein kurzes Gebet. Der Totengräber öffnet das Tor. Ii: den herabhängenden Fäusten macht die Bahre die letzten Schritte. Vor dem offenen Grabe wird sie medcrgestellt. Der Totengräber nimmt mit einem Stecken das Maß. Der Bursche ist lang, aber das Grab paßt. Die Genossen tragen flarhc Steine, aus dem Muschelkonglomerate der Strandklippen gebrochen, herbei. Die beiden Diener des Todes legen die Seiten aus und den toten Chaluz in weißen Tüchern dazwischen. Sie reißen die Bindfaden auf. Nun kehre zurück zur gebärenden, nährenden Mutter! Noch eir.ige Platten über die Kanten, und geübte Hände schaufeln den Sand in die Tiefe . . . Fern und fre^d sind die jungen Genossen dem Tod?, und der Schammes erklärt den Brauch des Ortes: Hier liegen sie in einer Reihe, wie sie kommen, Männer und Frauen, alte und junge, „polnische" und Jemeniten. Klatschender Schlag der Schaufelblätter formt bald verwehten Hügel. Ein Stab an die Stelle, wo ein Täfeichen hinkommen wird. Jissgadat w'jiskadasch...... Wir stehen um das Grab. Laßt uns gehen! Kommt! Gehen wir! Und wir gehen. Verlassener, Einsamer, schlaf in Frieden! A. E—r. Leinenwaren Cliiffonc, Deckenkappenstoffe, Inlette, Bett- und Tischwäsche infolge kleiner Regien sehr billig bei Kann & Fried Wien, VI. Bezirk, Unke Wienzeile 40, im Hofe