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Menorah · 1924-02-01 · Heft 2 (Februar 1924) · p. Seite 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 2 (Februar 1924)
Article
Jozef Israels 1824 - 1924
Date
1924-02-01
Page
Seite 8 (sequence 2)
Language
German
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Wer ist stark? hatte: „Es war im Hofe sehr finster und ich wagte mich nicht weiter, nicht wissend, was mir passieren könnte. Doch als ich unentschlossen stand, hörte ich rufen: ,uia wewakschega*. Da trat ich in die Stube und antwortete: .schalom adonai schalom allechem anochi jehudi me crez Hollandc. Ich war eingetreten in einen dunklen Raum, erleuchtet durch ein kleines, längliches, horizontal liegendes Fensterchen, das heißt ein viereckiges Loch, das nachts oder bei Unwetter mit einer Luke verschlossen weiden konnte. Grell schien das Licht durch das Viereck und zeichnete sich auf dem Steinflur ab. In der Nähe dieser Öffnung stand ein langer Tisch mit schiefen Beinen, und darüber lag ein großes weißes Pergament, das beinahe den ganzen Tisch bedeckte und in -.iner Rolle nach unten hing. Da saß hinter dem Tische der jüdische Gesetzschreiber, beide Arme auf das Pergament gestützt, und wandte sein fürstliches Haupt mir zu. Es war ein prächtiges Gesicht, fein und durchsichtig bleich wie Alabaster; Falten, kleine und große, liefen um die Augen und die große gekrümmte Nase. Ein schwarzes Käppchcn bedeckte den weißen Schädel und ein langer, weißgelber Bart lag in großen Strähnen über das beschriebene Pergament. Er saß in einer Art Lehnstuhl ohne Rückenlehne, und zwei Krücken lagen neben ihm auf der Erde. Auf diesen humpelte er mit mir nach dem offenen flachen Dache. Hier lagen Matten, worauf er sich niederließ und mich ersuchte, mich neben ihm zu setzen. So sitzend, das fremde Land vor mir, neben mir den langbärtigen Alton, auf den Matten des flachen Daches in Marokko, überkam mich das Gefühl, als ob ich in diesem Augenblick in einer Welt lebte, von der ich einmal geträumt hatte." — Und Israels hatte diese Episode selbst geträumt. So hätte sein Gemälde entstehen können, wenn dies wahr gewesen wäre; diese Geschichte entstand aber nur in der Phantasie Jozcf Israels*, der in seinem Buche von seinem Judentum zeugen wollte und deshalb sie niederschrieb. An einem heißen Tage im August des Jahres 1912 verschied der kleine, große Mann, und dem Schreiber dieser Zeilen wurde die Ehre zuteil, an seinem Grabe, an dem die Großen im Reiche der Kunst und Wissenschaften standen, im Namen der niederländischen Zionisten auszusprechen, welch einen empfindlichen Verlust das jüdische Volk erleidet, wenn ein Sohn wie Israels es verlassen muß. Aber das Wertvolle, das wir jetzt an ihm, dem Menschen, entbehren müssen, hat er uns in seiner unvergänglichen Kunst hinterlassen. An diesem Frcudenqucll wollen wir uns laben. H a a g, Jänner 1 924. &zoigev Trost Einst wird mir Gott verzeih'n: Dann werde ich Im blauen Himmel knien und rulüe, sein; Von jeder Freude frei, die schauerlich Zu Leide schließlich werden müßte, sein. Ich Weide wie ein leiser Bogenstrich Und eine sanft gespielte Harfe sein. Berühren wird die Nähe Gottes mich. Und mich erlösen wird sie von der Pein Und in Gebeten werde ewiglich In Coltes Glorie ich ein Funke sein. Uriel Birnbaum (Wien) (Ein jüdisches Märchen aus Chaborowsk in Ostsibirien.) Ein Hase läuft auf dem Eise. Plauz! fällt er. „Oh, oh. Eis, bist du stark?" — „Allerdings bin ich stark." — „Wenn du auch stark bist, schmilzt du doch, wenn die Sonne dich anblickt." — Das Eis sagt: „Ist die Sonne stark?" — Der Hase läuft zur Sonne und fragt die Sonne: „Sonne, bist du stark?" — Die Sonne sagt: „Allerdings hin ich stark." „Wenn du auch stark bist, so verdunkelt dich doch die Wolke." — „Ist die Wolke stark?" — spricht sie. Der Hase läuft nun zur Wolke hin und fragt: „Wolke, bist du stark?" — „Allerdings bin ich stark" — sagt sie. „Wenn du auch stark bist, so gehst du auseinander, wenn der Wind weht." — Die Wolke sagt: „Ist der Wind stark?" — Nun läuft der Hase wieder zum Winde hin und fragt: „Wind, bist du stark?" — „Allerdings bin ich stark" — antworte! er. „Wenn du auch stark bist, kannst du doch nicht durch die Felswand wehen." — „Ist die Felswand stark?" — sagt er. Der Hase läuft zur Felswand hin und fragt: „Felswand, bist du stark?" — „Allerdings bin ich stark" — sagt sie. „Wenn du auch stark bist, so kann die Maus doch ein Loch durch dich hineinbohren und entschlüpfen." — „Ist die Maus denn stark?" — sagt sie. Der Hase läuft nun zur Maus hin und spricht „Bist du stark, Maus?" — „Stark bin ich" — antwortet sie. „Wenn du auch stark bist, so kriegt dich die Katze fest." — „Ist die Katze wohl stark?" — Der Hase läuft zur Katze und spricht. „Katze, bist du stark?" — „Allerdings bin ich stark." — „Wenn du auch stark bist, so bist du doch von der Hand des alten Weibes abhängig." — „Ist das alte Weib stark?" — sagt sie. Der Hase läuft wieder zum alten Wcibc hui: „Mütterchen, bist du stark?" — fragt er. „Alierdings bin ich stark." — „Wenn du auch stark bist, so bist du doch von Gottes Hand abhängig." — „Ist Gott stark?" — Der Hase fragt Gott: „Bist du stark, Gott?"— Gott antwortet nichts. Wiederum frfgt der lla-c: „Gott, bist du stark?" — Wieder keine Antwort. Zum dritten Male fragt er: „Gott, bist du stark?" — Gott gab keine.Antwort, ließ seinen Donner erschallen, und der Hase starb, das alte Tataren- Weib hackte Fleischklößchen aus ihm und aß sie auf. Wilhelm Löwinger

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