Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1924-02-01 · Heft 2 (Februar 1924) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 2 (Februar 1924)
Article
David und Saul [Illustration]
Date
1924-02-01
Page
Seite 7 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
illustration document
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2912821-2912828-2912830-2913711--00503-2913792
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

7 MENORAH David und Saul Der Tlioraschreiber (sofcr) Jozef Israels 1824 1924 Von D. S. ZU l DEN Am 14. Januar dieses Jahres waren es hundert Jahre, daß in Groningen, der Hauptstadl der gleichnamigen niederländischen Provin7, der Mann geboren wurde, der, ein Jude, zeit seines Lebens und in noch höherem Mali nach seinem Tode der Stolz des holländischen Volkes war und noch heute ist. Es dauerte aber eine geraume Zeil — Israels' Ruhm hatte sich schon über die ganze Welt verbreitet — da erkannte erst das jüdische Volk, welch ein edler Jude, welch ein jüdischer Künstler der kleine Holländer war. Jozef Israels entstammte einem jüdischen Gcschlechlc, das 1730, vermutlich sogar schon früher, in Groningen ansässig war und dort in hohem Ansehen stand. Im Jahre 1744 war ein Isaac Israels Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Jozef entsproli als drittes Kind der Ehe des Hartog Abraham Israels und der Malhilda Salonion Po lack. Im Gegensatz zu seinem älteren Bruder, dem späteren Universitätslehrer Professor Doktor H. A. Israels, fühlte er keine Lust am <?elchricn Studium. Aber auch für das Bankgeschäft seines Vaters spürte er keinen Beruf, und floh, wann immer er nur konnte, aus dem Geschä ftslokaL. um in seiner Kammer ungestört zu zeichnen. Schon als Knabe erhielt er bis zum 15. Lebensjahre Religionsunterricht. Er wollte Rabbiner werden, lernte hebräisch und vertiefte sich in das Studium des Talmud. Als sein alter Lehrer erblindete, begleitete er den Greis in die kleine Synagoge. Oft standen sie dort zusammen vor den gefrorenen Fensterscheiben und verrichteten die vorgeschriebenen Gebete. Die damals erworbenen Kenntnisse hatte Israels nie vergessen. Bis ins hohe Alter blieb es ihm ein Vergnügen, hebräische Texte zu zitieren. Seine Ausbildung zum Maler begann erst einige Jahre später in Groningen. Der Künstler war erwacht. Er zog nach Amsterdam und trat in das Atelier Jan Krusemanns ein. Er wohnte bei Verwandten in der Joden Brcedstraat, wo einst Rembrandt gewohnt hatte. Wie dieser durchstreifte er gerne die Winkel und Gälichen All-Amsterdams, wo in der Tür ihrer Trödlerlädcn inmitten schmutzigen Gerumpels die Söhne des alten Volkes sitzen. Er wollte sein Können vervollständigen und zog nach Paris, wo er als Schüler Picots arbeitete. Bis dahin hatte er sich ganz der Historienmalerei verschrieben, die allein als kunstfähig galt. Nach dreijährigem Aufenthalt in Paris, das ihm nicht sonderlich gefallen hatte, kehrte er 1847 nach Holland zurück, um sich hier dauernd niederzulassen. In der Malerei hatte sich inzwischen eine Wendung vollzogen. Von den Dramen der Vergangenheit hatte sich die neue Schule unter Führung Millets und Courbcts den Tragödien des täglichen Lebens zugewendet. Auch Israels fühlte sich hingezogen zu den Schönheiten der Natur und fühlte die Größe, die das Epos vom Kampf ums Dasein, von Mühe und Arbeit in sich birgt. Kein Maler verstand es so wie er das Leid der armen Fischer darzustellen. Keinem gelang es so wie ihm seine zartbesaitete jüdische Seele in seine Formen und Farben hineinzulegen. Jozel Israels Soli'sl poi trat Tin- (i: i i 111 e r Iii ms Und angesichts dieser neuen, überraschenden Kunst war es ganz natürlich, da f.». die ehrenvollsten Auszeichnungen, die jemals einem Menschenkind zuteil wurden, auch ihm, dem holländischen Juden, nicht vorenthalten blieben. Aber besonders dann, wenn er seine Seele in irgend einen jüdischen Gegenstand hineinlegen konnte, übertraf er sich selbst. Liegt doch in ,,Dc zoon van het oude volk" (Der Sohn des alten Volkes), dem großen Gemälde, das im städtischen Museum in Amsterdam einen Ehrenplatz hat, die ganze Tragik unseres Volkes. Ein Jude spricht hier, der das Ghetto in der Brust trägt, der in den Niedrigen und Beladencn seine eigene Jugendgeschichte und die Geschichte seines Volkes malt. Und fühlte nicht gerade Israels diese Tragik voll und ganz, als Her/1 ihn im Jahre 1898 besuchte und ihn veranlagte, sich den Reihen der Zionisten anzuschließen? Israels wußte auch in seinen Werken die Würde der jüdischen Tradition zu erfassen. Bekundet sich nicht in seinem Gemälde „1>- Joodsche bruiloft (Die jüdische Hochzeit)" clio ganze Symbolik der Worte: ..Marc al mekadesch Ii kaclor mosche wejisracl" während der Bräutigam der Braut den Ring an den Pinger steckt? Denn Israels selbst war mit der feingebildeten Aleida Schaap, die ihm zwei Kinder schenkte, eine glückliche jüdische PJie eingegangen. Nach Rembrandts \ orbild malle Israels ,,David en Saul", aber wie ganz anders war seine .Auflassung. \ on noch innigerer Empfindung zeugt, meines Erachtens s'.'Ui Meisterstück „De Wetschrijvcr (soler)". .An die Entstehung c'icses Stückes echt jüdischer Kunst knüpft sich eine interessante Geschichte, die >o recht Joze! Israels als einen Juden kennzeichnet, der vor allem eine Ehre darein se'/l. deir Judentum anzugehören. Im Jahre 18C)8 hatte Israels mit seinem Sohne und einem Freund eine groß- Reise nach Spanien gemacht und nebenbei auch Tanger in Afrika besucht. Einige Zeit nachher entstand obiges Gemälde. Zugleich veröffentlichte Israels eiren schönen Reisebericht mit der rberschrift „Spanje". Darin erzählte der humorvolle Greis, wie er in Tanger durch Zufall sich in ein kleines orientalisches I laus verirrt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.