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Menorah · 1924-02-01 · Heft 2 (Februar 1924) · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 2 (Februar 1924)
Article
[Baal Machschowes]
Date
1924-02-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 M E NORA H und abstoßen könnte. So fristen die mitteleuropäischen Völkerbundligen, an deren Spitze ausgezeichnete Männer stehen, ein Leben, von dem die Öffentlichkeit ausgeschlossen bleibt. Ihr einziges Auditorium könnten ihnen die Juden bieten: nur liegt hier, die — unter den heutigen Umständen sehr mögliche — Gefahr nahe, daß der nationalistische Radikalismus, der ja in Österreich, Deutschland, Ungarn mit Feuereifer die durch internationale Beziehungen mühsam initiierte Konsolidierung stören möchte, r.us der Verjudung der Ligen ein Kapital schlägt, das für den ganzen Komplex verderblich wäre. Unter diesen Umständen tritt zum ersten Male eine bewußt-jüdische und unverhüllt politische Gründung — die spezieller jüdischer Ligen — unter günstigen Auspizien eines Kreises hochstehender und bedeutender nichtjüdischcr 1-aktoren — ins Leben, die in ihnen mit Recht das einzig taugliche Mittel erblicken, wertvolle Kräfte dem großen Werk zu gewinnen. Der Erfassung dieser günstigen Vorbedingungen muß jüdischerscits der Überblick über alle Möglichkeiten sich anschließen: Das Schlagwort „Für Völkerbund und Minoritätcnschulz", das man heule?.u hören bekommt, ist anfechtbar und sehr unvollständig. Eine jüdische Politik, die sich endlich von dem kleinlich-zänkischen, ohnmächtigen Rcchtsbureau-Standpunkl einer Judengewerkschaft emanzipieren und mit Hingabe nach der Möglichkeit wirklicher Reformen streben wird, weiß die Ansicht des preußischen Innenministers Sevcring über die Internationalität der modernen Judenfrage voll einzuschätzen. Sic kann nie in eine Reihe territorial begrenzter Einzelaktionen aufgelöst werden. Die jüdischen Zweck- und Angstwanderungen, die Anziehungskraft wirtschaftlicher und kultureller Zentren auf mehrere Länder, die durch die letzten zehn Jahre veranlaßtcn Änderungen in den Zusländigkeitsverhältnissen usw., werden internationale Übereinkommen unter den beteiligten Staaten notwendig machen, die nur unter aktivster jüdischer Mitwirkung tatsächlich zweckentsprechend gelöst werden können. Die jüdischen Völkerbundligen müssen, unbeschadet ihres formell geringen Einflusses, die Stätte werden, an denen die Reformen der europäischen Juden frage erdacht, ausgearbeitet, in Gemeinschaft mit der Umwelt diskutiert, der Öffentlichkeit vorgelegt und durchgesetzt werden. —ch. DIE MENORAH DES CHANUKKAFESTES Von ERICH TÖPLITZ (Frankfurt a. M.) Nachdruckverboten! Die Abbildungen stammen aus der Vorbildersammlung der Ges. z. Erforschung j. Kunstdenkmäler, Frankfurt a. M. Vorwort der Redaktion. Mit dieser Aufsatzreihe machen wir unsere Leser mit den neuesten Forschungen iber die jüdischen Kunstdenkmäler bekannt. Schon seit dem Ende des vorigen Jahrhunderls wurde durch Ausstellungen und gelegentliche Veröffentlichungen die kunstgeschichtliche Bearbeitung derjudaica begonnen. Durch die 1896 von Dir. Frauberger vom Düsseldorfer Kunstgewerbemuseum ins Leben gerufene Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler wurden diese Arbeiten zentralisiert und in großzügiger Weise der Allgemeinheit bekanntgemacht. Wie bei aller Beschäftigung mit wissenschaftlichem Neuland begann man mit enzyklopädischen Sammel- und Erklärungsbänden; die Notizblutter und Mitteilungen der Gesellschaft sind im Anfang in diesem Sinn gehalten. Schon Band V, VI versuchte darüber hinaus ein engeres Gebiet (verzierte hebräische Buchstaben) zu erfassen, und BandVII/VIII ging schon zum Sichten einiger Synagogentypen über. Nach den Kriegswirren soll nun die hülle des gesammelten Materials eine Bearbeitung nach seiner inneren Struktur erfahren und gleichzeitig pars pro loto die jüdische Kulturgeschichte im Wandel der Zeiten erläutern helfen. Wir wollen so unseren Lesern neben rein literarischen Berichten durch Darstellungen aus dem gegenständlichen Teile der jüdischen Kultur ein abwechslungsreiches und eindrucksvolles Bild der jüdischen Vergangenheit vermitteln1). * Chanukka wird sowohl vom Talmud als auch von Josephus als das Fest der Illumination, beziehungsweise als das f~ est der Lichter bezeichnet, und noch heute ist das Anzünden des achtflannnigen Leuchters sein Merkmal. Im Zeitalter der Technik fällt dieser Brauch nicht mehr so auf wie früher; ein Lichtermeer umflutet uns alltäglich, und das geheimnisvolle Wunder, daß die natürliche Helle des Tages durch die künstliche des Lichtes ersetzt werden kann, will uns wenig bedeuten. Dennoch spielt das Licht immer noch eine große Rolle in unseren Bräuchen, zumal wir Juden für alle Unterschiedlichkeiten ein besonders feines Verständnis haben und deshalb auch die Reize, die aus der Verschiedenheit von ') Illustrationen nach Abbildungen aus der Sammlung der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler in Frankfurt a. M. Helligkeit und Dunkel entstehen, zu schätzen wissen. Die Strahlen der Sabbatlampe verkünden den Beginn des Ruhetages am Ende der Woche und den Beginn der Festtage. Die Flausfrau verdeckt die soeben entzündeten Flammen mit den I Linden, und während sie diese langsam fortzieht, erfreut sie sich beim Segensspruch über das Licht des hellen Scheines. Am Ausgang des Sabbats spricht der Hausvater die Unterscheidung — Hawdalah — zwischen Heiligem und Profanem, zwischen Licht und Finsternis usw. Das Licht zum Gedächtnis der Verstorbenen hat sich auch in den assimilierten Kreisen erhalten, und in keiner Synagoge lehlt die ewige Lampe, die nach der Überlieferung mit dem Leuchter des Stifts- /.eltes und der Tempel in Zusammenhang gebracht wird. Die Wicdcrcntziindung dieses Leuchters gab den Anlaß zu unserem Lichter fest. Durch alle Zeiten hat sich dort, wo jüdische Sitte nicht aufhörte, Chanukka als das Lichterfest behauptet, und die Menorah des Chanukkafesles ist in jedem gutjüdischen Hause in einem oder mehreren Exemplaren vertreten. Die größte Ausstellung von Menoroth war m London auf der Anglo-Jcwish Historical Exhibition, deren vortrefflicher Katalog^) heute noch das beste Nachschlagewerk über diese Objekte ist. Es mag dabei bemerkt werden, daß die stilgeschichtlichcn Bestimmungen einer derzeitigen Beurteilung nicht immer standhalten werden; es empfiehlt sich also, nur die angegebenen Marken, mit den für Juclaica üblichen Einschränkungen^) zu berücksichtigen. Unter denselben Umständen hat der Katalog1) der Sammlung Strauß, jetzt im ■) Catalogue of the Anglo-Jcwish Historical Exhibition, Jacobs and Wolf, London 1888. "') Da den Juden verboten war, ihre Arbeiten zu signieren, ließen sie dies oft von christlichen Meislern machen; die lokale und zeitliche Bestimmung nach den Marken führt also zuweilen in die Irre. Immerhin ergeben sie ein ternpus ad quam. Musee Cluny in Paris, noch Bedeutung, wenn auch die Zahl der Menoroth nicht besonders groß ist. Über den Besitz des jüdischen Museums ir Wien berichtet der mir vorliegende Katalog"') nur sehr ungenau, über den Bestand des jüdischen Museums in Berlin sind wir durch einige Aufsätze in „Ost und West"'') etwas besser unterrichtet, für die neue Sammlung in Frankfurt am Main steht der Katalog noch aus. In allen kleineren und größeren Museen befinden sich einige jüdische Stücke, diese Sammlungen sind bisher nie, mit Ausnahme derjenigen des Nationalmuscums in Washington7), ausführlich beschrieben worden, so daß wir über die an diesen Stellen befindlichen Menoroth nicht orientiert sind. Von den großen Privatsammlungcn sind bisher ebenfalls keine Beschreibungen bekannt geworden, einige Abbildungen finden sich in den ..Mitteilungen der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdcnkmäler"s). Über die Kunst form der Menorah hat Kurt Freyer einmal im „Chanukkabuch"") berichtet, der Aufsalz beruht auf viel zu geringem Material, als daß er erschöpfend sein könnte. Wollen wir die Entwicklung der Menorah im Verlaufe der Jahrhundertc verfolgen, so müssen wir uns zuerst darüber klar werden, daß die Fülle der erhaltenen Typen sich nicht nach stilgeschichtlichen Gesichtspunkten allein gliedern läßt. Nicht nur bei jüdischer Sakralkunst, sondern auch bei christlicher hat man noch jahrhundertelang alte Stil formen beibehalten, trotzdem diese bereits *) Collection de M. Strauss. Description des Objects d'Art Religieux Hcbraiques, Stenne. Poissy 1878. 5) Führer durch das jüdische Museum, herausgegeben vom Kuratorium, Wien 1906. fl) Ost und West, 1922, V VI. T) The Collection of Jewish Cercmonial Objects in the United States National Museum, Adler-Casanowicz, Washington 1908. 8) Heft III bis IV, S. 39 bis 47. •) Moaus Zur, Berlin 1918.

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