Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 2 (1924)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1924)
- Article
- Die jüdische Frau und das Aufbauwerk von Palästina
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2912821-2912828-2912829-2913633--00458-2913676- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
MENORAH 15 ß%g$ Ä Sl ZS 1? ZAJ JE: _L DIE JÜDISCHE FRAU UND DAS AUF- BAUWERK VON PALÄSTINA Map. könnte es sich wohl vorstellen, daß in unseren Tagen, da sich dem jüdischen Volk durch die Zusicherung von Palästina nach Jahrtausenden einer furchtbaren Leidensgeschichte und inmitten einer ihm mit wildem Haß begegnenden Gegenwart die zauberhafte Möglichkeil einer glücklicheren und "Stolzeren Zukunft erschlossen hat, daß sich da die jüdischen krauen insgesamt eine Lebensführung gelobt hätten, die im Zeichen des Schicksalskampfcs stünde, in den ihr Volk eingetreten ist. Nun gibt es wohl viele Plünderte jüdischer Flauen, zumeist aus den Märtyrergebieten des europäischen Ostens, die das erlösende Werk einer Heimatgewinnung für ihr unglückliches Volk mit so heißer Inbrunst crfaf.U haben, dato sie sich ihm ganz darbringen. Dem großen historischen Moment fühlen sie sich nur dann gerecht, wenn sie unmittelbar, mit ihrer Hände Arbeit, mitpflastern können an dem Fundamente drüben und die Fährnisse des Anfangs am eigenen Leibe mitleiden können. Mutig und willcnsstark nehmen diese heroischen Naturen ein schweres Auswandcrerschicksal auf sich, in Sonncnglut und Fiebcrlufl zwingen sie sich zu anstrengendster, oft ihre Kräfte übersteigenden Erdarbcit, und in entlegenen, von feindlich gesinnten Arabern umdrohten Siedlungen stehen sie den männlichen Pionieren tapfer zur Seite. Was haben die jüdischen Frauen des Galuth gegenüber diesen Leistungen ihrer kühnen Schwestern an Gleichwertigem aufzuweisen? Wenn man sie sieht in ihrer Mehrheit, diejenigen von ihnen, die nicht von Nahrunqssorgen zermürbt und von übermäßiger Erwerbs Arbeit aufgebraucht sind, beherrscht wie bisher von den kostspieligen Nichtigkeiten eines konventionellen Daseins, weiter Zeit und Geld, Gedanken und Gefühle vergeudend an überflüssigem Aufwand oder an Dinge, die weder Inhalt geben noch von einem Ziele wissen, dann könnte man nicht vermuten, daß sie Mitglieder eines Volkes sind, das heute einen Entschcidungskampf führt auf Tod und Leben, um seine Zukunft, um seine Erhebung aus der Schmach und Erniedrigung von zwanzig Jahrhunderten. Und doch hat es auch vielen diesen Frauen gedämmert von der Bedeutung der Schicksalsstundc, die nun für ihr Volk geschlagen hat, sie haben Augenblicke der Hingerissenheit erlebt für die Idee der Selbstbestimmung ihres Volkes vor den zündenden Schilderungen eines durchglühten Redners, sie haben Momente gekannt eines so erschütternden Mitleids für ihr armes Volk. Doch daran war's nicht genug. Sie empfanden bald, daß sie innerhalb der allgemeinen Organisation nicht recht an der eigenen Fortbildung arbeiten konnten, nicht gut an die anderen I' rauen heranieichten und für spezifische Fraucnaufgaben in Palästina nicht genügend zu wirken vermochten, kurz, daß die Schaffung von besonderen Frauenorganisationen notwendig sei. Nur mit allen seinen Kräften vermag das jüdische Volk sein Befreiungswerk zu vollbringen. Darum ist Werbearbeit das Um und Auf der Tätigkeit für jeden überzeugten Zionistcn. In den Abseilsslehcnden die Empfindung ihrer Verpflichtung zur Mitarbeit, zur Mitsteucrung zu wecken, ihre Gewissen immer wieder aufzurütteln, alle Energien mobil zu machen für das Aufbauwerk; not tut es zu werben, für den zionistischen Gedanken, unausgesetzt werben. Und die jüdischen Frauen sind eine stoßkräftige Armee für sich, ein Reservoir von eigenen Energien und Hilfskräften, das noch kaum nutzbar gemacht worden ist. Die Voraussetzung aller systematischen Werbetätigkeit ist zunächst der Zusammenschluß der Gleichgesinnten, die Schall ung von lebenskräftigen, tateifrigen zionistischen Frauengruppen an jedem Ort, wo eine größere Anzahl von Juden wohnen. Und sei die Organisation anfangs noch so klein, auf die Festigkeit des Kernes kommt es an. S c1b s t b i 1d u n g und — Schulung hat darum der erste Programmpunkt für die Mitglieder zu sein. Sich selbst ganz erfüllen mit dem zionistischen Rcgrnerationsidcal, ein Für und Wider kennen, seine Möglichkeiten und Grenzen, seine mcnschheitlichc Bedeutung zu erfassen, sich vertraut machen mit dem Ringen in Erez Israel, mit den Siedlungsbedingungen drüben und all den schwierigen Problemen des Aufbaus und der Einwanderung, verwachsen mit der zionistischen Bewegung, ihre Bedürfnisse kennen und ihre Zielsetzungen, die eigene mangelhafte Kenntnis vom jüdischen Volk, seine Kultur und Sprache erweitern und vertiefen — das alles verlangt eine erprobte Überzeugung von ihrem Träger. kür wieviele 1-rauen mag die Beschäftigung mit diesen \ ragen zur ersten Einführung weiden in die reiche Welt ernster Literatur und die Forschungsarbeit für sozialen Fortschritt! Bücher und Zeitschriften, die diese Kenntnis vermitteln, lassen sich durch Organisationen leicht beschaffen. (Fortsetzung folgt) Dt. Nadja OfnsUui, Bukarest. „Bildnis" Anna Walt-K