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Menorah · 1924-01-01 · Heft 1 (Januar 1924) · p. Seite 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
2 (1924)
Issue
Heft 1 (Januar 1924)
Article
[Ohne Titel] / Reti, Rudolf
Date
1924-01-01
Page
Seite 13 (sequence 1)
Language
German
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MENORAH 13 <T um.......nun..........i.nl'lllliillllllllllililllllillllliiliiiililllllilimiuiiil.....illliliillllllllihlliilMliim Musik <V iiMMnnniiTMTnTMTinTnM^ Von der Leitung dieser Zeitschrift aufgefordert, ihren Lesern von nun ab einen regelmäßig erscheinenden M u s i k t c i 1 zu bieten, wird es nicht nur unsere einzige, aber naturgemäß eine unserer vornehmsten Aufgaben sein, solche musikalische kragen zu erörtern, die speziell dem jüdischen oder jüdisch orientierten Leser interessant sind. Da freuen wir uns denn, unsere Rubrik mit einem Aufsatze aus der Feder des derzeit führenden Musikschriftstcllers Deutschlands, Professor Adolf W e i fi m a n n, eröffnen zu können. Für die Art aber, wie wir selbst uns den hier interessierenden Problemen gegenüber künftig stellen wollen, möchten wir die Leitlinien nun in Kürze skizzieren. Auf dreierlei Art können die Bczie huiigcii des Judentums zur Musik geweitet werden. Die äußerlichste und daher völlig wertlose Art wäre es, von jeder musikalischen Leistung, von jedem mit Musik zusammenhängenden Ereignis dann Noliz zu nehmen, wenn zufällig ein Jude der Urheber ist, an allen anderen Erscheinungen aber, an den erregenden Krisen, von denen gerade jetzt das Gebiet der Musik mehr denn je erschüttert wird, achtlos vorüberzugehen. Leider ist — und nicht nur in der Musik — gerade dieser Wertung eine der üblichsten. Eine zweite, immerhin interessante Einstellung beslündt darin, dem Problem einer unzweifelhaft existierenden, noch mehr aber existent gewesenen jüdischen Nalionahnusik nachspüren und einer eventuellen Renaissance dieser Musik (sei es des Volksliedes oder des Synagogalgcsangcs) in der Kunstmusik unserer Tage. Aber auch diese Methode würde Wesentliches unberücksichtigt lassen und sich überdies bald erschöpfen. So bleibt als erstrebenswert einzig die dritte Möglichkeit, die, richtig besehen, die beiden anderen ohnedies in sich schließt, nämlich zu untersuchen, wo und in welchem Maße sich Judentum als Seelisches, als Idee in musikalischer Sphäre ausgedrückt hat und heule noch ausdrückt. Diese Betrachtungsweise, die allen künstlerischen Fragen und auch dem Problem der „modernen" Musik nichts weniger als ausweichen dürfte, liegt wohl den folgenden schönen Ausführungen zugrunde, und sie wird auch uns in diesen Blättern immer leiten. Rudolf Reli ADOLF Wli/SSMANN Der Jude und die Musik Von dem Augenblick, da Wagner sein bekanntes Pamphlet in die Well hinausschickte, hat das Problem nicht geruht. Dem Manne, der, in eigener Sache, die Luft reinigen wollte, ist mittelbar der Antrieb zur Behandlung des jüdischen Problems in der Musik zu danken. Mendelssohn und Meycrbecr waren, trotz manchem Widerspruch, emporgestiegen. Erst hinterher, erst infolge der durch das Musikdrama hervorgerufenen psychologischen Wandlung, wandte man sich gegen sie. Es ergibt sich aber das Merkwürdige: Der Gesichtspunkt der Rasse, auf die Musik angewandt, durch Chamberlain verleidigt. wird gegen Wagner selbst verwertet, dem man die rein arische Abkunft bestreitet und durch Rassenmischung erzeugte Mischcharakterc auch in seiner Musik nachzuweisen sucht. Indes wird das Problem durch zwei?i'*ue Erscheinungen neu beleuchtet: Mahler und Schön- GUSTAV MAHLER Radierung von Arthur Pauir/en Wien berg. Während die tieftsen Anregungen von ihnen auf ihre Zeit ausgehen, stürzt sich gleichzeitig auf sie die ganze Meute jener, die das Vorrecht der Arier auf die große Musik durch sie erschüttert und überdies die deutsche durch sie gefälscht glauben. Nun ist aber auch der Zionismus aufgestanden, die Einheit von Rasse und Nation wird verkündet, eine nalional-jiklische Musik soll erwachsen. Vielleicht hat nichts so sehr liegen das Schöpferische der Juden in der Musik ausgesagt wie sein Erfolg aus Ausübender. Der Instinkt für das Gegenwärtige erzeugt die Lebendigkeit der Aussprache, der Sinn für Wirkung steigert sie; die Raschheit der Assoziation und die der I I and verbünden sich. Man rühmt das Einfühlungsvermögen des Juden in das Werk, findet aber, daß er sich gern auf dessen Kosten in Szene setzt. Er ist geborener Virtuose aus zwei Gründen: erstens, weil er im Abendland nicht durch natiomle Vorurteile gebunden erscheint und sich rasch anpaßt, dann weil er von Natur zu jenen Unterstreichungen des Melodischen neigt, die, neben der eigentlichen Virtuosität, das Wesen des Virtuosentums ausmachen. Durch die gesteigerte Feinricrvigkeit der Ausführung wird er gefährlicher Nebenbuhler des nichtjüdischen Spielers. In deutschen Landen ist Virtuosentum, als dem Polyphonen feindlich, nicht heimisch. Selbst deutsches Dirigententum, die letzte Blüte des Virtuosentums, ist immer nur durch Rassenmischung geworden, so zwar, daß die deutsche Musikatmosphäre die aus Österreich oder Ungarn stammende hührernatur trug und vor Vcrflachung bewahrte. Man wird also leicht geneigt sein, das tausendfach bewährte Reproduktive des Juden gegen sein Produktives auszuspielen. Aber '.weifellos läßt sich auch das Jüdische in der Musik nicht auf eine Formel bringen. Gustav Mahlers Werk ist unzweifelhaft von seinem bis dahin unerhörten Dirigententum entscheidend beeinflußt. Der Idealismus des Ekstatikcrs, der beseelteste Genauigkeit wollte, befruchtete beide. Er kann nicht österreichisches Volkstum in seiner Reinheit spiegeln. Durch seine jüdische I"cinnervigkcit erhielt es melancholische oder ironische Färbung. Dem Materialismus des jüdischen Komponisten, der seinen Sinn für Wirkung, seine leichte Hand, seinen Witz in der Operette betätigt und in Offenbach zum Zeitsatiriker wachsen kann, wie er anderseits auch heute zum Vcrfertiger von Fabrikware herabsinkt, setzt Mahler einen Trieb zur Heiligkeit entgegen. So kämpft er den Kampf mit dem Juden in sich selbst. Aber dieses Christushafte ist ja gleichfalls in der jüdischen Rasse, vielmehr in ihren erlesensten Vertretern zu finden. Es bleibt Irrtum, die Rasse in sich ausrotten zu wollen, wenn auch die Synthese mit dem Deutschtum schwer scheint. Der so geartete Jude mißtraut den Vorzügen seiner Rasse, weicht der Leichtigkeit seiner Hand aus und wird darin bestärkt durch den Hang zur Grübelei, die sich dialektisch rechtfertigt; durch die Neigung zur Abstraktion, die ihn abseits der Kunst führen kann, weil sie an der Phantasie bohrt. Die Tragik der Juden, der innerhalb des Europäcrtums Musik schafft, drückt sich darin aus. Dazu kommt der tausendjährige Schmerz, bereit, sich dem Adagiogc fühl zuzugesellen. Dieser Mollton kann Manier werden. Auch in dem anderen Juden, der sich dagegen sträubt. Arnold Schönberg, ist der Asket wirksam: und da er in einer Zeit höchster Materialabnützung. wie der gegenwärtigen, schafft, wird er der scharfäugige Betrachter unserer Musik, während er zugleich positiv aller Trivialität ausweicht. Er braucht Zeit, das Romantische, das Wagnerschc, das sich mit der Innbrust des Rassejuden verknüpft, in sich auszuscheiden. Er scheint, in der Verwendung des Materials, Revolutionär und ist doch zugleich der Erneuerer Beethovenscher Tradition. Architektoniker ist er letztens nicht. Verkürzungstrieb und Expansionstrieb streiten sich in ihm, und auch der lineare

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