Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1923-01-01 · Heft 6 · p. Seite 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
1 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Chane und ihre sieben Kinder
Date
1923-01-01
Page
Seite 17 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2912821-2912822-2912827-2913517--00383-2913580
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

17 MENORAH Chane und ihre sieben Kinder. l£inc Chanukkageschichte von Siegfried Abclcs. Es war am ersten Chanukkaabencl. Die Lichter waren bereits entzündet und der Vater stellte nun die hell leuchtende Menorah ins Fenster. „Alle Leute sollen sehen," sagte er dabei, „daß hier echte Juden wohnen." Die sieben Kinder aber faßten sich an den Händen, tanzten und sprangen und sangen dazu: „Moauszur Jeschuossi Ich hab' kein Geld, was tu ich hier? Geh ich a biss'lc weiter Begegnet mir a Reiter. Der Reiter will mich schlagen, Geh ich zum Richter klagen. Richter hat a Küntele, Hüntcle will mich beißen, Tut mir die Hos' ganz zerreißen. Selbst der kleine Simon, der noch nicht einmal ordentlich reden konnte, sprang lustig mit und kreischte vor Freude, so laut er konnte. ,,So ist's recht", sagte der Vater lachend. „An dem Tag, an dem wir uns erinnern, daß wir Juden durch die Makkabäer von langjähriger Unterdrückung befreit wurden, sollen wir lustig sein. Singt und springt, so viel ihr wollt!" Das ließen sich die Kinder nicht zweimal sagen, und sie wurden immer übermütiger und wilder, bis plötzlich der kleine Simon auf die Nase purzelte und laut zu weinen anfing. „Jetzt ist's schon genug!" sagte die Mutter. „Kommt zu mir an den Tisch. Ich will euch von einer Hau erzählen, die, so wie ich, Chane hieß und auch sieben Jungen hatte." Da setzten sich alle Knaben an den Tisch, auch der kleine Simon. Er weinte sofort nicht mehr, denn er hörte der Mutter gerne zu. Sic erzählte nun vom bösen König Antiochus. Der iieß die fromme Chane und ihre sieben Söhne gefangennehmen, denn er dachte, wenn diese vom Judentum abfielen, würden die anderen Juden ihnen folgen. Aber keiner der sechs älteren Söhne wollte sich vor dem großen Götzen de? Königs beugen, und deshalb wurden sie alle getötet. So blieb schließlich nur ein siebenjähriger Knabe übrig. Der sollte dem König einen Ring vom Boden aufheben. Der kluge Junge merkte aber sogleich, daß Antiochus nur wollte, er solle sich vor dem Götzen verbeugen. ,Ncin,' dachte der Knabe, ,auch ich will lieber sterben, als das Judentum ableugnen.' Und er hob den Ring auf, bog sich aber dabei zur Seite. Da wurde der König zornig und ließ auch das siebenjährige Kind töten. Die fromme Chane war stolz auf ihre standhaften Söhne, doch sie war auch eine gute Mutter. Weinend stürzte sie sich über ihre toten Kinder und starb vor Herzeleid." „Mutter," sagte nun Jakob, der 15 Jahre alt war, „würden heute noch solche Dinge geschehen, dann solltest du sehen, daß auch deine sieben Knaben standhaft sein können." (Fortsetzung folgt) WAS DIE LICHTLEIN SAGEN ... (Eltern und zwei Kinder sitzen um einen Tisch, auf dein die Menorah brennt.) Vater: Die Menorah ist entzündet. Herrlich klang die Melodie. Heuer sangt ihr schon viel besser „Moauszur Jeschuossi". Wißt ihr aber, was uns sagen Dieses T estes helle Flammen? Jakob : Daß einst heller Jubel herrschte In dem Land, dem wir entstammen. Antiochus war besiegt Von Makkabis kleiner Schar, Neugeweiht wurd' unser Teir.pel, Frei das Land der Juden war! Und so mutig wie die Alten Sollten wir auch jetzt noch sein! M utte r (lächelnd, mit dem Finger drohend): Darum liebst du so den Schneebali, Wirfst Ruth in den Schnee hinein! Ruth: Nein, vom Kriege will nichts wissen Der Menorah schi'nes Licht! Wenn man im Familienkreise Lustig spielt und munter spricht. Dann erzählt es uns vom frieden, Freud' verbreitet's ringsumher. Vater: Beide habt ihr recht gedeutet. Kinder, seht, das freut mich sehr! Die Menorah lehrt den Jakob Sehnsucht nach dem alten Land. Und der kleinen Ruth erzählt sie. Daß man nie was bcss'res fand Als ein stilles jüd sches Haus. Wenn die Lichtlcin weit und breit Alle Juden so belehren, Kommt bald eine schön're Zeit! Siegfried A b e 1 e s. ONKEL BEN NATHAN SAGT DIR WAS! DAS TRENDEL. Hast du dir schon ein Trendel gemacht? Wenn nicht, dann schnitze dir rasch eines, denn Trendel ist das Spiel, das die Kinder an den Chanukkaabenden im Scheine der Menorahlichter am liebsten spielen. Ein Trendel aus Bein oder Metall ist vielleicht schöner als das, was wir selbst machen. Aber lieber ist mir doch unser eigenes Werk aus Holz. So ein Trendel ist ein Würfel, an dem oben ein schlanker Griff, unten ein dünner Fuß angebracht ist, so daß er wie ein Kreisel gedreht werden kann. An seinen vier Seiten trägt er je einen hebräischen Buchstaben :n,g,h,sch. Das heißt neßgadol hajah schäm (Ein großes Wunder geschah damals.)Aber dem spielenden Kinde bedeuten die Buchstaben etwas anderes. Jeder Spieler hat eine bestimmte Anzahl von Nüssen in die Kasse gegeben und nun muß einer nach dem anderen das Trendel drehen. Fällt das Trendel so, daß oben das n liegt, so macht das Kind gewiß ein langes Gesicht, denn das heißt „Nichts". Bei sch wird das Gesicht noch länger. „Stell ein, zahl ein!" Das ist nicht angenehm. Ein oder zwei Nüsse muß man in die Kasse legen. Ist aber h oben, da lachen die Augen vor Freude. „Halb" heißt das, und man erhält die Hälfte der Ka;s\\ Wie groß, aber erst die Freude ist. wenn oben g zu sehen ist, kannst du dir denken! Das heißt „Gau/" und man darf sich die ganze Kasse nehmen. l!M)l)IIIIIIIIIIIMllllllllllMIIII)|[||||[ll[IIIIIMIIIII)}||||||||[||lllllllllllllll)l!lll[llllllllllllll £ Cll.\NLIKKA(ii:SC.lli;\TK Fl U KIXDKU l'rtisffeki-r.iiles jü.li-vlios MiitvIienlMicli Tains Reise «Inim*Ii die Jii«liM*1i€k Jlärelienwelt von S1KGKKIKI) AI {KL KS Krschieiien hei Jak. > b II. 1! ni n ,1 e i >. Kronau llllilllllllllllllllllllllllllllllllllll!lllllill>llllllllll!lllllllllllllllllllllll!!!!llllllllllllllllllr Tapetenhaus W. Wallis Unübertroffene Auswahl in jeder Preislage und Stilart Telephone G7-;*07 l>'.)-2-l)2 Wien,l.,Wipplingerstr.15

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.