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Menorah · 1923-01-01 · Heft 6 · p. Seite 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
1 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Gericht
Date
1923-01-01
Page
Seite 13 (sequence 1)
Language
German
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13 MENORAH Gericht von Eugen Hoeflich (M. J. bc:i gawriel) Es sind keine Weiten, die die Seele nicht durchschreiten könnte. Es sind keine Tiefen, in die sie nicht hinabschweben könnte, und keine Hebe» sind ihrem Hugo verschlossen. Himmel und die Weite» der Erde sind ihr aufgetan, doch die Stufe» des Thrones erreicht ihr Plug nur i» den .Stund.'» der tiefsten Versenkung, da sie rein ist von de» Schlacken der Begierden. Wenn der Schlaf dich i» seine Arme nimmt, ausbreitend über dein Denken die weichen Srhleier des Vergessens. verläßt deine Seele, o du, der du bereit bist, dich zu bewähren in dieser und in jener Stunde, wenn der Fürst der Nacht aufsteht bis zum Tore des Himmels und aus scuicn Locke» die Finsternis der Nacht fällt auf das Antlitz der Erde, dann verläßt deine Seele ihre» Körper und steigt empor, Rechenschaft abzulege» über die Talen ihres Tages, und siehe: es werden gerichtet die Taten, die nicht aus der Willigkeit des geöflneten Herzens flössen, und die Gedanken, die ihr entsprossen aus der Über» legung /um Gewinn werden ausgezeichnet im Buche der Schulden. Schwer liegt der Körper auf dem Lager, nichts bindet ihn an die Seele, die sich windet im Angesichte des Gerichtes, und khi» und nichtig ist er vor der Größe des grenzenlosen Augenblickes vor dem Tore der Zeil. Wahrlich, auch meine Seele tritt vor das Gericht, auch meine Seele krümmt sich, ehe der?vIo:-gen herauf ahnt und die Eng:-1 des Schlafes von meinen Lidern weichen, wo sie bewache» das ruhende Gehäuse der schweifenden Seele. Allnächtlich bietet sie sich dar dem gerechten Gerichte und öd »et die Tore ihrer geheimsten Gemächer vor der Allgegenwart des Unendlichen. Oft kämpfte Lh gegen Schlaf und Traum, denn die Schuld drückte mich, Schuld des Tages, aufgeladen in den Augenblicken der Verblendung, lastend für Ewigkeiten der Sühne. Und oft erhoffte ich Schlaf und Traum und rief mein Bewußtsein an, der Seele zu folgen in che unbekannten Sphären, in die nur Dessen Bewußtsein einigt, dessen Gebet die Tore des Gau eden sprengt in seiner glühende» Inbrunst. Doch stets schwand mein Bewußtsein vor den Toren des Schlafes, und ich weiß in der Frühe des Erwachens nicht, ob Schuld meine Seele belastet oder ob sie Ireigesprochen wurde in der Blüte der Verzeihung. Nicht weiß ich, ob mir verziehen ward die schwere Schuld, die ich auf mich nahm, als ich verzweifelte, in unendlicher Verbitterung aufschrie und verzweifelnd die Stunde meiner Geburt verfluchte und ungeschehen machen wollte, was ohne mein Zutun geschehen, da ich, der Mutter Schoß verlassend, verantwortlich wurde für die Seele in mir. Niehl weiß ich, ob meine Seele bestehen konnte vor dem Gerichte, das Awram, den Urvater, erhob, der nicht verzweifelte, da er sich bereitete, das Liebste zu opfern. Nacht auf Nacht steigt die Seele in den Himmel, so geht die Überlieferung. Nacht auf Nacht ist Gericht. Nicht folgt mein Bewußtsein THE PA1NTER HIMSELF DARIO RAPPAPORT Wien - Vienna SELBSTPORTRÄT ihren Spuren, doch da sie zurückkehrt in das Gewölbe der, Körpers, weiß ich. daß die Sendung noch nicht vollendet ist, dal- Bahn und Weg noch oücn stellen den Taten, die die Schuld der Ver/weülung auslösten in den Tagen zwischen den Nächten des Gerichte:.. Klein und gering sind die Tage der 7aie». wenn sie nicht entwachsen den Nächten der \ crhciüung. Die Weihe der Sendung isl ihnen entschwunden, wen» sie nicht den Sternen de« Lo'.- gesanges entkeimen. Heilig aber sind die Taten der Tage, die Stein auf Stein tragen zum Brandaltar der Erlösung. Tausend Seelen tragen die Steine zusammen, aber d 1 e Seele nur wird den Altar vollenden, die sie zusammentrug zur Erlösung der A n d e r n, die einmal umkehren werden aus der Verhärtung ihres Herzens. Die Taten der Gerechten, die um der Sünder willen getan wurden, deren Seelen che Prüfungen der Nächte nicht bestanden, sie allein werden gelten vor dem Gerichte Dessen, von dem es heißt: und zur Nacht preiset ihn und beim Erblassen der Steine! Dort, wo die Straße nach Sch'chem steil zur Stadl Jeruschalajim hinunlerlällt, dort sprach ein alter Mann diese W orte zu mir, dem dehmütig Lauschenden. Ein alter Mann, der vom Süden kam, um »ach Zfad zu gehe», zu tanze» am Grabe des Sohnes Jochais i» der Nacht der Hochzeit der Seelen. Diese Worte trage ich bei mir, den» in den Augenblicken, da ich ihren Sinn voll erfasse, sind sie stärker als ci» Talisman. Aus ihrem Sinne zu schöpfen, ist die Belohnung der geheiligten Stunde. Ihre» Sinn erkennen, heißl die Große des Geschehens erfassen, Abkömmling zu sein Aurahams, des Freundes Gottes. (Au: »i in \ orbereitung befindlichen Buche ,.Die ekstatischen Erlebnisse". D\rovem6er. Der nasse Sclmee, aus grauen Wol1(cnhöhen Durchtaumelt er die moderschwere Luft, Um alsbald grau zu Kole zu zergehen. Die Gasse ragt wie eine kahle Kluft L'nd jedes Haus wie eine Totengrufl. Die Sehritte der Passanten schlurfen fade. Aus Toren flutet fauler Speisenduft: Der Himmel drückt bleischwer und ohne Cnade. Die Straßenbahn kriecht faul wie eine Made Im Schneegestöber farblos und wie blind Längs kalter Scliienen flammender Gerade Dem Schnee entgegen, steuerlos vom Wind! Und Wasser, das aus einer Traufe rinnt Weint still und bitterlich. Weint wie ein Kind. Uriel Birnbaum (\\'ien).>

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