Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 1 (1923)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Haifa 1922 [Illustration]
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 1)
- Language
- German
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9 M E N O R A H Haifa 1922 / Nach einem Aquarell von Hermann Struck Hermann Struck, der Maler Neu-Palästinas Auf seltene Art ist Landschaft mit Charakter und Schicksal der Völker verbunden. Noch hat Neu-Paliistina den Dichter seiner verzehrenden Hoffnungen, seiner Not und seines stillen Pleldcntumes nicht gefunden. Europarnüdc sammeln sich, um im dürren Lande des Wüstensaumes curopafern zu leben. Es vollzieht sich die Bildung eines aus der Inteliektualität geflüchteten Bauerntums. Erst aus dem Vertraulsein mit der palästinensischen Erde kann der Roman erwachsen. Unmittelbarer als der literarischen erschließt sich die Landschaft der bildnerischen Erfassung. Palästina, als Neuland kaum fünf Jahre alt, hat seinen Maler gefunden. Dieser Maler ist nicht Kind des Landes; der zwischen Abstraktem und Ornament schwankende Formensinn des Orients hatte sich nur schwer der Aufgabe zugewandt. Ein Europäer, Hermann Struck, als Maler und Radierer erprobt, ist der Maler Jung-Zions geworden. Der Weg Hermann Strucks, des Malers, nach Paliislina bedeutete Wandlung des Helens und der Sinne. Die gedämpften Klimatc Europas haben ihn geschult, die Mannigfaltigkeit der Farbe zu analysieren. Was Europa Struck gab, war Analyse, Impressionismus. Wir sind gewöhnt, ihn mit Problemen der Atmosphäre ringen zu sehen. Das Thema seiner Landschaften war gleichsam der Himmel. Ich sagte: Impressionismus. Das war die Entdeckung, dal.'i die Dinge „nicht ihre Farbe haben". Die Überwindung des Kolorierens. Niemals fanden wir Struck Allegorischem oder Szenischem zugewandt. Sein europäisches Malertum war Verteidigung gegen literarische Prätentionen. In seinen palästinischen Landschaften wird das Licht, über europäische Landschaften nur wie ein Mantel oder Schleier gebreitet, hier zur eigentlichen Tatsache, zum Ereignis. Es ist schweres, greifbares Licht von stärkster Intensität. Struck ist Synthcliker geworden. Es ist ein fast schicksalhafter Moment, da der palästinensische Mensch zum erstenmal aufgezeichnet wird. Struck zeigt uns arabische Nomaden, alteingesessene Sephardim, Chaluzim, aus Osteuropa, die Pioniere Neu-Palästinas. Aber, es sind nicht die Nomaden, die belletristische Bildncrci uns tausendmal zeigt«, es sind nicht die Menschen des ostländischen Ghettos, die wir wiederfinden. Sie sind durch eine Wandlung . . . ich sagte, eine Wandlung des Herzens und der Sinne durchgegangen. Wesentlich für Struck, den Europäer und Palästinenser, ist der Sinn für architektonischen Bau der Formen: schon da liegt Strucks Berufensein für die Aufgabe des Malers des Orients. Darum vielleicht sind Strucks syrische Porträts ruhig, fast starr. Baumeister scheint's, haben die Formen dieser Köpfe geformt. Kein Blick zwingt sich aus dem Porträt ins Auge des Beschauers, entsprungen etwa dem Willen individueller Verdeutlichung. Menschen und Tempel vielmehr zeichnet Struck, scheint es . . . Und es sind Araber und Juden . . . BRU N N E /V LIED BRUNNEN, Brunnen, tu dich auf! Jubelt, jubelt laut! Herrscher gruben deinen Lauf, Fürsten haben dich erbaut Mit dem Zepter, Mit dem Stab! (4. Mos. 21) DER C XXXI II. PSALM SIEHE, wie ist es fein und lieblich, Wenn Brüder beisammen wohnen In Eintracht . . . Wie kostbares Öl auf der Stirne, Das niedertropft in den Bart, Den Bart Aarons, Der herab wallt Auf den Saum seines Kleides. Wie der frühe Tau, Der niederfällt vom Gipfel des Hcrmon Auf die Höhen Zions, Dort, wo der Ewige Segen spendet Und Leben für und für. Manfred Sturmann A u s d e ni W e r k e : Althebräische Lyrik, Nachdichtungen. Allgemeine Verlagsanstalt München <miher O. C\ Recht \ erlag)