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Menorah · 1923-01-01 · Heft 5 · p. Seite 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
1 (1923)
Issue
Heft 5
Article
Die Abstammung von Karl Marx
Date
1923-01-01
Page
Seite 10 (sequence 1)
Language
German
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10 MENORAH i Die Abstammung von Karl Marx Ebensowenig wie Moses Lwow erwähnt Josua Heschcl Lwow seinen Vater in den zahlreichen Approbationen aus seiner Hand. Nicht einmal den Herkunftsnamen Lwow, der bereits zu einem festen Familiennamen sich entwickelt hatte, fügte er gewöhnlich seinem Vornamen bei. Aber diesmal sind wir des schwierigen Geschäftes enthoben den Vaternamen erschließen zu müssen. In der bei Löwenstein, Nathanacl Weil, S. 66 n. 3, aus dem Schwabacher Mcmorbuche geschöpften Notiz über seinen Sonntag, den 13. Jänner 1771 erfolgten Tod wird Josua Heschcl Lwöw ausdrücklich als Sohn des Gelehrten Ahron Moses Jechcskcl aus Lemberg bezeichnet. Ahron Moses Jecheskel ist aber der am 26. November 1712 in Trier verstorbene Rabbiner Ahron Lwow (mit seinem vollen Namen Ahron Moses Jecheskel), der Sohn des Moses aus Lemberg (Lwow). Ebenso ist dies aus einem Elsasscr Totenbuch zu ersehen; vcrgl. Revue des etudes juives 40, S. 242. Josua Heschcl Lwow war ein bedeutender Gelehrter. Sein Responsenwcrk „Pcne Lebana", das er in seinem in der RGA-Sammlung „Or ha-Jaschar" Bl. 71 gedruckten Gutachten erwähnt und das auch Josef Steinhardt (Moschbir Bar, Bl. 51) kannte, ist ungedruckt geblieben. Ob es noch handschriftlich vorhanden ist, weiß ich nicht. In den Handschriflenkalalogen der bedeutendsten europäischen Sammlungen habe ich es vergeblich gesuchtJ). Aus dem erwähnten in Orha-Jaschar erhalten gebliebenen von Mittwoch abends, 29. Tischri 528 21. Oktober 1767 datierten Gutachten erfahren wir, daß er damals im ungefähren Alter von 75 Jahren stand. Seine Geburt fällt demnach in, das Jahr 1692. Daraus geht hervor, daß er ein Sohn Ahron Lwows aus erster Ehe (vgl. dazu Wachstein, Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien II, S. 346—347) ist. Beim Tode seines Vaters zählte er im ganzen zwanzig Jahre und konnte naturgemäß dem Vater nicht sofort im Trierer Rabbinate folgen. Um diese Zeit war er Rabbinatsassessor in Metz (vgl. Or ha-Jaschar 1. c), wo der Vater seiner Frau Meile, Isak Ahron Worms, Rabbiner war (Löwenstein, Geschichte der Juden in der Kurpfalz, S. 99). Das Rabbinat in Trier dürfte er 1722 angetreten haben. Daß er 1 737 dort war, ersehen wir aus seiner Bemerkung (Or ha- Jaschar 1. c.) über eine von ihm während seiner Trierer Wirksamkeit vor mehr als 30 Jahren geführte Korrespondenz. Von 1749 bis zu seinem Tode war Josua Heschcl Lwow Landrabbiner des Ansbachschen Kreises in Schwabach. Vgl. Haenlc, Geschichte der Juden in Ansbach, S. 124. Ahron Lwow, der Vater Josua Heschels, war seit etwa 1692 Rabbiner im Elsassischen. Über seine Persönlichkeit, sonstige Deszendenz sowie über seine 1700 erfolgte zweite Verehelichung, die ihn mit einem der hervorragendsten Gelehrten der Zeit, mit Gabriel Eskelcs, in verwandtschaftliche Berührung brachte, vgl. das Nötige Wachstein 1. c. und Grabschriften des 1) [Vgl. cod. Merzbacher 113, ein anderes Exemplar in Frankfurter Privatbesitz.] Fr. Von Bernhard Wachslein, Wien alten Judenfriedhofes in Eisensladt, S. 122, n. 4. Der ihm im Mcmorbuche gewidmete Nekrolog sagt ihm nach, daß „er von Jugend auf sich der Lehre Gottes gewidmet, viele Schüler ausgebildet, ein offenes Haus geführt, die Interessen armer Gelehrter geschützt, den Frieden geliebt, den Mächtigen und Einflußreichen nicht geschmeichelt und die ihm in den letzten neun Monaten seines Lebens auferlegten Leiden mit frommem Sinn (in Liebe) getragen hat". Von Moses aus Lemberg, dem Vater Ahrons, wissen wir nichts. Aus dem Titel, der ihm beigelegt wird, können wir nur ersehen, daß er dem Gelehrtenstandc angehörte. Mit dem Herkunftsnamen Lwow, den die Deszendenz führt, können wir naturgemäß in Lemberg selbst nichts ausrichten. Wir haben die Abstammung von Karl Marx bis zum Stammvater der Lwow ins 17. Jahrhundert hinein mit mathematischer Gewißheit verfolgen können. Nun wollen wir sehen, ob wir nicht Spuren finden, die es uns ermöglichen, einen Weg noch weiter hinauf zu bahnen. In dem in dieser Studie oft erwähnten Gutachten zitiert Josua Heschel Lwöw, Bl. 72*>, 73^ und 75b den Krakauer Gelehrten Josef b. Gerson ha- Cohcn, den Verfasser der RGA „Schcerith Josef", und nennt ihn bei dieser Gelegenheit seinen Ahnen. Auf Blatt 77b benennt er den berühmten Gelehrten Meir Katzenelnbogen (maharaM Padua) mit derselben Bezeichnung „sekeni". Auf B1.7 1a wird als Verwandter (s"tl' ) der Amskrdamer Rabbiner Saul, der damals noch am Leben war, erwähnt. Vom letzten, einem Urenkel des berühmten Gelehrten R. Heschel, wissen wir, daß er zur Generation der Katzenelnbogen gehörte (vgl. die Nachweise bc; Wachstein II, S. 359 et passim), wir haben es also mit drei Familien zu tun, die einander durch Verschwägerung näher getreten sind. Dieser Fall kann zunächst bei den Katzenellenbogen und Cohen konstatiert werden. Meir Katzenellenbogen, der berühmte Rabbmer und Vorsteher der talmudischen Hochschule in Padua, gestorben daselbst 1565, hatte einen Sohn Samuel Juda, der dem Vater in den Ämtern nachfolgte, gestorben 1597. Ein Sohn des Samuel Juda war der weitbekannte Saul Wahl-Katzcncllenbogen in Brest-Litowsk, den die Sage ob seines großen Einflusses eine Nacht lang König von Polen sein läßt. Sauls Sohn war Meir, Rabbiner in Brest-Litowsk. Neßla, eine Tochter Meir Wahl-Katzcncllenbogens, heiratete Moses Cohen, Rabbiner in Luck in Polen. Der Vater des Moses war Pessach, dieser ein Sohn des Tanchum. Tanchum hinwiederum war der Sohn Josef b. Gerson Cohens, des Verfassers der Responsensammlung „Schcerith Josef", gestorben als Oberhaupt des Lehrhauses in Krakau 1591. Nachkommen aus der Ehe der Neßla geb. Katzenelnbogen mit Moses Cohen hätten demnach zu Ahnen die beiden berühmten Männer: Meir Katzenelnbogen und Josef Cohen. Nehmen wir nun an, daß eine Tochter von Moses und Neßla die uns unbekannte erste Frau Ahron Lwows war, so konnte Josua (Fortsetzung und Schluß) FIcschcl beide Männer als Ahnen bezeichnen. Chronologisch läßt sich, wie dies aus der beigegebenen Skizze ersehen werden kann, dagegen nichts einwenden. Möglich ist allerdings auch, claß diese supponierte Tochter die Frau des Moses in Lemberg ist. Wie dem auch sei, die Angabe eines Mannes vom Range des Josua Heschel Lwow selbst zu bezweifeln, liegt kein Grund vor. Haben wir nun einmal die Tatsache festgestellt, daß Karl Marx ein Nachkomme des maharaM Padua ist, so können wir die Stufenleiter der Generationen noch weiter hinaufklettern. Wir wissen nämlich, daß Chana, die Ehefrau Meir Katzenellenbogens, gestorben 1564, eine Tochter des Abraham ha-Levi Minz, gestorben etwa 1525 als Rabbiner in Padua, war. Der Vater Abrahams, Jehuda b. Elieser ha-Levi Minz, eine der ersten Koryphäen sowohl der deutschen als der italienischen Juclcnheit, geboren etwa 1408, hatte die deutsche Heimat infolge der in der Milte des 15. Jahrhunderts ausgebrochenen Verfolgungen verlassen und kam etwa 1456 nach Padua. Jehuda Minz beschäftigte sich auch mit wissenschaftlichen Problemen und soll sogar eine Lehrtätigkeit an der Universität in Padua entwickelt haben. Sein Bildnis ist im Stiegenraum der Universität mit einer ihn ehrenden Inschrift angebracht (Ncpi-Ghirondi, S. 122). Er starb im Alter von 100 Jahren etwa 1508. Fünf Tage später starb ein anderer berühmter Emigrant in Venedig und fand seine letzte Ruhe in Padua in der Nähe Jehudas, Don Isak Abravanal, der fruchtbare Schriftsteller und Finanzminister Ferdinand des Katholischen. Die Gräber sind nicht mehr erhallen. Die Namen der beiden italienischen Ahnen von Karl Marx halten die Erinnerung wach an die beiden deutschen Gemeinden, Katzenellcnbogen in Hessen und Mainz1), die Stadt am Rhein. Einige wenige Nachweise seien hier beigegeben. Bei der Notoriclät der Gelehrten aus den Häusern K. und M. kann ich mich auf die Quellen für die genealogischen Aufstellungen beschränken. Für die Verschwägerung Cohen- Katzcnellenbogcn vgl. Vorwort zu Pi Schenaim, Altona 1735, und Edelmann, Gcdulath Saul. London 1854, Bl. 24h. Die Grabschrift Josef b. Gerson Cohens zuletzt bei Friedberg, Luchot Sikaron, S. 4, für die Gencrationsfolge s. Dembitzer, Kclilath Jofi I, 7°, Anmerkung. Die Grabschriften der Familie Katzenelnbogen von Luzzatto korrekt in Kochbc Jitzchak XV, S. 14 bis 16, und bei Edelmann 1. c., S. XII—XIV veröffentlicht. Die Quellen zu Saul Wahl siehe bei Wachstein II, S. 360, Note. Zu Katzcnellenbogen-Minz s. Wiener in Eisenstach, Da'at Kedoschim Anhang „Pessak ha-Chcrcm" sowie dortselbst S. 42 ff., 63, 82 ff. Eine andere noch jetzt in Dänr4f;:-:nk blühende Deszendenz Minz- Katzenellenbofe-n erschloß Josef Fischer in seinem J. C. E. Michaelsen og Huslrus Forfaedre, Kopenhagen 1913. 1) "rr ist sicher in alter Zeit Menz gelesen worden, wie j überhaupt e durch ' größtenteils transkribiert zu werden pflegt. Belege für Menz, Mentz in alter Zeit s. Östcrley, Hist.-geogr. Wörterbuch des deutschen Mittelalters, S. 422. In der beigefügten genealogischen Skizze ist der Name, weil in der Literatur so eingebürgert, mit „Minz" wiedergegeben.

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