Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 1 (1923)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Aus dem Buche der Narrheiten
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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23 MENORAH ut*S« KLEINEN AUS DEM BUCHE DER NARRHEITEN Il'fc die Chelmer den Mond fangen wollten! In Chclm wurde an jedem Donnerstag Markt abgehalten. Einmal, als der Markt schon zu Ende ging, standen mehrere Chclmcr Kauflcute beisammen und klagten über die Mühen eines solchen Tages. ..An jedem Donnerstag dieselbe große Arbeit!" jammerte auch der Müller, der am Markt Getreide einzukaufen pflegte. „Wenn man doch nur an einem einzigen Donnerstag rasten könnte. Aber das ist eben unser Unglück, daß bei uns in Chclm der Sabbath noch nie auf einen Donnerstag gefallen ist." ,,Ja, ja," stimmten die andern traurig bei, ,,cias ist ein Unglück, daß niemals an einem Donnerstag Samstag ist." ,,Und wißt Ihr", sagte der Kuhhändlcr, „woher unser Unglück kommt? Der Mond ist an allem schuld! Habt Ihr in den letzten Monaten, wenn wir das Gebet über den Voll mond verrichteten, ihn auch gesehen! Immer hat er sich, um uns zu ärgern, schnell versteckt!" Die Chclmcr sind nämlich fromme Leute, und, wie alle frommen Juden, verrichten sie in einer Vollniondnacht des Monats ein Gebet im Freien, um den Moncl, nach dem die jüdischen Monate gerechnet werden, zu begrüßen und zu ■egnen. „Was kann aber der Segen über den Vollmond nützen, wenn man diesen nicht sieht?" fuhr der Kuhhändlcr in seiner Rede fort. „Drum müssen wir ihn einmal in einer hellen \ ollmondnaclil fangen und immer bei uns behalten. Ihr sollt schm, wie uns dann alles glücken wird!" Die anderen Chclmcr schwiegen vor Staunen, denn so klug und gelehrt hatten sie noch selten jemanden sprechen gehört. „Und wir könnten ihn sehr leicht fangen", meinte der kluge Kuhhändlcr. „Ich habe nämlich den Mond genau beobachtet, und dabei bemerkt, daß er allnächtlich knapp über den hohen Berg hiuwegzicht." „Ja, dort können wir ihn laugen!" riefen alle /Zuhörer begeistert. Schon am nächsten I ag wurde eine grüße Versammlung abgehalten, in der beschlossen wurde, den Mond gefangen zu nehmen. Aber niemand wagte es, die Ausführung dieser Heldentat zu übernehmen. Der eine fürchtete, der Mond könnte ihn verbrennen, der andere, der Moncl könnte ihn l'cifcn, der dritte wieder glaubte, der Mond wäre stärker als er und würde ihn mit sich übci den Flimmcl ziehen. Es blieb daher nichts anderes übrig, als zwei Männer zu bestimmen, die den Mond fangen mußten. D'c Wahl fiel selbstverständlich auf David, den Wächter (Poli/.eimann), und Samuel, den Schammes (Tempeldiener). Einige Tage später wurde auf dem Berge ein hoher Hoizpfahl eingerammt, auf dem der gefangene Mond angenagelt werden sollte. Am nächsten Vollmondabend standen dann rechtzeitig David und Samuel neben dem Monclpfahl. Sic trugen jeder eine hohe dicke Stange in den Händen. Zwischen den beiden Stangen war ein großes Netz gespannt, in welchem sich der Mond fangen sollte. Wie schwitzte der kleine, dicke David, wie zitterte der lange, magere Samuel vor Angst. Und unten in Chclm war Groß und Klein versammelt und blickte voll ängstlicher Erwartung zum Berg empor. Endlich ging der Mond auf. Plötzlich mußte Samuel, der Schammes, heftig nießen. und unwillkürlich ließ er die Stange los. Sic stürzte um und riß das Netz, die zweite Stange und den dicken David mit zur Erde. Dieser übcrpurzclle sich zweimal, aber sonst ist ihm nichts geschehen. Bald standen die beiden Mondjäger wieder tapfer mit ihrem Netze da. Es währte nicht lange, da sahen sie endlich ein, daß der Mond zu hoch über ihren Köpfen stand, und so stiegen sie unverrichleter Dinge den Berg hinunter. Die Chelmer wollten ihnen nicht glauben. „Wir haben doch selbst gesehen," sagten sie, „daß der Mond auch heute wieder knapp über dem Berge stand." „Das kann aber nur," meinte Samuel, der Schammes, „in dem Augenblick gewesen sein, .vis ich nießte, und David niederfiel. Daun aber stic« der Mond so hoch auf den Himmel hinauf, weil er sich vor uns fürchtete!" Seit dieser Zeit sind alle Chelmer stolz darauf, daß der Mond aus Furcht vor ihnen so hoch am Himmel einherzieht. Aber noch heute haben sie das große Unglück, daß in Che Im niemals an einem Donnerstag Samstag ist. To he contituied I'ortselzufnl-t) RÄTSEL Errate mir das Wesen doch, Das in der Bibel steht, Es hatte einen klarem Blick Als Moabs Scheinprophel. Es soll, wie eine Sag' erzählt, Uns einst Messias bringen, Ist auserwählt, wie du nun siehst, Zu allerhöchsten Dmgcn. Is! es ein Wesen hochgeehrt? Dies ist lürwahr nur Schein. Ich weit' mit dir viel tausendmal Du wollt'st es doch nicht sein. S. A. ONKEL BEN NATHAN SAGT DIR WAS! SIMCIIAT1 I-THORA KOMMT! I last du dir schon ein l ähnlein gemacht? Ein rechter Bub und ein rechtes Mädchen macht sich so etwas immer selbst. Es ist auch gar keine Kunst, aus weißem und blauem Glanzpapier eine kleine Fahne zu kleben. Auch ein gewöhnliches Flechtblalt kannst du zur Fahne nehmen. Wenn du ein bißchen geschickt bist, wirst du auch ohne Vorlage ein Magen David hineintlechten können. Übiigcns darfst du die Fahne machen, wie du willst, nur schön soll sie sein. Besonderlustig sieht es sich an. wenn du auf die Spit/e deiner I'ahne einen kleinen roten Apfel setzt, in welchen du oben eine Kerze steckst. Mit deinem lähnchen gehst du dann am Sinichalh-Thoraabend. wie die anderen jüdischen Kinder, >n den I empel. Dort sind an diesen: Abend alle Leute fioh gestimmt. Denn heute hat die Thora Geburtstag; sie wird nämlich wieder \on \oine zu lesen begonnen. Dal; man dann an jedem Sanistag ein weitere Stück der Thora vorliest, il.i.s sage ich dir nicht, denn da weißt du ja ohnehin selbst. AUFLÖSUNG DES RÄTSELS DIESER NUMMER Ein Esel. De, falsche Pu.phel der Moabite. war Bileam. welcher den Engel nicht sah. Nach einer Sage wird Messias auf einem Esel reiten, und daß Du kein Esel sein willst, dürfte wohl auch richtig sein. S. A.