Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 1 (1923)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Lösung des Problems ; ...
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 1)
- Language
- German
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19 M E N O R A H W. BERNHARD Folkloristisches Allerlei 9. LÖSUNG DES PROBLEMS. Ein Jcschiwa-Bachur, in ein Modejournal verlieft, eine Abbildung, darstellend einen Mann mit Hut und Handschuh bekleidet, besonders fixierend und verwundert ausrufend: „Is Winter, wus hot er eppes a Kapelitsch1), is ober) Sümer''), "\vus hot er sich ungelhoun4) Henitschkes?r') — — — Lejolem") taky7) es is Sümer ün derwal") hot er taky a Kapelitsch; uj wus lojgcn") ihm die Hcnilschkes? Er i s g'g äugen Kropo w y"') rafien"). ') Hut. Im Winter trägt man eine Mütze. '-') aber. :l) Sommer. 1) bekleidet. r') Handschuh. '') /.weifellos, muß von jedem zugegeben werden. ') Beteuerungsausdruck. ") und deshalb. ") taugen. "') Brennessel. ") reißen, pflücken. 10. VORSICHT. ( l heaterberichl eines polnischen Juden.) Ich bin gekomen ken Wien, eppes a Städtel dus Wien!! .Hob ich mir gekojft a Billet in Tejater heran. Hot sich gethin of) der Vürhang im senen herausgekimmen viel Mcntschen ün hoben gcschmief.it-') ün gesüng'n ün gejohlt. Plitzim:!) sennen sie alle weg ün gebliben is nur ejnir allejn. Un der ejncr hot ungehojbcn zu reden zu sich, g'red ün gebesert1) ün gesifzt, hob ich bekomen a grojß Pachad"'), cfscher") is der Mcntsch meschüge') gewoven un wer wejß, wus a Mcschügcner ken unmachen*). Aber b'ssoch kedc diber") senen vün anandnerer Tür a kimm haran a Man un* a Frau un' a Seiner1") un m* hot sich eppes oungehojben zi werden") ün bald taky fest zi krigen'1'). Ün wi 'ch hob gesen, as der Seiner chappt sich schojn un bam Schwert hob ich ba mir getihn a Klcr,;1): An elender1*) bistu, a Pasa hosti nischt, bald wet men dich noch schleppen als Zeugen, hob 'ch g'chappt die Füß af die Plejzis1"') un bin awek. ') aufgetan. '-') gesprochen. :i) plötzlich. ") zornig, erregt gesprochen. ') Schrecken. (i) vielleicht. ') verrückt. *) anrichten. ") Im Nu. '") Soldat. ") sticheln. '") zanken. 1:I) mir gedacht. 11) elend — ohne Familie, allein ohne Verwandte. '') Schultern, Rücken. 1 I. DER GRUND FÜR EINE KA¬ LENDARISCHE UMSTELLUNG1). Ephraim Grejdinger, der bekannte Witzbold, war in seinem Privatleben Händler, versteht sich ein Mann, der mit allem handelt. Eines schönen Tages hat er eine Partie Wachs erstanden, die er aber nicht an den Mann bringen konnte. Als weitsehender Kaufmann sann er auf ein neues Absatz- |i^J: ^^'! ^M m 11;; ,■ i ^i i m ) ^:,; i ^^■;. i r ^■, ^J j i r r i1;1,;;,; j; i; ■; ■. :1! ■ ■, ,■::;;. i ■ i; t: i i %35eatrix6ad'%; Wien, III., Linke Bahngasse 9 — Toi. t50; Dampf- und Wannenbäder — Schwimmbad Kuranstalt — Elektrotherapie — Massage Höhensonne usw. unter ärztlicher Leitung; Geöffnel von Mittwoch bis Samstag 5 H: von 8 — 5, Sonntag von 7—12 Uhr; Ii n! i n 11 n [ ^!i i n i 111 j 11 i 11, i j 11.....i m : i ■,: i i i: 11 ■ i i i l , m m :1 m , s i: i. i i l 11; i i i,! m i; :r.! i, i 11, i; i; rF-r^ gebiet und richtete sein Augenmerk auf die berühmte Kehilla Chelm1'). Dort am 5. Tamus angekommen und von den Chclmern aufs freundschaftlichste aufgenommen, tat er sehr eilig, da er übermorgen zu Jörn Kippur bei Frau und Kind weilen möchte. Als die Chelmcr hörten, daß Jörn Kippur, der nach ihrer Rechnung erst nach drei Monaten erwartet wurde, heuer so früh fällt, wurden sie von einem Schrecken befallen, da sie in ihier Sorglosigkeit weder für Wachs noch für 12. DIE VERDÄCHTIGE RESTAURATION. Auf eine Restauration in Karlsbad mit großen -'S: -Lettern wendete der Beizer Zadik das Psalmwort an. :n k'j'C l) Ps. 68, 7; c^-T.s in dieser Deutung schon Leviticus Rabba, Cap. 22, ähnlich auf einen Dr Rabbiner: Math assirim. fjfgik - 'i^CS^*~ J. Kalich einen Vorbetcr vorgesehen hatten. Unser Reb Ephraim hat ihnen glücklicherweise mit Wachs dienen können, so daß alle nötigen Kerzen daraus verfertigt werden konnten. Er tat noch mehr, indem er sich selbst als Vorbeter ihnen zur Verfügung stellte. Nach drei Tagen war ganz. Chelm in der Synagoge versammelt, andächtig dem Vorbeteilauschend, den ihnen Goit in ihrer Not geschickt hatte. Es traf sich nun, daß an diesem selben Tage ein Landsmann des Reb Ephraim nach Chelm kam, und da er niemand auf der Gasse traf, den Weg in die Synagoge nahm. Als der Vorbeter zu seinem Schrecken seinen Landsmann, der auf den Namen Chajim hörte, erblickte, rezilieite er den Chelmern folgenden Pijjul:1), den sie andächtig nachbeteten: Sciudim alejchcm Reh Chajim. ani umarli Jörn Kippur hajim, nwcharti Schaivu hlfiflc K\fiajim, Ixajoin )[aan, tnuchor ivajhvrach. chuzi schell wc hu zi scheloch. — Kudojsch!*) ') Diese Geschichte ist von Olswar seiner schätzbaren Sammlung „Rosinkess mit Mandeln", Nr. 279, aufgenommen. Die nochmalige, etwas abgeänderte Wiedergabe hier wegen der mehr sachgemäßen Fassung der Ansprache Ephraims an seinen Landsmann. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daf.i Nr. 1 bei Olswanger Nr. 182 und bei Drujanow "r*"." 'Z Nr. 624 mit anderer Pointe sich findet. Nr. 2 ist bei D. Nr. 226 und Rawitzki, ]W" Vw>-" Nr. 368. Nr. 5 findet sich in anderer Fassung bei D. Nr. 305. Allo drei Sammlungen kamen erst jetzt in meine Hand. ■) Cholm in Polen erfreut sich des Rufes eines jüdischen Abdera.;!) Liturgische Piece in Reimen. *) Friede über Euch, Rabbi Chajim, ich habe gesagt, daß heute Jörn Kippur ist. Ich habe Wachs um einen vielfachen Preis verkauft, heute hier, morgen das Weite suchend, die Hälfte mir, die Hälfte dir. O Heiliger. Das letzte Wort Refrain in vielen liturgischen Stücken am Rosch ha-Schana und Jörn Kippur.