Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 1 (1923)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Spaten
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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18 MENORAH For our Little ones / Für unsere Kleinen Die Spaten Ein Lag b'omer-Märchen. Wo es in der weiten Welt jüdische Schulen gab, zogen die Kinder mit ihren Lehrern ins Freie hinaus, denn heute war Lag boracr, das frohe Schülerfest. So stiegen denn auch die jungen Zöglinge einer Ackerbauschule in Palästina singend einen Berg des Libanongebirges hinan. Einige der Schüler hatten aus halben Holzreifen und einer Schnur verfertigte Bogen und aus hartem Schilfrohr geschnitzte Pfeile bei sich. Auch der fünfzehnjährige Josua trug einen Bogen. Doch dieser war aus Horn gebildet und seine beiden Enden waren durch eine harte, vertrocknete Sehne miteinander verbunden. So alt, wie der Bogen, schienen auch die eisernen Pfeilspilzen zu sein, die Josua besaß. Er hatte sie, wie es einst die Juden machten, an Schäften aus Schilfrohr befestigt. Der Knabe konnte seinen Freunden, welche diesen Bogen sehr bewunderten, nicht sagen, woher dieser stammte. Nur soviel wußte er zu erzählen, daß die alte Waffe sich schon seil Jahrhunderten in seiner Familie forterbte. Auf dem Berge tollten die jungen Burschen lustig umher, und wer einen Bogen besaß, s:hoß in die Luft. Doch Josua wußte seit langem, daß die vertrocknete Sehne seiner Waffe nicht mehr brauchbar war, daher wollte er diese ins Gras legen, und sich von einem seiner Kameraden einen hölzernen Bogen leihen. Als er dabei die Sehne zufällig ein wenig berührte, begann sie leise zu summen. Josua war sehr erstaunt darüber, daß sie so plötzlich wieder elastisch geworden sein sollte. Er zog daher heftig an ihr. Nun aber summte sie BERUFSWAHL (Josef ist ein kleinerer, Nathan ein größerer Junge) Josef: Zuckerbäcker möcht ich sein, Dies ist doch das Beste. Nathan : Ach, da gibt dir ja dein Herr Nur verbrannte Reste! Josef: Predigen wie ein Rabbiner Fiele mir gewiß nicht schwer; Doch am liebsten würd' ich Lehrer! Nathan (hebt warnend den Finger): Du, die Buben ärgern sehr! Josef: Auch der Doktor, Autolenker Haben 's schön auf Erden. Nathan: All dies freut mich längst nicht mehr! Josef: Was willst denn du werden? nicht mehr, sondern sie sang, und Josua konnte ihren Gesang verstehen. „Hier, im Libanongebirge," sang die Sehne und mit ihr der ganze Bogen, „bin ich schon in meiner frühesten Jugend gewesen. Damals hielten die Juden, die sich unter Bar Kochbas Führung gegen die Herrschaft der Römer auflehnten, in diesen Bergwäldern ihre militärischen Übungen ab. Hier bin ich wieder jung! Bitte, schieße mit mir! Sdiieße aber zum Himmel empor, damit die rostigen Pfeilspitzen nicht einen deiner Freunde verletzen!" Josua konnte seinem Verlangen nicht länger widerstehen, und er schoß mit seinem alten Bogen einen seiner alten Pfeile in die Luft. Dieser stieg immer höher und höher, so daß ihn Josua und seine Freunde bald nicht mehr gewahren konnten. Plötzlich aber sah man einen rotgoldenen Lichtstreifen am Himmelsgewölbe. Es öffnete sich ein Ritz, und eine große Hand kam hervor. Aus ihrer Bewegung erkannte man, daß sie den Pfeil auffing. Die jungen Ausflügler waren erstaunt und erschrocken. Josua aber rief erfreut: „Die Engel im Himmel wollen meine Pfeile!" Rasch schoß er einen nach dem andern empor, und alle wurden von der großen Hand gefangen. Auch die Besitzer der Spielzeugbogen schössen, nachdem sie sich von ihrem Staunen erholt hatten, ihre Schilfrohrpfeile zum Himmel hinauf. Keiner kam wieder herab. Als alle Pfeile verschossen waren, schloß sich die große Hand. Bald aber öffnete sie sich und verschwand. Zufällig stieß Josua in diesem Augenblick an die Sehne seines Bogens. Da sang sie: „Die Nathan: Lange hab* ich nachgedacht, Und ich überlegt es gut, Daß ich wrohl am liebsten würd' Heute noch ein alter Jud. Josef: Wie kann man so dumm nur reden! Alt wird man erst mit der Zeit! Nathan : Nein, ich will nicht graue Haare, Bin genau wie du gescheit! Kennst du nicht den König David, Der die schönen Lieder sang Und den Makkabäer Juda, Der das Schwert so tapfer schwang? Damals war der Jude fröhlich. Häuschen, Acker waren sein! Ich würd' gern ein alter Jude, Weißt du jetzt schon, was ich mein? Josef: Und ich will es gleichfalls werden, Doch ich hoff, es ist dir recht, Wenn ich auch als alter Jude Zuckerbäcker werden möcht. S. A. Waffen kommen, mit denen man jetzt ein Land erobert." Und sogleich fielen ebensoviele eiserne Spaten zu Boden, als Pfeile emporgeschossen worden waren. Die Jünglinge und ihr Lehrer konnten sich zuerst vor Schreck und Verwunderung kaum bewegen, dann aber stürzten sich alle jubelnd auf die Spaten. Es waren aber deren soviele vorhanden, daß jeder Schüler, außer dem Spaten, den er sich selbst behielt, noch einige mit heimnehmen konnte, die er dann unter seinen Freunden verteilte. Und nun stechen und graben diese Spaten in allen Orten des heiligen Landes die Erde um, und bereiten sie für die Saat vor. Wo sie arbeiten, dort gehört das Land wieder den Juden. S. A. * Lag b'omer Vor nicht ganz 1800 Jahren, als die Juden sich nicht mehr von dem mächtigen römischen Reich beherrschen lassen wollten und zwei Jahre lang um ihre Freiheit gekämpft hatten, dann aber besiegl worden waren, lebte ein berühmter Gelehrter, Rabbi Akiba. Der hatte viele, viele Schüler, und eine Sage erzählt sogar, daß es 30.000 gewesen seien. Das waren aber keine kleinen Knaben, sondern Jünglinge und Männer, und manche von ihnen galten selbst schon als Gelehrte. Einmal aber, wohl infolge des Krieges, brach die Pest aus. Damals starben täglich mehrere Schüler Akibas, bis endlich am 33. Tage zwischen Pessach und Schebuoth niemand mehr verschied. Deshalb wird dieser Tag noch heute als Schülerfest gefeiert. UNSER BRIEFKASTEN Der Lehrer erzählte vom ersten Menschen. Da fragte der kleine Simon: „Bitte, Herr Lehrer, woher wissen Sie das alles?" „Ich bin dein Lehrer", antworetete dieser, „und erzähle es dir. So hat es auch mir, als ich klein war, mein Lehrer erzählt." Simon, der eben erst sechs Jahre alt geworden war, hätte eine andere Erklärung kaum verstanden. In der nächsten Unterrichtsstunde wurde der kleine Simon gefragt: „Wer war der erste Mensch?" „Adam", antwortete Simon, „und der war ein Lehrer." „Warum glaubst du denn das?" „ Er muß es erzählt haben, wie er erschaffen worden ist, sonst könnte es ja niemand wissen." Du lachst wohl nun den kleinen Simon aus, weil es Dir bekannt ist, woher wir über all diese Dinge unterrichtet sind. Solltest Du es aber selbst nicht wissen, dann schreibe an die Redaktion der „M e n o r a h", Wien, I., Fichtegasse 5, für Onkel Ben Nathan. Auch andere Fragen, besonders solche über jüdische Dinge, kannst Du an mich richten, und ich werde Dir in der nächsten Nummer im „Briefkasten" alles beantworten.