Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 1 (1923)
- Issue
- Heft 1
- Article
- The young Generation ; Die junge Generation
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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17 MENORAH The young Generation / Die junge Generation Jugend ist eine Welt und eine Weltanschauung. Zwischen sich und der Welt der Erwachsenen, in die sie allmählich einzudringen strebt, kann sie aber keine festen Grenzen sehen. Jung waren die meisten Träger neuer politischer, literarischer und künstlerischer Richtungen, jung viele Forscher und Erfinder. Diese Welt mit ihren technischen Einrichtungen, ihrer Kunst, ihren Wissenschaften, ihren sozialen und nationalen Kämpfen gewährt weites Feld für Begeisterung und jugendlich leidenschaftlichen Haß. Was in Gutem oder Schlechtem hervorragend ist, es fällt der Jugend auf und fesselt ihre Gedanken. Doch das Kleinliche, die Alltagssorgen, der Geschäftsgeist der Welt der Erwachsenen wurden immer zurückgewiesen und als „philisterhaft" bekämpft. Nicht der tägliche Lebenskampf, sondern das Streben und Vorwärtsschreiten in die Zukunft ist die eigentliche Welt der Jugend. Alles will das Mädchen, der Bursche kennen lernen und erfassen, doch meist gilt sein Streben vorwiegend einer Sache. Ob der eine immer neuen Lorbeer im Fußballspiel oder Turnen und Schwimmen erlangen will, der andere nach der SANG AN KRAKAU Neigsl du dich, Angesicht, Gekrönt mit der Krone des Alters, Tief gefurcht Wange und Stirn, Doch vom Silberbart herrlich umflossen? Leuchtet ihr grüf.icnd zu mir, Ihr kindlich schimmernden Augen Unterm bereiften Laub Der dunkel gewölbten Brauen? Ja, ich fühl dich um mich, Du köstliches Sinnbild Alt-Krakaus, Antlitz der Judenstadt, Umhegt von Einfalt und Frommheit, Alltags schnöde vermummt. Doch enthüllt in Fcicrtagsniichten, Würdige Grcisengcstalt Mit den fein geäderten Schläfen, In verbrämtem Gewand Durch die lauschenden Gassen schreitend, Einzuholen die Braut Aus der Schul in die Sabbathstuben. — — Also sehe ich euch, Ihr zerschundenen Armc-Lcut-Häuschen, Lichtumrankt, licderdurchwirkl Und in heiligem Frohmut feiernd Meisterschaft in Musik, Malerei oder Schauspielkunst ringt und wieder ein anderer sich leidenschaftlich in Physik oder Philosophie vertieft, es ist derselbe jugendliche, meist aber unbewußte Trieb nach Vollendung. Und gleichartig ist in all dem die Jugend aller Nationen. Die Nation und ihre Güter stehen gegenwärtig aller Orten im Mittelpunkte der jugendlichen Begeisterung. Eigentümlich ergeht es da dem jungen Juden. Schule und alltägliches Leben führen ihn in die deutsche, polnische oder englische Kultur ein. Er liebt diese Kultur und lebt in ihr. Doch plötzlich merkt er, daß ihn Mitschüler und manch andrer seiner nächsten Umgebung als fremdnational ansieht und haßt. Es ist nun selbstverständlich, daß die unter solcher Abneigung, solchem Haß leidenden jungen Menschen irgendwie zueinander finden. Zum Freundeskreis der jungen Juden zählen meist fast ausschließlich junge Juden. Es gibt unpolitische Studentenverbindungen, wissenschaftliche und künstlerische Vereinigungen, Sport- und Geselligkeitsvereine, deren Mitgliederschaft durchwegs oder nahezu durchwegs aus Juden besteht. Von Gebresten geplagt, Doch ewig jung in der Seele. — — Also sehe ich euch, Marktplatz und Gäül und Schulhof Und den Wiesenplatz dort An den heitern Ufern der Weichsel. Und schon summt mir im Ohr Der Chor der S c m i r o t h-GesÜnge, Uraltes Sabbath-Gcrät. Von Kerzen umflackert, wird deutlich, Und manch warmer Klang Verklungencr Stimmen ertönt mir. Durch die Meth-GaÜ tollt Der Haufe balgender Buben, Aus jenem Kramladen dort Vcrnchm ich willkommenen Anruf. Weisheil des grof.ien „Ramu" E.in Viertelstündchen zu hören. Heller, greller Diskant Der wimmelnden Weiber am Hschmarkt Die Jugend will alles erfassen, alles nach ihrem Empfinden werten, und so muß, durch solche Umstände veranlaßt, jeder jüdische Jugendliche mehr oder minder bestimmt zum Judentum Stellung nehmen. Zwischen dem innerlich feigen Menschen, der sein Judentum haßt, weil es ihm hier und dort den Lebensweg erschwert, und dem hebräisch sprechenden Burschen, der begeistert zu schwieriger Arbeit nach Palästina fährt, gibt es unzählige Variationen dieser Stellungnahme. Eine völlige Gleichgültigkeit der Tatsache des Judeseins gegenüber kann besonders dort nicht existieren, wo es Feindschaft gegen Juden gibt. Nun erstehen zahlreiche Fragen: Was ist das gemeinsame Streben der jüdischen Jugend oder sollte es sein? Was kennzeichnet das Wesen der jüdischen Jugend? Wofür hegt sie oder sollte sie Interesse hegen? ,,Die junge Generation", eine ständige Beilage der „Menorah", ist dazu bestimmt, daß jüdische Mädchen und Burschen selbst auf diese und ähnliche Fragen Antwoit geben, indem sie über alle sie interessierende Themen schreiben. Ob Aufsatz, cb Belletristik oder entsprechende Zeichnungen, stammt es aus der Seele jüdischer Jugend, so wird es am besten die Altersgenossen über jüdisch jugendliches Wullen und Wesen informieren. S. A. Springt mich jetzt lebensvoll an Und der Betenden Inbrunst Schlägt nun in lodernder Glut An der „Alten Schul"* schwarzes Gemäuer. Dicht gesammelt um mir Ii Stein ihr, blühende Monde der Jugend. Da ich. ein Wandergesell, Lrst 1'remdling. dann Zaungast, dann Binder, Von Freund Zufall geführt. Den wannen Odem der Heimat In deiner Häuslichkeit sog, Geliebtes, ferntrautes Krakau! Und der reifere Mann, Bedrängt von den Stürmen des Lebens, Lauscht verhalten und träumt U'nd breitet in Sehnsucht die Arme . . . Otto Abclcs Aus dem in \ orbereitung befindlichen Buche des Autors: „Die hohe Gass"', ein K r ak a u e r B i I d e rbuc h. gtfflt^^ f f f y^Tf^g Unterm Prachtgczelt Des winterlich stahlblankcn Himmels.-- Also erscheinst du mir, Stadl, Mit den wirren, zerknitterten Gälkhcn Hingekauert am Saum Der stolzesten Königsburg Polens, Arg beschmutzt, verfchmt Und Horl doch heimlichster Schönheit, Arm, doch überreich Durch den Schatz lebendiger Gräber, ^m^ftm^^fj^^' tjtitr tr-tß^mm^m Cracow Zemiroth Ttine Krakauer Semiroth-.Melodie