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Menorah · 1923-01-01 · Heft 1 · p. Seite 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
1 (1923)
Issue
Heft 1
Article
Das Grab des König Salomo
Date
1923-01-01
Page
Seite 16 (sequence 1)
Language
German
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16 Das Telegramm aus Jerus a 1 e m: Eine internationale Gruppe von Archäologen hat neuerdings die Ausgrabungen der jüdischen Königsgräber am Berge Ophel in Angriff genommen. Man hofft, in absehbarer Zeil das Grab des Königs Salomo auffinden zu können. Im Jenseits erhob sich schadenfroh Ein tausendstimmig Gekicher, Der weise König Salomo Sei seines Totseins nicht sicher. Die tausend Weiber, die er besaß Aus Asien und Ägypten, Sie machten sich den himmlischen Spaß, Zu spotten des Vielgeliebten. Sie nahmen sich vor den Mund kein Blatt Und lachten des Königs verwogen, Besonders die vielen, denen er hat Die wenigen vorgezogen. Die Schadenfreude der Frauen war rein, Als sie die Botschaft vernahmen, Er werde bald ausgegraben sein, Gleichwie der Tutankhamen. So manche dem König ins Gesicht Zu sagen sich erdreistet, Die ewige Ruhe verdiene nicht, Wer irdisch zu wenig geleistet. Auch and're aus dem Weiberheer Wagten den König zu necken. Sie fragten: ,,Was wirst du tun, o Herr, Wenn sie dein Grab entdecken?" Er sagte ihnen: „Als Liebesbeweis Eins meiner Geheimnisse nenn' ich: Gleichwie ich die Sprache der Vögel weiß, Auch die der Grab forscher kenn' ich. M E N O R A H Grab des Königs Sa Wenn also der Archäologenverein Es wirklich wollte wagen, Ans Licht zu fördern mein Gebein, Dann würde ich folgendes sagen: Sprecht, wozu soll ich überhaupt Dem Grab entrissen werden? An einen weisen König glaubt Ja niemand mehr auf Erden! Die Kinder lernen zu ihrer Qual, Was ich der Welt gewesen, Die Alten sollten wieder einmal Das Buch der Könige lesen. Ich war im Leben ein Pazifist, Ein Feind von blutigen Kriegen, Der eurer Zeit nicht gewachsen ist. . . Ich bitte euch, laßt mich liegen! Ich hatte, die Rechnung stimmt im Buch, Mir tausend Weiber genommen, So bin ich allmählich auf den Spruch: .Alles ist eitel!' gekommen. Sagt, wer vermöchte im heutigen Staat Von Weibern, jungen und alten, Und wär er der größte Potentat, So viele auszuhalten? Und die Juristen im Weltenrund, Sie lächelten alle ironisch, Wenn wieder spräche mein Richtermund Ein Urteil, salomonisch. Und wollte ich bauen ein Gotteshaus, Wie einst in glücklichen Tagen, Ich dürfte kein Steinchen heben aus, Ohne erst England zu fragen. Dem Weisen bietet der Erdenstern Nichts weiter als Mißvergnügen, Bedenkt das wohl, ihr gelehrten Herrn . . . Ich bitte euch, laßt mich liegen! Ttt omo Käm heute aus Saba die Königin, Die Freundin von Rätselspielen, Ich spielte nicht mit, ich ließ sie ziehn Mit sehr gemischten Gefühlen. Und wollte sie mich beschenken zuletzt Mit Werten, noch so pompösen, Ich riefe: ,Ade, die Welt hat jetzt Ganz andre Rätsel zu lösen!' Kein Lebewesen ermißt den Verdruß Und meine himmlischen Wehen, Wenn Archäologen mit einem Fuß In meinem Grabe stehen! Schon ahne ich, wie viel Staub am End Die ganze Affäre emporwirft, Und wie man das alte Testament Mir schließlich auch noch vorwirft. Schon raunt man, daß das Hohe Lied, Das aller Dichtungen Zier ist (Weil mich die Sache mit Sulamith Kompromittiert), nicht von mir ist! Man wird in derben Versen mich schmähn, Als wär ich ein Mitglied der Börse; Ich dichtete Prosa und danke schön Für Gummiknüttelverse! Ihr Herrn laßt liegen mich unberührt So lange in meiner Truhe, Bis mich Beer-Hofmann hat dramatisiert, Dann habe ich ewig Ruhe." * So sprach der König Salomo, Und seine tausend Sklaven, Sie kicherten nimmer schadenfroh Und legten sich schmollend schlafen. Julius Bauer ^Jewisf) ZProverös / ^Jüdiscße Spvücßwövter Leg nit ub auf morgen, wus dü kenst heint besorgen. Ubgerechnet is halb bezuhlt. Zehn rneil fün Odess brennt dus gejhenojm. Dus, wus is aweggegangen, kümt schojn nit zürik. Nit itlicher, wus sizt ojben-un is a pan. Gold ün silber lost men schtehen, as der Ojberschter hejsst zü sich gehen. Aus die ojgen — aus dem harzen. Dus ojg is klejn, ün doch seht es die ganze Welt. Er bit aus die tochter, wie sauer bier. * Men sol ales zürn güten auslegen. * Mit der zeit lernt men a ber auch aus tanzen. * Beim auskehren die schtüb gefint men ales. * As men ken nit iberharen dus schlechte, ken men dus güte nit derieben. An ejdem in schtüb, is a ssojnej in schtüb. Sej hoben sich bejde lib — er sich, ün sie sich. Hob mich wenig lib, nur hob mich lang lib! A fremder nar is a gelechter, an ej gener is a schand. As der mensch falt, sugt afilü die schpin auf der wand auch ejdüss gegen ihm.

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