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Neue jüdische Monatshefte · 1920-03-10 · Heft 11-12 (10.3.1920) · p. Seite 273

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 11-12 (10.3.1920)
Article
Joseph Budko
Date
1920-03-10
Page
Seite 273 (sequence 2)
Language
German
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273 Hagadahradierungen (das Eingangsblatt ausgenommen), manche Ex Hbris und Illustrierungcn. Wie bei diesen Dingen, wo es auf eine besonders geschickte .Raumausnützung ankommt, so bemüht er sichauch da, wo er reine Bildprobleme bearbeitet, durch Anwendung des Prinzips, durch das er jene Kunst meistert, Wirkungen zu erzielen. Und er erreicht dabei eine oft überraschende Lichtwirkung, die jedoch meist gewollt erscheint. Man wird den Eindruck nicht los, dass diese r— auf den ersten Blick vielleicht besonders anziehenden — Momente auf einer jnneren Unsicherheit und einer fehlenden letzten Durchdringung und Gestaltung des künstlerischen Problems im allgemeinen und des Schvrarz- Weiss-Problems ,im besonderen beruhen. Ueberliaupt muss man 'sagen, ,dass seine überaus entwickelte Technik, die mit den verschiedensten Mitteln moderner Graphik arbeitet, ihn leicht zu verleiten scheint, auf dem Wege der rein äusserlichen Wirkung mehr zu tuen als wünschenswert wäre. Und es ergibt sich, dass die Technik vielfach droht, sich Selbstzweck zu werden anstatt nur selbstverständliches Mittel zur Bewältigung der jenseits des Technischen liegenden Probleme zu sein. Dass ßudkö in diesen Fehler, der typisch ist für gewisse Vorgänge innerhalb der künstlerischen Kulturen vieler Zeiten und auch als hervorstechendes Kennzeichen unseres gesamten modernen Lebens gelten kann, verfällt, ist aus diesen Gründen und seinen anfangs erwähnten Besonderheiten heraus zu verstehen, wenn auch nicht zu billigen. In diesem Zusammenhang wird das klar, was eingangs angedeutet wurde: das nicht genügende Hervortreten und Herrschen des eigentlich Elementaren. Würde Budko schon von diesem beherrscht sein, so könnte z. B. nicht eine Arbeit entstanden sein Wie der Tod Mosis; ein Bhttf das zwar durch seine anschauliche und reizvolle Wirkung auffällt, das aber deutlich das Ueberwuchern der überaus geschmacklichen intellektuellen Auffassung zeigt. Wir rühren ja hier an das wohl tiefste Problem des jüdischen Künstlers, das in seinem Galuthschicksal beschlossen liegt. Losgelöst von Volk und Erde als den eigentlich schöpferischen Grundbedingungen alles letztmenschlichen Schaffens wurzelt hier der jüdische Künstler in der dünnen Atmosphäre rein intellektueller Stadtkultur und es fehlen ihm somit die zeugenden und nährenden Kräfte, von denen die Schaffenden anderer Völker über den Rahmen ihrer eigenen Individualität hinaus getragen werden. Zu berücksichtigen ist also, dass von dem jüdischen Künstler schwereres (gefordert wird als von den Künstlern der anderen Völker. Nur -wenigen — unseren Grössten — ist es gelungen, die eben betonte Diskrepanz durch ihre sehr kraftvolle Persönlichkeit etwas auszugleichen, — und das dann meist auch nur mit mancherlei inneren Konzessionen. — Es ist zu hoffen, dass Budko, der sich ja erst am Anfange seiner künstlerischen Laufbahn befindet, den an ihn herantretenden inneren Forderungen sich nicht entzieht und immer stärker und stärker zu einer .Bewältigung der seelischen und stofflichen Konflikte und damit zu einer freieren Entfaltung seiner Persönlichkeit kommt. Alexander Melnik. iüHHUHÜH Literaturblatt HHÜHHÜHH Sch. Gorelik. Fünf Jahre im Lande Neutralien. Schweizer Kriegserlebnisse eines jüdischen Schriftstellers. Jüdischer Verlag, Berlin. Wenn Ludendorff seine Erinnerungen und Oberst Patterson seine Kriegsfahrten mit dem zionistischen Maultierkorps beschreibt, warum soll da ein jüdischer Schriftsteller, der sich 5 Jahre in der Schweiz gelangweiit hat, nicht seine neutralen Kriegserlebnisse niederschreiben? Es wird immer noch Leute genug geben, die sich sympathisch berührt fühlen von der schläfrig sentimentalen Art, in der Gorelik die Gipfel seines Empfindens in etwas schwächlichem Alpenglühen leuchten lässt. Herzhafter Geartete

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