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Neue jüdische Monatshefte · 1920-03-10 · Heft 11-12 (10.3.1920) · p. Seite 272

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 11-12 (10.3.1920)
Article
Ausland
Date
1920-03-10
Page
Seite 272 (sequence 2)
Language
German
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272 aller Länder veröffentlicht, von den jüdischen Delegationen in Paris, der offiziellen Vertretung des jüdischen Volkes, dem Gerichtshofe des Völkerbundes vorgelegt, die allen Machthabern so lange in die tauben Ohren geschrieen werden müsste, bis sie zu hören gelernt hätten?!... Droht 'man uns mit Gegenlisten? Man stelle sie auf! Auch der Jude, der sich schuldig machte, soll sühnen! Wer aber ist nicht mit uns überzeugt, dass die abscheulichsten Verfehlungen, dass Mord, Plünderung, Vernichtung ganzer Völker kaum zu den Verbrechen gehören werden, die man Juden im Ernst wird vorwerfen können. Oder wo sollte es Juden geben, gegen die eine ähnliche Anklage gerichtet werden könnte, wie gegen den berüchtigten General Denikin, von dem Dr. Paul Nathan in dem oben erwähnten Aufsatz schreibt: „General Denikin hat die Judenmetzelei in ein staatlich-bürokratisches System zu bringen gcwusst. Er setzte Militärgerichte ein, um jene abzuurteilen, die angeblich oder tatsächlich den Bolschewisten Vorschub geleistet hatten. Diese Gerichte haben in 76 Tagen, nämlich vom 1. August bis zum 15. Oktober 1919, 87' Prozent Juden und 13 Prozent Christen abgeurteilt nach den Verzeichnissen in meiner Hand. Ohne Ausnahme wurden die 87 Prozent Juden zum Tode verurteilt. Unter den Christen, die 13 Prozent darstellten, wurden 2,6 Prozent dem Tode überliefert; beredte Zahlen, um den Charakter Denikinscher Politik klar zu beurteilen.'' Es dürfte keine Anklageliste geben, die so unbarmherzig wahr und unwiderlegbar sein würde wie die jüdische. Wie es kein Volk gibt, das so unbarmherzig bedrückt wurde, das so hat leiden müssen wie das unsere* Wir schlagen vor, dass die dazu berufenen Organisationen sofort daran gehen, eine solche Liste aufzustellen. Wir fordern, dass die jüdischen Delegierten sie zur Kenntnis der Welt und der Instanzen bringen, die zur Wahrung der Weltgerechtigkeit berufen sein werden. Wir fordern keine Auslieferung, wir verlangen keine Garantien für den Rechtsgang und die Gerechtigkeit des Urteils. Wir geben unsere Sache in die Hände aller anständigen Menschen. Wir glauben, dass es nicht nur für die Mächtigen, dass es auch für uns gerechte Richter auf Erden geben wird." („Das jüdische Echo" VI 1/9). Kunst JosepÜi Budko. Unter den jungen jüdischen Künstlern erfreut sich der Graphiker Joseph Budko einer grossen Beliebtheit. — Der erste Eindruck, den man von einer geschlossenen Zusammenstellung seiner Werke hat, ist der, dass es sich hier um eine Persönlichkeit mit hoch entwickelter Geschmackskultur handelt. Dementsprechend ist der Gegeneindruck der, dass das Elementare des Schaffens in einer den Beschauer nicht genügend packenden Weise anschaulich wird. Dieser Eindruck wird rem äusserlich durch das' Vorherrschen der auffallend kleinen 'Formen bestärkt. Bei näherer Betrachtung zeigt es sich, dass diese Scheinbar mur äusserliche Besonderheit, die ja an und für sich noch nichts zu sagen hätte, in einem notwendigen inneren Zusammenhang mit den Stärken und Schwächen dieses Künstlers steht. Wie schon angedeutet, ist die herrschende Grundrichtung der Produktivität des Künstlers ein hoch entwickelter Geschmack, dessen Wirkungen oft nahe an die Grenze des Kunstgewerblichen kommen, und der im Zusammven- . hang mit seiner stark hervortretenden Intellcktuaiität steht. Diese Besonderheiten {seiner Veranlagung machen ihn besonders prädestiniert für Illustrationen und Gebrauchsgraphik, wo sein feiner Stichel sehr Gutes leistet. Daher die Fülle der ex libris-Zeichnungen, Initialen und ähnlichen Arbeiten —- Aufgaben, die ihn als Geschmacksproblem im «engeren Sinne oft sogar jenseits1 des eigentlich Künstlerischen liegend — reizen 'mögen. Hier wäre besonders hinzuweisen auf Arbeiten wie die

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