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Neue jüdische Monatshefte · 1920-03-10 · Heft 11-12 (10.3.1920) · p. Seite 269

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 11-12 (10.3.1920)
Article
Ausland
Date
1920-03-10
Page
Seite 269 (sequence 2)
Language
German
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269 neigung, die wir für die neuerrkhteten Völker hegen, legt uns die Verpflichtung auf, sie auf die Folgen aufmerksam zu machen, die eine solch verwerfliche Politik für sie haben könnte, eine Politik, die unfehlbar diese Zuneigung zuschanden machen würde und gegen die sich die Proletarier der anderen Nationen wenden müsste... Die Arbeiterorganisation macht diesen Protest zu dem ihren. Die organisierten Proletarier dieses Landes ... wollen nach wie vor den Arbeitern Polens ihren Beistand leihen, aber grade deshalb haben sie das Recht, ihnen gegenüber ihr Gefühl heftigster Ablehnung zum Ausdruck zu bringen.14 Die Versammlung nahm eine Erschliessung an, in der sie „die öffentliche Meinung aller demokratischen Länder auffordert, von ihren Regierungen alle Massnahmen zu fordern, die geeignet erscheinen, den Schrecken sofort ein Ende zu bereiten und ihn auf immer zu verhindern. Sie verlangt im Namen der Gerechtigkeit die Bestrafung der Schuldigen, im Namen der Barmherzigkeit Hilfe für die Opfer! — Man braucht derartige Kundgebungen in ihrem praktischen Erfolg nicht zu überschätzen und darf deshalb doch darauf hinweisen, wie wohltuend der Geist wirkt, der in diesem Protest zum Ausdruck kommt. Besonders wertvoll aber ist die Warnung der französischen Arbeiter, welche diese direkt an die polnische Sozialdemokratie richten. So oft auch die sozialistische Presse aller Länder gegen die Pogrome Einspruch erhebt, so selten ist es bisher geschehen, dass sie mit Nachdruck darauf hinwies, wie wenig sozialistisch die Haltung der polnischen Sozialisten ist. Polen. Nunmehr liegt der genaue Wortlaut des lang erwarteten Berichtes Henri Morgenthaus über die Ergebnisse seiner Mission in Polen vor. Das umfangreiche Dokument umfasst 19 Punkte. Der erste Punkt enthält die Entstehungsgeschichte der Mission. Sie wurde auf Verlangen des damaligen Ministerpräsidenten Paderewski von der amerikanischen Friedensdelegation eingesetzt. Ihre Aufgabe umschrieb Sekretär Lansing in einem an die Mission gerichteten Briefe vom 30. Juni 1919 wie folgt: „Es ist erwünscht, dass die Mission alle Fragen, welche die Beziehungen zwischen den Juden und dem nichtjüdischen Element in Polen berühren, gründlich untersuche. Damit verbunden ist selbstverständlich die Untersuchung über die verschiedenen Metzeleien, Pogrome und 'andere Exzesse, welche vorgekommen sein sollen, über den ökonomischen Boykott und andere Verfolgungsniittel gegen die Juden. Lediglich die Wahrheit über die Tatsachen festzustellen,^ darf jedoch nicht der einzige Zweck ihrer Tätigkeit sein; sie mus's ausschliesslich von der Absicht geleitet werden, die Gründe, welche solchen Exzessen und Verfolgungen 'zugrunde liegen, zu suchen und zu finden, damit es möglich werde, Mittel dagegen zu finden." Morgenthau berichtet über die Tätigkeit der Alijssion während ihrer vom 13. Juli bis 13. September 1919 dauernden Anwesenheit in Polen. Er erörtert die gegenwärtige antisemitische Stimmung Polens, welche schon im Jahre 1912 sich in Boykotts manifestierte und bei Kriegsende sich bedeutend verschärfte. Die chauvinistische Reaktion, welche durch die Erreichung der nationalen Selbständigkeit Polens entstand, schuf eine gegen die Juden feindliche Stimmung, wr.lche durch die Presse und einzelne Politiker noch propagiert wurde. Diese Propaganda ermutigte zu physischen Manifestationen oder brutalen Ausbrüchen, die - aus der unbestimmten sozialen Lage hervorgingen. So kam es im Dezember 1918 nach Abzug der deutschen und Österreichischen Okkupationsarmeen, als vor der Ankunft des Generals Pilsudski keine starke Regierung vorhanden war, zu den ersten Exzessen. „Der Gebrauch des Wortes Pogrom" — so heisst es wörtlich im Berichte — „wird mit Absicht vermieden." Der Bericht führt acht Hauptexzesse an und beschreibt die Vorfälle nach «dem Ergebnis der Untersuchung in der chronologischen Reihenfolge, wie sie sich ereignet haben. Sie spielten sich in Kielce, Lemberg, Pinsk, Lida, Wilna, Kolbuszowa, Czenstochau und Minsk ab. Andere Fälle von Judenermordungen führt der Bericht nicht besonders an, da er sie als Einzel-

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