Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 11-12 (10.3.1920)
- Article
- Ostjuden und Volkswirtschaft
- Date
- 1920-03-10
- Page
- Seite 250 (sequence 2)
- Language
- German
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250 üblen Elemente unter den Ostjuden; Ooldsehieber usw. gerade nicht treffen, würde aber die Existcnzlosigkeit geradezu zum Gesetz' erheben, würde die Fälschung von Legitimationspapicren, die Zusamniendrängung in den Grosstädten, (weil man sich dort' am besten versteckt halten kann) und das Schiebertum von Amtswegen fördern. Die Ausweisung wurde die ostjüdischen. Arbeiter in Massen zwingen, der behördlichen Kontrolle sich zu entziehen und auf ungesetzliche und volkswirtschaftlich gefährliche Art sich durchzuschlagen. Das einzige würdige und zugleich radikale Mittel gegen alle Gefahren der Einwanderung ist die Eingliederung der ostjüdischen Arbeiter in die deutsche Volkswirtschaft durch Verteilung über den gesamten Arbeitsmarkt. Die wenigen tausend jüdischer Arbeiter, die es in Deutschland gibt, erscheinen nur dem ganz an der Oberfläche der Dinge haftenden Theoretiker als eine Konkurrenz für den deutschen Arbeiter. Trotz der Not des Arbeitsinarktes, die im übrigen von Woche zu Woche geringer wird, können die jüdischen Arbeiter mit Leichtigkeit in die deutsche Volkswirtschaft eingegliedert werden, wenn es eine Stelle gibt, die sich dieser Aufgabe besonders widmet. Die deutschen Arbeitsnachweise können diese .Forderung nicht er- Killen, weil sie trotz aller Zentralisationsbestrcbimgen des Arbeitsmarkteis doch wesentlich örtlichen Bedürfnissen dienen und die jüdischen Arbeiter dank den Bestimmungen des Demobilmachungsamtcs in den meisten Grosstädten nicht unterbringen können. Dazu kommt, dass ihre Beamten in ihrer gänzlichen Unkenntnis der besonderen Verhältnisse dieser Einwanderer (Sprechweise, berufliche Vorbildung, Mangel an Zeugnissen und Papieren) nicht geneigt sind, sich der Flüchtlinge besonders anzunehmen. Nur eine jüdische Organisafion, die durch ihre menschliche Einstellung fähig und gewillt ist, alle Schwierigkeiten zu überwinden, vermag es, die eingewanderten Ostjuden aus ihrer rat- und. hilflosen Lage zu befreien und ihnen zu einer gesicherten Existenz zu verhelfen. Ein jüdischer Arbeitsnachweis muss den gesamten Arbeitsmarkt übersehen, politische Schwierigkeiten, die sich der Einstellung jüdischer Arbeiter entgegenstellen, überwinden und durch persönliches Eingehen auf die physische und psychische Fähigkeit und die Vorbildung jedes Einzelnen die Arbeiter richtig auf die offenen Arbeitsstellen verteilen. In (Erkenntnis dieser Tatsache entstand nach der Revolution in Berlin das Jüdische Arbeitsamt. Damals begann die Einwanderung aus dem Osten in grösserem Masstabc. Dazu wurden Tausende von ostjüdischen Arbeitern, die während des Krieges für die deutsche Kriegsindustrie angeworben waren, entlassen. Seine Tätigkeit erwiess sich bald als so notwendig, dass die Behörde das Jüdische Arbeitsamt als gemeinnützigen Arbeitsnachweis anerkannte und dem Landesarbeitsamt anschloss. Um den deutschen Arbeitsmarkt vollständiger zu erfassen, als es von einer einzelnen Stelle aus möglich ist, \vurden im Laufe der nächsten Monate von der Zentralstelle Berlin aus Zweigstellen in den verschiedensten Gegenden, besonders im rheinisch-westfälischen Industriegebiet errichtet.