Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 9-10 (10.2.1920)
- Article
- [Rezension] / Hurwicz, Elias
- Date
- 1920-02-10
- Page
- Seite 234 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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234 Max Brod. Gesammelte Schriften. Kurt Wolff, Verlag. Preis jeder der 6 Bände durchschnittlich geh. 6 M> geb. 9 M.) Die Ausgabe der gesamten Schriften Brocis gibt uns willkommenen Anlass zu einem Ueberblick über das Werk des Dichters. Und da gewinnen wir doch vor allem den Eindruck einer grossen Vielseitigkeit: im „Tycfiü die Brahe" hoher Sdhwung, historisches Nachschaffen im giossen wie im kleinen, in der „Weibcnvirtsdbaft" humorvolle und kenntnisreiche Realistik in der Darstellung der Frauenpsyche, in den „Jüdinnen" ein Eindringen sowohl in die typischen Züge als in die leisesten ' Seelenschwingungen und Launen eines verwöhnten jüdischen Mädchens, im „Grossen Wagnis" eine Kriegs- und Revolutionsdramatik. Aber was alle diese Werke einigt, ist die Milde und Tiefe der Weltanschauung, die Weisheit der Lebensphiilosophie. In Brod hat sich gleichsam die tausendjährige, milde, nicht umstürzlerische, sondern konstante Lebensweisheit unseres Volkes verdichtet. Er behandelt seine Helden wie ein alter Vater, d.er voller Nachsicht dem Leben und Treiben seiner Kinder zusieht, auch dann, wenn es ihm etwas zu bunt wird. Ausschliesslich Juden als „Helden" hat der Roman „Jüdinnen" zum Gegenstand. Der Titel ist leider etwas irreführend. Im Grunde dreht sich alles um ein jüdisches, durch verschiedene. Peripetien der Heiratspolitik etwas aus dem Gleichgewicht, aber durchaus nicht um denHeirats willen gebrachtes modern - jüdisches Mädchen (ein nicht untypisch - jüdisches Prauensclüdksal). Wir hätten gern von Brod einen Roman gehabt, der wirklich verschiedene Typen jüdischer Mädchen und Frauen schildern würde. Bezeichnend ist aber, wie auch in dem seinem Gegendstande nach urjüdischen neuesten "Werke „Das* grosse Wagnis" die grossen Lebensfragen in biblische Deutungen und Lösungen münden und die tiefste Lebenswahrheit in der Gestalt einer jüdischen Frau „Ruth" symbolisiert wird. Brod ist von mitteleuropäischen Dichtern jüdischer Abkunft der nationalste, und wir dürfen ihn nicht ohne Stolz zu den unsern rechnen. Dr. Elias Hurwicz, Berlin. Johannes Fischart. Das1 alte und das neue System. Die politischen Köpfe Deutschlands. Oesterheld u. Co., Berlin. Preis 10 .,/£. Die Schrift von Fischart ist eine politische Galerie ersten Ranges von dauerndem Werte, man könnte auch teilweise sagen: ein politisches Kuriositätenmuseum. Von jüdischen Politikern behandelt er: Theodor Wolff, Hugo Haase, Rosa Luxemburg und Kurt Eisner. Und da ist es doch vom jüdischen Standpunkt aus eine Genugtuung, dass alle diese vier Politiker — trotz des überaus scharfen Scziermessers Fischarts — gut abschneiden. In allen vier vermag auch er nichts als reine Gesinnung, politischen Idealismus und schlimmstenfalls einen Hyperidealismus zu finden. Hätte er aber auch Eduard Bernstein, Gustav Landauer, Hugo Preuss und wie sie alle heissen mögen, behandelt, so wäre das Bild — mit vereinzelten Ausnahmen — doch wohl das gleiche geblieben. Dr. Elias Hurwicz, Berlin. Theodor Herzl. Feuilletons. Verlag Benjamin Harz. Berlin/Wien. HerzPs geistvolle Feuilletons sind auch in jüdischen Kreisen noch viel zu wenig bekannt. Die letzte Ausgabe war längere Zeit vergriffen; die hier angezeigte kommt daher zu rechter Zeit. Sie sieht trotz der .Nachkdegsverhältniss'e passahe' aus, wer sich an den wirklich nichr schönen Einband nicht gewöhnen kann, mag sie später anders heften lassen. Für jene die Bücher nicht ihrer Rücken, sondern ihres Inhalt wegen kaufen, wird auch ■ diese 'Ausgabe mehr Vorzüge als Nachteile besitzen: C. Z. K. Gesundheitlicher Ratgeber für Auswanderer, zusammengestellt vom Institut für Schiffs- und Tropenkrankheitenzu Hamburg. 2. Band des „ Ausland Wegweiser*f, herausgegeben von dein .Hamburgischen Welt-Wirtsdhafts-Archiv, Hamburg 1920. L. Friedrichsen & Co. 1920. Es genügt, als Verfasser dieses