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Neue jüdische Monatshefte · 1920-02-10 · Heft 9-10 (10.2.1920) · p. Seite 233

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 9-10 (10.2.1920)
Article
[Rezension] / C. Z. K.
Date
1920-02-10
Page
Seite 233 (sequence 2)
Language
German
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wird man gern über manche Mängel hinwegsehen und wird vor allem begreifen, dass der, der seine Zeit so treulich' beschrieb, notwendig auch' ein .Kind seiner Zeit sein musste und dies nicht zu verleugnen vermag. Und wenn wir auf bessere und würdigere Zeiten für das Leben der Juden in Deutschland hoffen, so ist es nur eine Pflicht, auf Lion Wolff (hinzuweisen als auf einen, der mit der alten Zeii und Ihren Mängeln tapfer gerungen (hat. Esra. Eine jüdische Monatsschrift. Herausgegeben vom jüd. Hochschulausschuss in Wien. 1. Jahrg Heft S. Dieses Heft ist unter dem Motto: „Dies ist nicht unser Weg" dem Kampf gegen „Macht- und Ge- Schäftszionismus" gewidmet. Wenn Gesinnung an sich schon ein absoluter Wert wäre, müsste man dieses Manifest restlos loben: es läuft über vor Gesinnung! Seine Verfasser sind radikale Sozialisten und Autimilitaristen, und als solche protestieren sie dagegen, dass man die zionistische Politik dem englischen Imperialismus' angleicht und dass das zionistische Kapital in Palästina schneller Eingang fand, als die zionistischen Menschen. Dabei wird manches kritische Urteil gefällt, das man von Herzen unterschreiben könnte, wenn es nicht schliesslich zu der Schlussfolgerung tühren sollte : entwedcrPalästina nach einem vorherbestimmten Wunschbild — oder gar nicht. Angesichts diedes, „— oder gar nicht" gibt man die Frage zurück, die das Heft stellen möchte: „Ist das noch Zionismus?" Richtiger scheint uns die Bejahung Palästinas „unter allen Umständen". Denn in Palästina kann man, wenn man nur Mut hat, einen wirklichen Kampf für jedwedes Ideal führen, sogar gegen englisch-jüdischen Imperialismus. In Wien oder Berlin aber kann man letzten Endes nicht viel mehr, als seine Gesinnung zu Papier bringen. — Die scharfe und berechtigte Kritik des Esra an der Parteipolitik wäre wirksamer und innerlich berechtigter, wenn an sie nicht die Fordei rung nach „Unbedingthcit" ge- \ knüpft wäre, der das Wesen jeder Politik, als der „Kunst des Möglichen" entgegensieht. C. Z. K. Freie Jugend. Monatsschrift für allgemeine Interessen der jüdischen Jugend, Prag. Der Mut, mit dem hier eine radikal-sozialist. Jugendzeitschrift in deutscher Sprache geschaffen wurde, die in Prag erscheint, ist in hohem Grade zu bewundern. Im übrigen' scheint das Blatt mehr eine interne Angelegenheit einer kleinen Gruppe zu sein. Ein starker Hang zuutv Negieren überwuchert jedes Mass fördernder Kritik, Positiv-Aufbauendes, das grade der Jugend nottut, fehlt hier in sozialistischer wie in jüdischer Hinsicht. C.Z.K. Jüdische WeltherrsdiaFt! Phantasiegebilde oder Wirklichkeit? 1919. „Gabriel Riesser"-Verlag, . Berlin SW. - 32 S. . Das Heftchen versucht in seiner äusseren Gestaltung den Anschein einer antisemitischen Hetzschrift zu erwecken und dürfte .(dazu bestimmt sein, im Strassenhandcl den Kampf gegen die echten Antisemitenflugschriften aufzunehmen. Ob es ihr gelingen wird, darf bezweifelt werden. Wenn schon, denn schon! Der gelbe Umschlag mit der braven Schrift wirkt nicht sehr anreizend. Der Inhalt, der das Schlagwort von der „jüdischen Weltherrschaft" an Hand eines gut gesiebten Materials widerlegt,;entbchrt nicht jener temperamentvollen .Schreibweise, die für polemische Schriften uncrlässlich ist. Und so könnte mau sich mit dieser „Abwehr" zufrieden geben, wenn nicht auch hier wieder der Versuch gemacht würde, dem Vorwurf der Antisemiten, die Juden seien in hervorragender Weise an der Revolution beteiligt gewesen, „erklärend" zu begegnen. Von Goslar durfte man erwarten, dass er das Recht des deutschen Juden auf jede ihm eigene politische Gesinnung, auch auf eine revolutionäre, als Selbstverständlichkeit ansieht, die nicht erst durch liistorische Argumente „erklärt" werden muss. — tz —

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