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Neue jüdische Monatshefte · 1920-02-10 · Heft 9-10 (10.2.1920) · p. Seite 228

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 9-10 (10.2.1920)
Article
Ausland
Date
1920-02-10
Page
Seite 228 (sequence 2)
Language
German
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228 einzelt da, fast jedes frühere ELnwandenmgsland hat seinen „alien acf". Als einzig mögliche, aber auch nötige jüdische Politik erweist sich immer mehr die Konzentration aller jüdischen Kräfte auf das eine Ziel, Palästina zu dem Land der jüdischen Massensicdlung zu gestalten. Japan. Die jüdische Emigration aus dem östlichen Russland erfolgt seit dem Vordringen der Bolsche\viki zum grossen Teil auf dem Wege über Japan. Zweimal wöchentlich treffen aus Wladiwostok Transporte von mehreren Hunderten in Tokio ein. Sie werden hier von einem Komitee versorgt; das zum Teil aus' amerikanischen, zum Teil aus japanischen Juden besteht, Diese „japanischen" Juden sind in der Mehrzahl Kaufleute aus Russland, die während des Krieges den russischjapanischen Handel zum grossen Teil organisiert haben und die nunmehr daran gehen, sich am japanisch-amerikanischen Handel zu beteiligen. Die Gemeinde in Tokio ist in der letzten Zeit so stark geworden, dass sie daran denkt, eine eigene Schule zu errichten. Zionismus In Amsterdam fand im Januar dije erste Weltkonferenz des Misradhi nach dem Krilege statt, zu der fast die Landsmannschaften Delegierten gesandt hatten, die allerdings nicht durch allgemeine Wahlen bestimmt waren, sondern von den Landeskomitees nominiert worden sind. Die Konferenz vermochte eine -bedeutende Steigerung der Anhängerschaft des Misrachi, insbesondere in Amerika, zu verzeichnen. Sie beschloss, das Zentralbüro von Berlin nach London zu verlegen, ein Zweigbüro soll in Palästina errichtet werden» wohin der Schwerpunkt der ganzen Organisation verlegt werden soll, sobald die politischen Verhältnisse es gestatten. — Die gefassten prinzipiellen Beschlüsse be- - weisen, dass der Misrachi sich in einem äusserst kritischen Entwicklungsstadium befindet, und dass zurzeit zwei in genau entgegengesetziter Richtung wirkende geistige Tendenzen in ihm eine Spannung erzeugt haben, die auf der Konferenz sicher noch nicht ihren höchsten Grad erreicht hatte, zu deren Entspannung dort aber auch nichts Wesentliches beigetragen worden ist. Es gewinnt den Ans'chein, als ob der Misrachi angesichts der tn absehbarer Zeit beginnenden Arbeit in Palästina die Verbindungen mit der zionistischen Organisation zu lockern sucht, um freien Spielraum für eine Taktik zu gewinnen, die es ihm gestattet, das Zünglein an der Wage in allen Differenzen zwischen Zionisten und Orthodoxen im Lande zu bilden. Wobei ausdrücklich betont werden mag, dass der Misrachi in diese Position gedrängt wird dadurch, dass er heute gezwungen ward, Farbe zu bekennen, welche An schaumig für ihn die oberste Instanz ist: die zionistische oder die orthodoxe. Man darf wohl voraussagen, dass der Misrachi als solcher die Amsterdamer Konferenz als den Beginn eines Prozesses wird ansehen müssen, an dessen 'Ausgang das Ende des Misrachi steht. Er wird sich scheiden in Agudisten und Zionisten. Wie sich diese Teilung zahlenmässig vollziehen wird, kann heute noch nicht gemutmasst werden. — Wie vor-

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