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Neue jüdische Monatshefte · 1920-02-10 · Heft 9-10 (10.2.1920) · p. Seite 227

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 9-10 (10.2.1920)
Article
Ausland
Date
1920-02-10
Page
Seite 227 (sequence 2)
Language
German
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227 setzte Moriroedoktrin ihr jüdisch-nationales' Leben zu schützen und zai festigen. Eine Idee, die nur da entstehen konnte, wo einerseits die Masse der Juden die Tatsache eines Sonderlebens nie anders denn als Selbstverständlichkeit empfinden Hess, andrerseits der Kontakt einer wenn auch noch so grossen Minderheit vorn ursprünglichen jüdischen Leben bereits so sehr gelöst ist, dass sie widerstandslos den aus der fremden Gedankenwelt übernommenen politischen Formeln erliegt. — Grossmann legt dar, dass diese jüdische Absonderungspolitik in Amerika den Praktiken einiger „Führer" entspringt, die sich damit in Gegensatz setzen zum Willen der jüdisthen Massen, die ihnen im Kongress erst das nationale und demokratische Forum für ihre Wirksamkeit schufen. Es steht zu hoffen, dass der unverbildete Instinkt dieser Massen rechtzeitig die Gefahr einer jüdischen AAonroedoktrin erkennt und sdiriellstens „ dafür sorgt, dass sowohl im Komitee der jüdischen Delegationen wie im Zionistischen Zentralbüro das amerikanische Judentum hinreichend vertreten ist. Kanada. Es macht sich unter den nach Kanada eingewanderten leuropäis-chen Emigranten, besonders auch unter den Ostjuden, eine starke Rückwanderungsbewegung in die alte Heimat bemerkbar. Grund dessen ist die allgemeine Ausländer-Feindlichkeit, die sich insbesondere gegen die Angehörigen der ehemals feindlichen Länder richtet, aber gelegentlich, so im Fall der Rumänen, auch Bundesgenossen nicht verschont. Ihren gesetzgeberischen Ausdruck findet diese Gegnerschaft in einem Dekret des kanadischen Staatsrates zur Einschränkung der Einwanderung. Dieses Dekret untersagt den Angehörigen gewisser Berufsgruppen und Menschen ohne festen Beruf die Einwanderung völlig und fordert von den übrigen erhebliche Summen als nachweisbaren Besitz (250 Dollar für das Familienoberhaupt, 125 Dollar für jedes Familienmitglied über 18 Jahre, 50 Dollar für Kinder über 5 Jahre, dazu jedesmal die Eisenbahnfahrkarte zum Bestimmungsort). Ganz neu und von prinzipieller Bedeutung ist an diesem Dekret, dass es nicht nur für europäische Einwanderer gilt, sondern auch für solche aus den Vereinigten Staaten, die man früher in Bezug auf die Grenzüberschreitung fast völlig als' Inländer gewertet hatte. Gegenüber der vor dem Kriege geübten Ein- Wanderungspolitik, die mit einem ausserordentlichen Aufwand von Reklame Tausende von Arbeitern und Siedlern ins Land zu ziehen suchte, bedeutet der neue Kurs eine radikale Umkehr; diese geht soweit, dass man unter Verletzung des bisher herrschenden Prinzips der absoluten Gewissensfreiheit an Duchoborzcn und andere christliche Sekten, die eine staatliche Einordnung ans religiösen Gründen ablehnen, das Ansinnen gestellt hat, sich naturalisieren zu lassen oder auszuwandern. Damit jagt Kanada grade diejenigen Elemente aus dem Lande, denen es seine wirtschaftliche Entwicklung in besonders hohem Grade verdankt. Für die jüdische .Wanderungsbewegung bedeutet die Schliessung der kanadischen Grenzen einen schweren Schlag. Umso dringlicher muss allen an der jüdischen Frage Interessierten die Förderung des Aufbaus Palästinas erscheinen. Die kanadische Abschliessungspolitik steht nicht ver-

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