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Neue jüdische Monatshefte · 1920-02-10 · Heft 9-10 (10.2.1920) · p. Seite 223

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 9-10 (10.2.1920)
Article
Warum kein Progromprotest der Entente?
Date
1920-02-10
Page
Seite 223 (sequence 2)
Language
German
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223 bolschewistischen! Terror zu protestieren, und wir haben diesen Protest begrüsst, nicht weil er sich gegen unsere politischen Gegner richtete, sondern Weil wir die Vergewaltigung verdammen, die dem russischen Volke angetan wurde. Nun wohl: zur Stunde fliesst in Strömen das Blut des jüdischen Volkes auf jenem Boden, auf dem mit absoluter Gewalt die Militärdiktatur herrscht, die von den Alliierten geschaffen wurde! ... Wo bleibt also ihr Protesl? In Sibirien wird ein antisemitischer Feldzug geführt, für den sich unter dem Namen „Slavische Bataillone" militärisch organisierte Pogrombanden gebildet haben. Wir haben von ihrer Existenz durch einen öffentlichen Protest des tschecho-slowakischcn Nationalrats in Wladiwostok erfahren. Die Tschechoslowaken haben also protestiert; warum schweigen die Alliierten? Und wenn die jüdische Bevölkerung versucht, vor dem rasenden Terror in ein Gebiet zu fliehen, das Denikin nicht unterworfen ist, so findet sie geschlossene Grenzen sowohl beim verbündeten Rumänien, das die Juden bedrückt, wie bei Polen, in dem eine Welle von Judenmassacres' der anderen folgt. Und schliesslich ist da noch die Blockade der Alliierten, die es den Russen verbietet, Mittelrussland zu verlassen. Welch turchtbares Schicksal für eine Bevölkerimg, von einem eisernen Ring der Pogrome umschlossen zu sein: und die Alliierten sind es; die diesem Ring seine Festigkeit verleihen. Begreifen sie denn gar nicht, wie gross ihre Verantwortung ist? Ihr Schweigen wirkt durch die Anwesenheit ihrer offiziellen Vertreter fast wie eine schweigende Billigung all der Missetaten und steigert nur noch den Schrecken/4 Eine Nachricht. „Es ist ein riesenhafter Unterschied, geistig und vernunftmässig, zwischen der amerikanischen Demokratie und der Tyrannei des ehemaligen russischen Zaren; aber nehmen Sie das Amerika, wie es sich den jüdischen Knaben und Mädchen gegenüber in New- York (gezeigt hat, die Broschüren auszuteilen versuchten, in denen die heutige Regierung in Russland verteidigt wurde, und die die Polizei verhaftet, geschlagen und gequält hat —• einen von ihnen getötet und den Rest auf zwanzig Jahre in den Kerker geschickt hat; glauben Sie, dass' die irgendeinen besonderen Unterschied zwischen dem heutigen Amerika und dem zaristischen Russland sehn?" — Diese Zeilen stammen, — nach dem Blatt „Freie Jugend" (Prag) — aus einem Brief, den Upton Sinclair an einen Freund gerichtet hat. Da wir in völliger Unkenntnis der Tatsachen sind, enthalten wir uns' jedes Kommentars und geben nur unserer Verwunderung Ausdruck, dass die jüdische Berichterstattung, die zahlreiche Bagatellen zu melden weiss, über die von Sinclair angedeuteten .Vorgänge bisher nichts zu berichten wusste. Ausland Oesterreich. Der jüdische Abgeordnete im Reichsrat, Ingenieur 'Stricker, hielt aniässlich der Beratung über die Wehrvorlage eine Rede die wir als ein in hohem Grade nachahmenswertes Beispiel für die Art gewertet wissen möchten, in der unserer Anschauung nach jüdische Politiker

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