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Neue jüdische Monatshefte · 1920-02-10 · Heft 9-10 (10.2.1920) · p. Seite 215

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 9-10 (10.2.1920)
Article
Kunstgeschichtliches zum Purim-Fest
Date
1920-02-10
Page
Seite 215 (sequence 2)
Language
German
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215 sie zur malerischen Ausschmückung: ihrer Handschriften wenig Ruhe; da sich ,aber die jüdische Schrift ausserordentlich wenig verändert hat, kann man an dieser selber die Zeit der Herstellung nicht erkennen. Da meist weder der Name des Schreibers, noch das Datum der Vollendung vermerkt sind, so lassen sich nur die ilfuminierten Handschriften zeitlich festlegen. Die künstlerische Ausgestaltung beschränkte sielt nicht nur auf die eigentlichen Rollen selber, sondern bemachtig'tc sich auch des Stabes, auf dem sie aufgewickelt werden, der bald in Holz oder Elfenbein, aber auch in Silber zierlich gedrechselt wurde. Selbst die Hüllen zum Schutze gegen Staub und Witterungseinflüsse wurden, wenn sie aus Leder waren, fein gepunzt und vergoldet, aber auch in Holz geschnitzt, in Silber und Kupfer getrieben. Es gibt auch Megitoth für freudige Familicnereignisse oder zur Erinnerung an günstige Geschicke einer einzelnen Gemeinde; ob und wie diese ausgeschmückt waren, ist bei ihrer Seltenheit bisher noch nicht festzustellen möglich gewesen. Heute sind die geschriebenen Esterrollen sehr selten und die Bücher, die man kaufen kann, meist schlecht gedruckt und nicht illustriert; finden sich aber einige Bildchen darin, so zeigen sie nur den traurigen Niedergang der jüdischen Buchillustration, aus der wir uns tangsam, in Folge des wiedererstarkenden jüdischen Selbstbewusstseins, erheben. 2. Die Purim-SchIü&sel. Eine der Verpflichtungen des Purimfestcs ist, den Armen Gaben zu senden; „Schabach monoth laewjonim". Zu diesem Zwecke benützte man früher besondere Schüsseln, die man reich verzierte. Es gibt einige wenige Exemplare aus Silber und aus Porzellan, die meisten sind jedoch aus dem volkstümlicheren Zinn und zeigen neben einer Inschrift allerlei Ornamente und gelegentlich auch Darstellungen der Ereignisse des Purim festes. 'Leider verschwinden unsere alten Volksbräuche heute mehr und mehr und mit ihnen auch die Geräte, die für sie benötigt wurden. Wir finden sie nur noch als unbenutzte Dekoration in den alten Familien oder in den kunstgewerblichen und volkskundlichen Sammlungen. Glossen Der „Standpunkt". „Darum 'müssen wir in der Ostjudenfrage einen Standpunkt einnehmen, der auch den deutschen Interessen gerecht wird. Wir können von der deutschen Regierung und vom deutschen Volk nicht verlangen, dass es die Ostjudenfrage mit jüdischen Augen ansieht. Was unsere Stellung als deutsche Juden anbetrifft, so ist es natürlich eine Ehrenpflicht, für die verfolgten und gefährdeten ostjüdischen Glaubensgenossen einzutreten, soweit unsere Kräfte reichen. Dieses Eintreten findet aber da naturgemäss seine Grenze, wo die Interessen des deutschen Volkes in Frage kommen. Sollten diese Interessen gewisse Massnahmen notwendig machen, die für unsere ostjüdischen Glaubensgenossen unbequem .oder gar hart empfunden werden, dann müssen wir uns auch damit abfinden. Für eine andere Gruppe der ostjüdischen Ausländer

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