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Neue jüdische Monatshefte · 1920-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1920) · p. Seite 187

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 7-8 (10.1.1920)
Article
Prudhommeaux - Albert Thomas
Date
1920-01-10
Page
Seite 187 (sequence 2)
Language
German
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187 Herrn Leon Bourgeois, mit der Anfrage, ob die Juden juristisch das- Recht haben; dem Völkerbund anzugehören? So gestellt, scheint es mir nicht möglich, die Frage zu beantworten. Dem Völkerbund werden alle diejenigen Nationen angehören, die als? solche anerkannt sind, die nach demr Artikel des Vertrages vom 28. April 1919 „von mindestens zwei Drittel der Machte aufgenommen werden, die bereits Mitglieder des Bundes sind, und die wirkliche Garantien bieten, dass ihre Absicht, ihre internationalen Verpflichtungen zu er-* füllen, aufrichtig ist." Bisher bilden die Juden keine Nation. Sie sind unter eine gewisse Anzahl Nationen verteilt, die sie als ihre Landesangehöragen anerkennen, mit mehr oder weniger weitgehenden Rechten, und sie erleiden demzufolge, was den Völkerbund anbetrifft, das Schicksal derjenigen Länder, zu denen sie ge^ hören. So ist Polen z. B. dem Völkerbund beigetreten: die Juden, ein Teil der polnischen Nation, ge-. (hören also dem Völkerbund' an. •Was die polnischen Juden anbetrifft, die z. B. nach den Vereinigten Staaten ausgewandert sind, so gei hören sie ebenfalls dem Völkerbund an, insofern sie naturalisierte Bürger) der Vereinigten Staaten sind, da die Vereinigten Staaten dem Bunde angehören. Das ist die Lölsung der Vernunft und die Frage, die Sie beschäftigt, wird sich nach meiner Ansicht nur an jenem problematischen Tage stellen, an dem es dem Zionismus gelungen sein wird, in Palästina oder anderswo eine autonome jüdische Nation zu bilden, die von den anderen Staaten als solche anerkannt sein wird." gez. Prudhommeaux. . „Sie kennen meine zu wiederholten Malen öffentlich ausgedrückte Meinung .zugunsten des jüdischen Volkes. Sie stellen mir heute eine etwas seltsame Frage: „Haben die Juden juristisch das Recht, dem Völkerbund anzugehören? Ich denke juristisch antworten zu können, dass ich dies nicht glaube. Der Text des Völkerbunds-Vertrages selbst hat den Beitritt derjenigen Nationalitäten beseitigt, die noch nicht in dem Rahmen eines modernen Staates konstituiert sind. Wenn in Palästina nicht nur eine jüdische Kolonie, sondern ein wirklicher palästinensischer Staat gegründet wäre, dann hätten die Juden das Recht, ihren Platz in dem Rat des Völkerbundes zu beanspruchen. Bei jeder anderen Voraussetzung scheint dies nicht möglich zu sein,. Ich bemerke noch, dass alle Vereinigungen, die in den verschiedenen Ländern für den Völkerbund wirken, übereinstimmend der Meinung sind, dass, für den Augenblick wenigstens, alle Nationalitäten, .die nicht zu Staaten konstituiert sind, und sqgar alle grossen sozialen Gebilde wie die rechtlich konstituierten Konfessionen beiseite gelassen werden müssen. Und ich glaube, dass Sie Recht haben." gez. Albert Thomas. Die Frage des jüdischen Journalisten war im höchsten Grade überflüssig-, denn die Antworten waren vorauszusehen. Es wäre endlich an der Zeit, statt sich mit Fragen an alle möglichen wahren und vermeintlichen Grössen zu wenden, die Aufforderung* zur fruchtbaren politischen Tat an das jüdische Volk und seine allzu diplomatischen Führer zu richten.

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