Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1920-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1920) · p. Seite 184

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 7-8 (10.1.1920)
Article
Die Zionistische Jahreskonferenz ...
Date
1920-01-10
Page
Seite 184 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2908689-2908753-2908758-2912482--3037-2912557
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

184 Was unsere Volksgenossen vor allem interessiert, ist die Grundfrage: Bekommen wir, was wir verlangen, und haben wir genug verlangt? Im Zentrum der politischen Arbeit stehend, waren wir aus vielen) Gründen gezwungen, intuitiv zu handeln. Es war unmöglich, im vorhinein zu bestimmen, was wir fordern können und was nicht, denn» die Kraft unserer Forderungen war von unserer inneren Kraft abhängig. Und unsere innere Kraft entströmt zwei Quellen: den Leiden der Gallith, dem jüdischen Elend und einer positiven Quelle, der Erkenntnis der schöpferischen Kräfte des Judentums. Die schweren, katastrophalen Schidxsalsschläge, die unser Volk' heimgesucht haben, waren keine Hilfe, sondern ein Hindernis für unsere Arbeit. Indem wir einen Ausweg aus «der Hölle sehaffen mussten, die unser Volk zu verschlingen drohte, konnten wir in unserer Arbeit nicht frei sein. . . . Wir verstanden, dass der Schwerpunkt unserer Arbeit die Anerkennung der historischen Rechte zum Ziel haben niuss, die uns auf Par Lästina zustehen. Auch war es uns vom ersten Tage an klar, dass /.wischen der Verkündigung unserer Rechte und ihrer Ausnützung die schwerste Zeit des Zionismus liegen wird, die vor Horn grossen Augenblicke der Erlösung all unsere Klugheit und alle unsere Kräfte, erfordern wird. D*ie Deklaration Balfours ist jetzt eine Tatsache. Für mich war sie ein gewaltiger Mahnruf, dass wir die Massen des Volkes erwecken und eine Art. messianischer Bewegung schaffen müssen — und was hat sie in Wahrheit zur Folge gehlabt? Ausser der jüdischen Legion in Palästina, in der ich den einzigen Funken von dem sehe, was ich zlti sehen hoffte, ist nur Begeisterung erweckt worden. Auch an Geld wurde nur eine halbe Million Pfund! Sterling gesammelt, eine lächerliche Summe. Die Judenhcit hat auf die Deklaration noch nicht geantwortet. Noch ist die grosse Vision nicht da, noch fehlt der Sturm in den, Massen, wie wir ihn bei der Schaffung der ersten englischen Freiwilligcnbatajllone sahen, und das setzt den Wert der Deklaration sehr herab. Vielleicht sind auch wir schuld daran. Denn wir haben nicht inmitten der Massen und mit ihnen gelebt. Aber in Anbetracht der Situation müssen wir in dein, was wir diplomatisch erzielt haben, das Maximum sehen. Erreicht wurde folgendes: Palästina wird Grenzen erhalten, die es wirtschaftlich sichern und die vielleicht mehr umfassen werden als die historischen Grenzen. Innerhalb dieser Grenzen weiden in politisch - ökonomischer Beziehung die für unsere Entwicklung nötigen Bedingungen geschaffen werden. Das jüdische Volk wird Vorrechte bei der Durchführung der öffentlichen Arbeiten und bei der Bodenerwerbung und bezüglich der Entwicklung der hebräischen Sprache, Erziehung und Kultur erhalten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.