Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 7-8 (10.1.1920)
- Article
- Ausland : Frankreich [Nachricht]
- Date
- 1920-01-10
- Page
- Seite 183 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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183 ben, das alle Dokumente über die Wünsche des jüdischen Volkes an 'die Friedenskonferenz enthält. Schweiz. Durch eine Lawine wurde in Davos die erst vor wenigen Monaten eröffnete, mustergiltig eingerichtete jüdische Lungenheilstätte „E t a n i a" zerstört. Menschenleben sind erfreulicherweise nicht zu beklagen, dagegen macht der grosse Schaden am Gebäude und an der Einrichtung beinahe einen völligen Neubau notwendig. Der Vorstand beschlösse diesen sofort zu beginnen und fasste dementsprechende Beschlüsse für die Sammlung von Geldern. Die Kranken sind inzwischen provisorisch in Davos untergebracht worden; für den Fortgang ihrer Kur sowie für rituelle Verpflegung wird gesorgt. Die Zionistische Jahreskonferenz, die für die Zeit vom IS,—23. Januar nach Basel einberufen war und mit ihr alle diejenigen Tagungen, die anlässlich dieser Zusammenkunft stattfinden sollten, sind vertagt worden. In einem Rundschreiben an die Landesorganisalionen gibt das Centraibüro in London Aufschluss über die Gründe dieses Aufschubs. Nachdem eine grosse Anzahl von Landesverbänden die Konferenz dringend gewünscht hatte, wurde sie trotz der ungeklärten politischen Lage zum genannten Termin anberaumt. Seitens der Leitung legte man besonderen Wert auf die Anwesenheit der Vertreter aus Südrussland, wo der Wanderungsdrang besonders gross ist und man Direktiven von der Leitung erwartet, die ohne vorherige Besprechung nicht erteilt werden können. Amerika hoffte man wenigstens durch einige repräsentative Abgeordnete vertreten zu sehen. Aus Südrussland kam jedoch die Mitteilung, dass die Delegierten von dort nicht rechtzeitig in Basel eintreffen könnten und dass man Vertagung erbitte, auch sollte aus Valutarücksichten die Konferenz nach Saloniki statt nach Basel einberufen Zionismus werden Das wieder war unmöglich, weil die Führer der Bewegung sich nicht so weit von Paris und London entfernen konnten. Die Zionistische Organisation Amerikas erklärte ebenfalls, nicht zur Jahreskonferenz kommen zu können, weil die für das Frühjahr geplante Finanzkampagne für Palästina die Leiter der Bewegung absolut unentbehrlich mache. Als entscheidendes Moment trat hinzu, dass in Paris die Friedensverhandlungen mit der Türkei begannen und es in hohem Grade wahrscheinlich wurde, dass noch im Januar die Frage des Mandats über Palästina beraten wird. Bei diesen Verhandlungen aber musste die Leitung unbedingt in London und Paris anwesend sein. Die Konferenz ohne die Leitung abzuhalten, wäre aber sinnlos gewesen. Ueber die allgemeine Lage des Zionismus hat sich Dr. Chajim Wcizraann in einem Presse- Interview geäussert, aus dem liier folgende Stellen wiedergegeben seien. Unsere politische Arbeit kämpft an zwei Fronten. Die eine lieget in London und bei der Friedenskonferenz, die andere in Palästina.