Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 7-8 (10.1.1920)
- Article
- Deutschland
- Date
- 1920-01-10
- Page
- Seite 177 (sequence 2)
- Language
- German
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177 fessfoneller oder konfessionsloser Basis errichtet wird. Im selben Blatt berichtet M. Steinhardt .über die Berufs- ■fJucht der jüdischen Lehrer, die zum grössten Teil der elenden wirtschaftlichen Lage, vor allem der Religionslehrer, zuzuschreiben ist. Steinhardt sieht hier eine Gefahr für den Kulturstand insbesondere der jüdischen Kleingemeinden, dem nur durch schnelle und ausreichende organisatorische Hilfe zu sleuern ist. Sozialpolitik der jüdischen Gemeinden. Die Sozialpolitik der jüdischen Gemeinden erörtert Frau S. Wronsky am Beispiel der Jüdischen Gemeinde Berlin (Jüd. Rundschau XX V/3), Diese besitzt in ihrem Sliftungsvermögen von etwa S Millionen Mark, in ihren gut eingerichteten Fürsorgcanstalten jeder Art und ihrer vorzüglichen technischen Organisation die Voraussetzungen zu einer wirklich grosszügigen und wirksamen kommunalen Sozialpolitik, Wenn trotzdem die Erfolge diesen Voraussetzungen nicht entsprechen, so verweist das auf die Notwendig-), keit einer Umstellung der jüdische'n Wohlfahrtspflege nach den Gesichtspunkten einer gesunden Sozialreform. Vor allem muss mit dem Prinzip rein fürsorglicher Hilfe gebrochen werden, und an seine Stelle die moderne Praxis einer sowohl vorbeugenden wie pflegerischen Fürsorge treten, die ohne grosse Kosten oder Schwierigkeiten durchgeführt werden könnte. Es wird die Einrichtung eines Wohlfahrtbüros empfohlen, dessen Aufgabe in erster Linie die Errichtung von Pflegschaften wäre, die allein, im Gegensatz zur Geldbeihilfe, eine Aufhebung des in Frage kommenden Elendszustandes ermöglichen. Besonderer Nachdruck ist auf eine grosfszügige Beeinflussung in der Richtung einer vernünftigen Berufsumschichtung, auf die Waisenpflege und auf die Fürsorge für Ostjuden zu legen. Israelitische Öartenbaaschule Ahlem. Die Israelitische Gartenbauschule Ahlem (Hannover-Linden 2) versendet einen neuen Prospekt, der Beachtung verdient über den Kreis derer hinaus, die in direkten Beziehungen zum Institut stehen. Mir Leiter, Direktor Silberberg, der seit 23 Jahren an ihr tätigist und seit kurzem auch die Geschäftsführung der Simonstiftung übernommen hat, legt in dieser kleinen Schrift ein Erziehungsprogramm im Sinne der Berufsumschichtung zugunsten der Bodenkultur vor, nach dem noch eine ganze Anzahl jüdischer Gartenbauschulen in Deutschland errichtet werden sollten. Ahlem, das? sich mit Recht nicht mehr „Erziehungsanstalt" nennt und damit Missdeutungen seines Zwecks verhindert, vereinigt auf dem gleichen Areal, organisch mit einander verbunden: Gartenbauschule, Land-Erziehungsheim , Haushaltungsschule und Lehrwerkstätten. Der Lehrgang der Gartenbauschule, die jetzt auch von Mädchen besucht werden kann, umfasst sowohl in seinem praktischen wie -theoretischen Teil alles, was zur besten fachmännischen Ausbildung gehört. Auf dem 25 ha grossen Areal finden, sich folgende Hauptkulturen: Obstbau, garten- und feldmässiger Gemüsebau, Topfpflanzen »Stauden-und Freilandkultur, Koniferen-, Rosen-, Baum- und Gchölzschule. Für die Mädchen kommt hinzu die Ausbildung im Herstellen von Konserven und in der rationellen Obstverwertung.