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Neue jüdische Monatshefte · 1920-01-10 · Heft 7-8 (10.1.1920) · p. Seite 174

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 7-8 (10.1.1920)
Article
Tariftreue Schächter
Date
1920-01-10
Page
Seite 174 (sequence 2)
Language
German
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174 gross, dass er von seiner Schächttätigkeit leben kann, der aber auch irgend ein Handwerker sein könnte. Sollte sich nicht hier sogar die Möglichkeit bieten, fromme und in ritueller Beziehung zuverlässige Leute aus der Grossstadt auf dem Lande anzusiedeln? Der Versuch sollte wenigstens gemacht werden. Er «dürfte freilich nicht dazu führen, dass das ohnehin schmale Einkommen des jüdischen Lehrers1 noch mehr gekürzt wird. Denn dann würde man mit der linke« Hand nehmen, was man mit der rechten gibt. Im übrigen ist dieses Thema nur ein winziger, wenn auch charakteristischer Ausschnitt aus dem brennenden Problem der Zukunft der jüdischen Schule und des jüdischen Lehrers in Deutschland — eine Frage, der wir demnächst in diesen Blättern näherzutreten gedenken. K. Rundschau Deutschland Eduard Bernstein. Eduard Bernstein, dem nunmehr 70 jährigen Nestor der deutschen Sozialisten, auch an dieser Stelle einen Glückwunsch aussprej ehen zti dürfen, wird dem jüdischen Chronisten zu einer Pflicht, wie sie freudiger nicht erfüllt werden kann. Nachdem wir im letzten Jahr des Unheils so viele beklagen mussten, / welche die Uebereinstimmung zwischen ihrem Denken und ihrem Handeln in den Tod getrieben hat, ist es doppelt erfreulich, von diesem Siebzigjährigen sprechen zu dürfen, djer ein reiches Leben ganz seinem Ideal weihen durfte und der heute auf sein Werk blicken darf, als auf etwas, das aus einem seelischen Ouss form und Wesen erhielt. Die deutschen Juden müssen endlich einmal begreifen, dass der wertende Masstab, den unsere Gemeinschaft an die aus ihr entsprossenen Menschen legt, nicht hergenommen" werden darf von den Ideen, denen sie dienen, sondern von dem Grade der Treue, welche sie diesen ihren Jdeen bewahren. Solange das Judentum im Exil lebt, hat et kein Recht, dem einzelnen Juden Wege des Denkens und des Handelns an sich zu gebieten oder zu verbieten. Es gibt keine geistige Bewegung, kein politisches oder gesellschaftliches Ideal, das man „im Namen des Judentums" verdammen dürfte, solange auch nur e i n Jude sich aufrichtigen Herzens zu ihm bekennt. Und darum sind, recht verstanden, die in letzter Zeit sich mehrenden jüdischen Proteste gegen den „Bolschewismus4' ein trauriges Zeichen mangelnder Instinktsicherheit. — Denn in welchem Land hat das Judentum gegen den Krieg, gegen die Gewalt der Kanonen und Flinten protestiert, welcher Ausdeuter der Schrift hat den Mut eines Liebknecht gehabt, der, seiner eigenen Person nicht achtend, aus tiefster Ueberzeugung es auszusprechen wagte, dass es für Mord niemals eine Entschuldigung gibt: auch für den Mord im Kriege nicht! Nur wer das „im Namen des Judentums" als unverrückbares Gesetz proklamiert hätte, dürfte heute „im

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