Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 7-8 (10.1.1920)
- Article
- Zum Fall Spaeth
- Date
- 1920-01-10
- Page
- Seite 173 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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173 Zum Fall Spaeth. In München hat sich ein jüdischer junger Mann namens S p i\ e t h erschossen, weil der Verein „Frohe Garde", dem er seit längerer Zeit angehörte, sich dazu aufschwang, antisemitisch zu werden. Die Angelegenheit ist tragisch, —- aber doch wohl nur für den jungen Spaeth. Seinen Tod als eine besondere Missetat des Antisemitismus' zu agitatorischen Zwecken zu missbrauchen, liegt kein Grund vor. Spaeth hätte in jedem Gefühls- oder Gewissenskonflikt den Weg aus dem Leben gefunden. Was er nicht zu überleben vermochte, war nichts Neues. „In Wien studierte ich die Rechte, nahm an allen Studententorheiten teil und trug die bume Mütze einer Verbindung bis diese eines Tages den Beschluss fasste, dass fortan keine Juden mehr als .Mitglieder aufgenommen werden sollten. Die es schon waren, erhielten die freundliche Erlaubnis, in der Verbindung zu bleiben. Ich sagte den edlen' jungen Leuten Lebewohl und fing nun an, ,,mich ernstlich an die Arbeit zu setzen/' So HerzI in seiner Selbstbiographie, Wobei für umorientierte Leser hinzugefügt sein mag, dass H er zl damals noch nicht etwa Zionist war. -1 Tarjftreue Schächter. In einem jüdischen Lehrerblatt ist ein Schächttarif zu lesen, der in allen Einzelheiten die Gebührnisse für das rituelle Schlachten von Rindern, Ziegen, Hühnern, Tauben, für das Porschen usw. regelt. Es kommen dabei Termini technici vor, wie sie im Tarif der Transportarbeiter und ähnlicher Berufskathegorien auch stehen. „Für jede weitere angefangene Stunde M. .. Gegen einen Schächttarif an sich isi -nichts zu sagen, es sei denn, dass man auf dem Standpunkt steht» dass Schächten eine Mizwoh ist, derer, Würde die Bezahlung widerspricht. Aber wenn wir uns erinnern, dass diese tariftreucn Schächter — jüdische Lehrer sind , die intellektuellen Leiter unserer Kleingemeindi-'n,. so zeigt dieser Versuch, die ökonomische Lage des Schächters zu heben, mit einer ins Groteske verzerrten Deutlichkeit, was auch früher schon den Einsichtigen klar war: dass es nicht angeht, den Lehrer zum Schächter zu machen, und dass endlich einmal Ernst damit gemacht werden muss, die beiden Berufe zu trennen. Oder soll es dazu kommen, dass der Lehrer als Schächter in den Streik eintritt, weil der Dorfmetzger den Tarif nicht einhalten will? Wir sind uns der Tragweite unserer Forderung wohl bewusst. Wir wünschen weder die für jeden Juden selbstverständliche Ehrerbietung vor der rituellen Funktion zu verletzen, noch verkennen wir die Umstände, die dazu anscheinend zwingen, das Amt des Cantors, Lehrers und Schächters in einer Person zu vereinigen. Wir wissen sehr genau, dass zahlreiche Kleingemeinden nur deshalb auch einen Lehrer haben, weil sie ihn bei Anstellung eines Cantors und Schächters sozusagen „gratis" mitbekamen. Trotzdem: der Lehrer als Schauchet sollte unserm Empfinden eine unerträgliche Erscheinung sein. Wir wollen mit einem Vorschlag zur AbhiJfe nicht hinterm Berge halten. Wie wäre es mit dem „B ez j r k s - S c h a u c h e tu? Mit einem Mann, dem ein grösserer Bezirk zugewiesen würde, wenn möglich so