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Neue jüdische Monatshefte · 1919-12-25 · Heft 6 (25.12.1919) · p. Seite 140

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 6 (25.12.1919)
Article
Die Bibel als methaphysisches Dokument
Date
1919-12-25
Page
Seite 140 (sequence 2)
Language
German
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140 Ich habt kurz gesagt und betone es von neuem, dass die Annahme eines Karma eben nur Annahme bleibt: — wir wissen; nicht, ob wir mehrere Leben leben. Schon der englische Forscher und Verherrlicher des Buddhismus T. W. Rhys Davids hat die Lehre vom Karma „den verzweifelten Ausweg eines Mysteriums" genannt, und die individualisierte und individualisierende Kraft des Karma, das Bindeglied zwischen dem einen Leben und dem andern: nichts als ein Wort, eine wunderbare Hypothese, ein luftiges Nichts, eine imaginäre Ursache, welche ausserhalb des Bereiches der Vernunft liegt.*) Vif. Ebenso verhält es sich mit der Idee des Nirvana. Nirvana ist: Ausgelöscht sein des Ichs für alle Zeiten, — für Zeit und Raum, für Ursache und Wirkung, — das Ich, das endet, ist nicht mehr, — Idas Ich, das untergehen kann, weil es besteht, weil es zusammengesetzt ist, ist nidst mehr. Die Lehre von der „Erlösung" von Ich, Geburt und Leiden, die schon in alten brahmanischen Texten eine widhtige Rolle spielt, hat in Buddha den 'konsequentesten Lehrer und Vertreter gefunden. So dass enan fast jetzt erst von Nirvana ate von einer einzigartigen, unendlich originellen religiösen Idee reden kann. Noch einmaT, dass m!an es recht erfasse: Das Karma hört auf, die Kette der Leben reisst — ins Nichts. Also, einfältig und einfach gesehen, ist Nirvana nur und nur foFgendes: Das Ich, das als Bestehendes, als Existenz, immer leiden muss', hört gänzlich und vollkommen auf. Das allerdings ist eine wichtige, im Laufe der Zeiten in mannigfachster Gestalt wiederkehrende Idee. Aber wie unendlich gross und rätselhaft erhebt sich vor uns das Wunder der Erkenntnis, das der ebenso rätselhaften Menschheit zugedadht ist! — Das Karma, die Idee der vielen Leben als der Wirkung des Vergeltungsprinzips, welches dem natürlichen Denken innewohnt, soll uns deutlich eingeschärft werden, — ferner: die Idee des vöFligen Anfhörens unserer Existenz, die Möglichkeit, die Wahrscheinlichkeit dieses Aufhörens, oder gar der innige Wunsch siach ihm, — um dies, dieses hohe Element der Wahrheit im Räume der Allwahrheit, des grossen, tiefen, ungebrochenen All- oder Gottgefühls, — um dieses edle Element uns Menschen ins ewige Gedächtnis einzuprägen: musste der Buddha in die Welt kommen. *) Der Buddhismus von T. W. Rhys Davids, nach der 17. Auflage aus dem Englischen ins Deutsche übertragen von Dr. Arthur P f u n g s t. (Fortsetzung folgt.)

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