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Neue jüdische Monatshefte · 1919-12-10 · Heft 5 (10.12.1919) · p. Seite 116

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 5 (10.12.1919)
Article
Die Bibel als methaphysisches Dokument
Date
1919-12-10
Page
Seite 116 (sequence 2)
Language
German
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116 wir — sicher. Wir wissen auch, dass wir ein Brand und ein Durst sind, und dass wir durch unsern Brand und durch unsern Durst alle Leiden: Alter, Krankheit und — Tod uns selber bereiten. Ja: und Tod. Denn was'entsteht, muss vergehen. Also: entsteht nicht!! Also: handelt nicht!! Also durstet nicht, wollt nicht!! Denn eben der Wille, eben die Selmsucht schafft — neue Geburt, schafft neuen Tod. Letzter Tod: Nirwana, — das ist das hohe Ziel Die Kette der Geburten: das ist das Karma. Aber nicht nur diese als Ganzes, sondern auch: das, was wir aus lunserm Leben machen, das Ergebnis unseres Lebens, — auch das ist unser Karma. An diesen bedeutenden Dingen und Wahrheiten des Buddhismus ist: so gut wie alles zweifelhaft, — wenn wir im Einfach-Logischen reden wollen, wie es der Buddhist am ehesten wünscht. Wahrhaft und logisch ist: neben allem andern, das wir nicht wistsen, /wissen wir auch folgendes nicht: wir wissen nicht, ob wir mehrere Leben leben. (Für den Inder Buddha war die Tatsache der Seelenwanderung eine so feststehende, dass er ihr erst garnicht durch Erkenntnis beizukommen wagte.) Damit ist das Karma für den nur Logisch-Denkenden aufgelöst und aufgehoben. Einem der geistigsten und geistvollsten neuen Kenner und Forscher auf dem Gebiete des Buddhismus, Paur Dahlke, ist dieser gefährliche Zusammenhang zwischen Seelenwandrungstheorie und Karmalehre ausreichend zu Bewusstsein gekommen, und er versucht es, auf seine Art dieser Gefahr entgegenzutreten, „Eine Seelenwanderung", sagt Dahlke, „verlangt ein Beharrendes, Ewiges, eine Einheit an sich. ,,Wie der Wurm von Halm zu Halm"(so lautet der Vergleich in den Upanishads) so geht die Seele (er Atman, das wahre Selbst) von (Existenz zu Existenz." „Nicht ein an sich Beharrendes geht über, sondern die individuelle Tendenz, die Strebungen, der Charakter, das Bewusstscin — oder wie man den Wert an potentieller Energie, den der Ichprozess im Zerfall darstellt, sonst nennen mag, — geht über, indem er unmittelbar da anschlägt, einschlägt, den neuen Ausschlag an dem Material ergibt, auf das er einzigartig abgestimmt ist, das ihm allein von allem, was da ist, zuruft und dem er allein von allem, was da ist, antwortet. Noch einmal: Karma ist kein Strang, der die Existenzen verbindet, so wenig wie der Blitz Im Gewölk ein Strang isft. Die Ansicht eines beharrenden „Selbst", einer „Seele" wird oft und nachdrücklich abgewiesen. (Buddhismus als Weltanschauung von Paul Dahüke. Walter Markgraf. Breslau 1912). (Fortsetzung folgt.)

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