Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1919-12-10 · Heft 5 (10.12.1919) · p. Seite 112

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 5 (10.12.1919)
Article
Abraham oder Die Entdeckung Gottes
Date
1919-12-10
Page
Seite 112 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2908689-2908753-2908756-2912384--2914-2912414
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

112 Nichts lenkt mich mehr von dieser Wahrheit ab, Nicht Menschengrösse und nicht Kräfteglut Der herrlichen Natur, denn alles, alles, Es rmuss ein Ihm besitzen, eine Weisheit Und eine letzte, schöne Wesenseinheit. Das nenn ich — Er und Du. So nimm denn, Vater, Mein wahrer Vater, deines Kindes Preis an! Gelobt seist du, im Himmel und auf Erden. Was 'droben ist, ich weiss es nicht, was hier Auf Erden ist, ich will es herzlich suchen, Mich mühen will ich, wie dti selbst dich mühst, In Lieblichkeit und Reinheit. Bist du doch Die ewige Tat. Ach, habe Dank und Oruss, Du, Macht, die mich durchdringt, die mich entzündet. Mit Worten will ich nichts .mehr tun, denn Worte, Sie finden Gegenworte. Doch mein Leben Soll für dein Dasein zeugen. Wie denn könnt ich Noch fehlen, da du bist! Wie einen Menschen Beleidigen, wie einem Leben weh tun? Nimm mich, mein Gott, für dieses Leben hin. Und für das andre walte, wie du waltest, Und wie ichs inicht ergründe. (Anbetung in Stille und Versenkung. Der Geist Gottes senkt sich auf Abraham.) Der Geist Gottes: Gebet der Zeiten, wardst aus Menschenherz Und .wardst ich selber. Preis, mein Sohn, dir, Preis! Abraham, Mensch vor Gott, sei hoch gesegnet. Wie du mich als des Lebens Herrn erkannt hast, Als Vater und als Schöpfer, will ich dich Zum Vater aller Erdenvölker machen. Nicht aus den Lenden deines Erdenletbes - Soll Volk um Volk hervorgehen, — aus dem Geiste, Der mich erfand und der des Lebens Urgrund In Alilde kühn erhüllt hat, — sieh: aus ihm Soll alle Menschheit lernen, rein und liebend Zu leben und sich seiig zu vollenden. So wandle hin und werde stets vollkomrnner, Und alles Leben strebe dir in Macht, Die Menschennichrigkeit vernichtet, nach. —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.