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Neue jüdische Monatshefte · 1919-10-25 · Heft 2-4 (25.10.1919) · p. Seite 81

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 2-4 (25.10.1919)
Article
Meine Buchhandlung
Date
1919-10-25
Page
Seite 81 (sequence 2)
Language
German
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81 einzige deutsche Buchhändler, der die Reise nach London riskierte, war oder sonst auf meinen Auslandsreisen aus Polen, Galizien, Ungarn, Belgien, Frankreich- und speziell Holland holte. In Amsterdam war ich bald nach meiner Etablierung ein häufiger — und ich bilde mir ein, auch gern gesehener — Gast. Meine freundschaftlichen Beziehungen zu den jüdisch-literarischen Kreisen in Holland deklarierte ich noch höher, als die geschäftlichen zu ihnen. Diese tausende und abertausende Bücher konnten natürlich nicht alle in .meinen Katalogen, wovon bisher 26 erschienen sind und von denen manche stattliche Bände mit 160—180 Seiten füllen, Aufnahme finden. Das war auch nicht mehr nötig, denn nach wenig Jahren des Bestehens meiner Firma gab es wohl keinen grösseren Sammler oder Interessenten für jüdische Literatur, der von ihr nicht gekauft oder von ihr keine Kenntnis hatte. Spezieil darf ich als Absatzgebiete Amerika und hauptsächlich durch meine persönlichen Reisen England und Frankreich erwähnen. Manches interessante Vorkommnis könnte ich erzählen, so z. B. dass einmal an einem Tage Post aus 32 verschiedenen nichtdeutschen Ländern bei mir eintraf oder dass zum Beilis-Prozess sowohl Ankläger als die Verteidigung von mir die äusserst seltene Original-Ausgabe von Eisenmengens entdecktes Judentum vom Jahre 1700 erhielten. Eines dieser Exemplare stammte vom ehemaligen Reichskammergericht Wetzlar, wo es beim bekannten Prozess Eisenmengers gegen die Frankfurter Judenschaft Benützung fand, fminer und allenthalben merkte ich: habent sua fata libelli — aber auch Buchhändler haben ihre Schicksale. Mit dem meinigen konnte ich bei meiner glühenden Liebe zum jüdischen Schrifttum, die mir ja aucjli zu einer grösseren Anzahl von Veröffentlichungen die Feder in die Hand drückte, bisher wohl zufrieden sein. Das Werden des jüdischen Verlags Von Dr. Ahron Eliasberg, Berlin I. ir Jüdische Verlag ist mit der beginnenden jüdischen Kulturpolitik entstanden, für die man den inzwischen halbvergessenen Ausdruck „Jüdische Renaissance" geprägt hatte. Es verlohnt sich vielleicht, auf die Geschichte dieses Wortes hier mit einigen Worten einzugchen, weil sie die damalige Situation charakterisiert und das Verständnis für die Bestrebungen der nationaljüdischen Jugend Westeuropas vor etwa zwanzig Jahren erleichtert. Der Ausdruck ist, soweit mein Gedächtnis mich nicht täuscht, zum ersten Male auf einer Begrüssungskneipe des Berliner Vereins Jüdischer Studenten gebraucht worden. Begrüsst wurde die Delegation des gerade begründeten Vereins Jüdischer Studenten an der Universität Leipzig, an deren Spitze Martin Buber stand und zu der auch ich gehörte. Der Tendenzredner sprach von der jüdisch-nationalen Bewegung, wie sie den ganzen jüdischen Menschen erfasse und in seinem Lebensgefühle steigere, und verglich sie in dieser Wirkung [mit der Renaissance. Buber griff das Wort begeistert auf und gebrauchte es öfter in seinen Reden. Er schrieb 1900 unter diesem Titel.

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