Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 2-4 (25.10.1919)
- Article
- Das Buch der Bücher
- Date
- 1919-10-25
- Page
- Seite 69 (sequence 2)
- Language
- German
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69 wie sie im Pentateuch sich äussern, gesprochen. Kant nannte sie den „Inbegrirf bloss statutarischer Gesetze" und Renan sprach von dem Phantasiemangel der Semiten überhaupt und der Juden insbesondere. In der Tat sticht das Pentateuch' in dieser Beziehung nicht nur vom Polytheismus der Griechen, sondern schon von den Mysterien des Cnristentums ab. Wie subjektiv hier die Urteile sind, ersieht man aber aus Lctourneau, der sich gerade im entgegengesetzten Sinne äussert: „Dans la Bible, Ies traditions mythiques, Ies Inendes tiennent heu d'histoire s^rieusc et de chronique exaete. Les redacteurs du Livre n'avaient pas l'esprit scientifique; mais comme les Arabes, les Hebreux ont une imagination violernment coloree".*) Es genügt nur der Visionen Hesekiels zu gedenken, um die Richtigkeit dieses Urteils zu empfinden. Vor allem aber: was uns im gesetzlichen Pentateuch starr erscheint, das wird reichlich durch den Polymorphismus der ganzen Bibel aufgewogen, die alle Stufen menschlichen Denkens und Empfindens umspannt, von der dem Kindesgemüte zusagenden mythologischen Naivität bis zum geradezu modernen philosophischen Pessimismus eines Hiob oder Koheleth. n der Geschichte der Volkswirtschaft bildet die Darstellung des historiscl'. en Werdens der einzelnen wirtschaftlichen Phänomene eine der interessantesten Seiten der* wissenschaftlichen Forschung. Man sucht die Erscheinungen der Gegenwart aus ihrem Werden inder Vergangenheit zu erkennen, die bestimmenden Ursachen aufzufinden und in ihrer Wesenheit z.u ergründen. Die einzelnen buchgewerblichen Betriebs formen, die in ihrer Gesamtheit den Organismus des modernen deutschen Buchgewerbes ausmachen, sind dem Wesen nach nicht neu. Sie haben sich ganz allmählich im Laufe der Zeiten entwickelt und durchlaufen einen klaren Prozess des geschichtlichen Werdens, in dem siidi die einzelnen Entwiekrungsphasen deutlich von einander abheben. Die älteste Form des Buchgewerbes ist der Buchhandel. Lange vor der Erfindung der Buchdruckerkunst ist er von Juden bereits gepflegt worden. Der Katalog eines jüdischen Buchhändlers aus dem 12. Jahrhundert ist vor"einigen Jahren aus der Genizah in Fostat, dem gegenwärtigen Kairo, ausgegraben worden. Der Dichter Emanuel aus Rom, ungefähr um 1300, berichtet, dass ein Buchhändler mit Namen Aaron aus Toledo mit ISO hebräischen Handschriften nach Rom gereist sei und diese auf gewohnte Weise in Perugia verkauft habe. Mit der Einführung des Buchdrucks wurde Italien der Mittelpunkt des Buchhandels, dort sind auch hebräische Bücher zuerst hergestellt worden. Sogenannte fliegende Buchhändler reisten, nachdem sie siejh in Venedig, Mantua, Padua, Cremomi Kauffmann Eine kulturhistorische Skizze Von Oscar Lehmann, Mainz. *) Letoürneau, Les psychologie ethnique, Paris 1901, p. 321.