Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 15 (10.5.1919)
- Article
- Das Jahr des Juden [Rezension]
- Date
- 1919-05-10
- Page
- Seite 328 (sequence 2)
- Language
- German
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326 dk Bhun-en \lerdlorrt, die Stimmten kfex Himmelsboten verstummt sind und <lfe schwarze Sprgv aufs Neue an die Türe pocht. „Das Ende der Nacht, vor dem Erwachen der Schöpfung, da wieder neues Leben in die Erde-pweH einzuziehen beginnt," bereiten vor den hohen Festtagen eines jraeuen Jahres die Selichaussgebete vor, zu denen sich die Gläubigen zu früher .Morgenstunde, da noch das Dunkel die Erde einhüllt, hn Gotteshause einzufinden pflegen. Mit Laternen wandern sie durch die codi schlafenden Häuserreihen zur Andachtsstätte, die ihnen als Zielpun&t üules Weges und ihrer Sehnsucht entgegen leuchtet Am Neujahrstage, da das Buch der Erinnerungen mit den Eintragungen unserer Taten abgewogen und das Gottesgericht abgehalten wird, tönt Clus den Höhen das gemahnende Schofar, um uns zu reinigen und vorzubereiten . zum reumütigen Bekennen .aller Sünden am KoPNidre und zur innigsten Verbindung miS unserem Gotte, da die Erde sich einhüllt in Gebet und die Seele einzig emporleuchtet wie das Licht der Kerze, das Symbol des Lebens und der reinen Gottesflamme. Dem gewaltigen Sturme seelischer Erschütterung des beginnenden Jahres folgen die Tage der Erinnerung und der beschaulichen Festesfreude. So das rliütienfesffr, dSajs der Künistter durch ein getreues Bild aus seinem Heimatstadtchen schildert, wo neben der Synagoge und dem Beth-Hamidrasch die Sudkoh errichtet ist, und .die Familie um den kleinen Tisch gesell aart sitzt. Sirnchath-Thora ist ebenso wie das Channuckahfest durch das Symbol des entsprechenden Kultusgerätes zur Anschauung gebracht; dort die von immer wieder grünenden Girlanden umrankte Thora, deren Rolle weit geöffnet dem Mensehen sein in die Lehre vertieftes Ebenbild erkennen lässt, hier die Menorah!, die sich als ein; aus den verschiedensten Tributen des Zionsgedankens aufgebauter achtarmiger Leuchter darstellt. Auch historische Szenen werden in den Zyklus eingefügt. Die Purimfeier schmückt der Triumphzug des Mordechai, d'er in königliche Gewänder gehüllt, durch die Strassen reitet, und vor dem die Schergen ausrufen: Also geschieht dem Manne, den der König zu ehren verlangt. Das Pessachfest wird durch d£e Darstellung der in Bene-Berak versammelten Gelehrten, deren Diskussion über den Auszug der Kinder Israel durch das Eintreten <£er zum Morgengebet mahnenden Schüler unterbrochen wird, geschildert. Wie aber der Inhalt unserer Lehre nicht geschichtlicher, sondern ethischer Art ist und alle Religionsübung in dem Glauben an das Walten einer unerforschlichen Macht gipfelt, der sich der Mensch zu beugen hat und deren Sinn sich ihm n|ie ganz entschleiert, wie unsere Feste nicht von lauter Freude und überschäumendem Genüsse, sondern von tiefer ln- &erlich!kext getragen werden, so schliesst auch/ dieser Kranz, der sich m seinen bedeuhmgsreichen Darstellungen um das Jahr des Juden flicht, mit dem Hinweis ajuf die Mission des Judentums in den beiden letzten Blättern; Die Offenbarung auf dem Sinai, wp sich unter dem Tosen der Elemente Gott oifenbarte und sein Volk zum Träger seines Namens ünd seiner Verheissung cr&Joren — ertoren zum Lehren und Leiden — schildert das . Säsebuoilrfest. .! Elegisch!dingt daher das Lied aus mit dem Tischobeaw, dem' Tage der Zerstörung des Tempefe, <^er Erinnerung menschlicher Leiden und unendlicher seelischer «Quaüen: Eine trauernde Gestalt hockt in dem geheimnisrvollen Dunkel des B'eth-Hamidrasch und sinnt über den Vers der Klagelieder nach: p,er sitzt einsam und ßchweigt, denn er hat es auf sich ge- ' r.osnmen." — » Tage der Vergangenheit ziehen an uns vorüber und gewinnen durch die eindringliche Sprache des - Künstlers neues Leben und neue 'Gestalt. .