Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 14 (25.4.1919)
- Article
- Revolution und Sündenbock
- Date
- 1919-04-25
- Page
- Seite 303 (sequence 2)
- Language
- German
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301 „Invviefern mögte dem Protestantismus einiger Antheil an der Französischen Revoluzion zuzuschreiben sein?" Der Aufsatz beginnt: „Es ist eine alte Gewohnheit (oder, wenn man lieber will, Unart) „des menschlichen Gemüths, die Unglücksfälle der Zeit und selbst „die Besorgniss ihrer möglichen Entstehung dem armen Menschen- „iiäufchen" zuzuschreiben, welches die Dreistigkeit hat sich in „Absicht auf religiöse oder politische Meinungen von dem grossen „Haufen zu trennen." Als Beweis hierfür wird die Gesinnung der ägyptischen Priesterschaft gegen die Kinder Israels an Hand von Bibelstelien angeführt. Es wird nun zweierlei untersucht: erstens „ob die Grundsätze des Protestantismus den gewaltthätigen Um- „sturz einer .... Staatsverfassung begünstigen, oder blutdürstige „Gesinnungen und Königsmord hervorbringen," und zweitens „ob nicht i]n den Herzen der französischen Protestanten der „Samen der Unzufriedenheit, welchen man so lange und sorg- „fältig pflegte, auch einige Wurzeln trieb, die mit denjenigen, „welche die unvernünftige Staatsverwaltung hervortreiben musste, „dem üppigen Wachsthum des Revoluzionsbatims Nahrung gaben»" Die erste Frage wird mit Bestimmtheit verneint, obwohl der Anti-Protestant Grossvikar und Abt Limora behaupte, „dass die Unglücksfälle unter welchen Frankreich seufzt, und das „vergossene Blut so vieler Unschuldigen, und der Tod des guten „Königs Ludwigs XVI, eine ,Folge der gottlosen Lehrsätze der „Reformierten' sei." Di:e zweite Frage wird nicht so entschieden verneint Zur Beantwortung werden Feststellungen und Erklärungen gegeben, von denen ich nur die Worte herausschäle, welche für jüdische Zusammenhänge unter den heutigen Verhältnissen besondere Bedeutung besitzen. Ob die Protestanten bei der Staatsumwälzung mitgewirkt haben, das müsse, so meint der Verfasser, die Geschichte entscheiden; jedenfalls sei nur eine ganz geringe Zahl in der ersten Nationalversammlung vertreten gewesen. „dass aber", so fäjirt er fort, „die Protestanten, als solche, eine „nicht von ihnen hervorgerufene veränderte Staatsform, sofern die- „selbige . . . ihnen Rechte erstattete, welche nur blinde Paries- „wuth . . . ihnen rauhen konnte, in ihrem Herzen werden gesegnet „haben: wer mögte dies Ehignen?" Zurf Rieditf ertigung der französischen Protestanten fügt der Verfasser auch noch hinzu, die Revolution schien „der Vernunft Ehre zu -bringen" und „dem Vorteil einer ganzen „Nation angemessen zu sein." Wörtlich heisst es dann: „Nach dem unbestechbaren Zeugniss der Geschichte, ist dies der „einzige Antheil welchen die . . . Französischen Protestanten an „der Staatsumwälzung ihres Vaterlandes nahmen. AHein ein andc- „rer Umstand . . , scheint allerdings . . . wenigstens als vor-