Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 256

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Ein jüdischer Holzschnitt [Rezension]
Date
1919-02-10
Page
Seite 256 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2908689-2908735-2908742-2911646--2359-2911732
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

254 tröstend über die vor ihm kniende weibliche Gestalt mit verhülltem. Gesicht ausgebreitet. Unter der schlichten Darstellung sind jene beiden Verse Jeremias in hebräischen Quadratlettern in Holz geschnitten- Und das fällt beim ersten Blicke besonders auf: die fünfhebräischen Zeilen sind nicht an die Zeichnung angesetzt und nicht als dekoratives Beiwerk angebracht, sondern ein ebenso notwendiger organischer Bestandteil des Blattes wie die Flammenzungen im Hintergrund und wie das Tuch auf des Propheten Haupte. Eine so innige Verschmelzung von Schrift und Zeichnung ist uns auf keinem Werke moderner Graphik begegnet Dieser Holzschnitt ist aber eines der vollendetesten Werke jüdischer Kunst. Die fromme Andacht, aus der es geboren, spricht aus jeder Linie des in seiner Auffassung und Technik seltsam keuschen und gar nicht artistischen Blattes. An der Wand wirkt es vornehm und groß wie ein Meisterwerk altdeutscher Holzschneidekunst und zugleich jüdisch wie ein Misrach oder eine Mesuse. Wenn man überhaupt die Existenz einer jüdischen Graphik bezweifeln kann, so ist dieses eine Blatt ein Beweis dafür, daß es eine solche Graphik gibt. Jedenfalls ist es der einzige wirklich jüdische Holzschnitt, den wir kennen. Der Künstler, der das schöne Blatt geschaffen, heißt Joseph Budko. Dieser junge Ostjudo verbindet in sich reinste jüdische Gesinnung, abgrundtiefes jüdisches Wissen, wie es nur einem ehemaligen Zögling einer Jeschiwe eigen sein kann, mit vollendeter künstlerischer Kultur. Und das ist wahrlich keine alltägliche Erscheinung! Es sind 75 Abzüge .direkt vom Holzstock auf schönes altes Papier gemacht und vom Künstler signiert worden. Der Preis eines solchen Abzuges, der von Joseph Budko, Berlin NW 23, Sigmundshof 11, bezogen werden kann, beträgt 50 M. Der Gesamtertrag fließt den Hinterbliebenen der Opfer des Lemberger Pogroms zu. Jeder jüdische Kunstfreund sollte das herrliche Blatt besitzen! Verantwortlich fQr die SchrlftleltunK und forden Verlag: Martin Goetz, Berlln-Chariottenburpr Nachdracto der Beiträge den Tageszeitungen mit genauer Quellenanarabe gestattet Gedrucht bei Julius Sittenfelri, Berlin VT

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.