Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 6 (25.12.1918)
- Article
- Die Wirkungen der jüdischen Wanderungen
- Date
- 1918-12-25
- Page
- Seite 124 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2908689-2908735-2908740-2911525--2190-2911547- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
122 wichtigsten Merkmale der jüdischen Einwanderung nach Palästina gewinnen. . Ich hebe hier von diesen wichtigsten Merkmalen folgend© hervor: Die Einwanderung erfolgt erstens nach einem vorher überlegten Plane, der bis in die Einzelheiten von der Organisation der Einwanderung festgelegt ist Durch die Einwanderung erfolgt zweitens eine planmäßige, allerdings im Augenblick erst in Anfängen stehende Okkupation des gesamten in Aussicht genommenen Wirtschaftsgebiets. Und es findet drittens eine Besetzung aller Zweige der Wirtschaft, einschließlich der Leitung der Produktion und sonstiger Verwaltung durch die Einwanderer selbst, statt. In dieser Epoche gibt es also nicht mehr eine Anpassung der ausgestoßenen Arbeitskräfte an einen fremden Wirtschaftsorganismus, sondern eine Okkupation eines dazu geeigneten Wirtschaftsgebiets durch die freigewordenen wirtschaftlichen Energien. Der jüdische Emigrationsprozeß verwandelt sich somit in einen Kolönisationsprozeß. Das würde aber bedeuten, daß in die Bewegung ein Ruhepunkt kommt, daßdas jüdische Hin- und Herwandern auf der Erde durch eine Kolonisation aufgehoben wird, dio durch die Entwickelung der allgemeinen und der jüdischen Wirtschaftskräfte bedingt und vom Menschenwillen geleitet wird. Slowaken und Juden Eine zeitgemäße Untersuchung von Paul Josef Diamant, Wien. Sl^^^TCach mehr als vier Jahren gräßlicher Kriegsgreuel lechzt die ^Ir^lr Menschheit nacl1 Frieden und , Glück. Sehnsüchtig erwartet HllS^l § man Nachrichten über den Abbau des Hasses, über das Wiederaufleben der in der Bergpredigt verkündeten Grundsätze. Doch fast das Gegenteil ist eingetreten, man vernimmt schaudernd von neuen Feindseligkeiten zwischen den Völkern, die man des Kampfes schon müde wähnte. Auch dem jüdischen Volk ist noch kein Friede gegönnt, allenthalben hört man von Raub und Mord, Verfolgung. und Pogrom. Mit schmerzlichster Überraschung vernimmt man die Nachricht, daß auch in der Slowakei Judenverfolgungen stattgefunden haben, daß also die ..früher so guten Beziehungen zwischen diesen beiden Völkern gestört worden sind. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts begann eine starke Einwanderung von Juden in die Slowakei. Die alte, blühende, tiiährische Gemeinde Ungarisch-Brod war 1683 durch die räuberischen Kuruzzen des magyarischen Grafen Emerich Töküly durch Mord und Brand zerstört worden. Die Flüchtlinge zogen in die Slowakei und gründeten dort zahlreiche Gemeinden. Auch während des ganzen IS. Jahrhunderts kamen Scharen von Einwanderern; gerne nahm man in der